Hartz 400.000 oder ein harter Versorgungsfall

07. August 2009 von Georg Blum

Zurzeit wird vor dem Landgericht Karlsruhe der Fall EnBW gegen Utz Claassen verhandelt. Es geht um die “einmalige” Vertragsklausel, die ihm nach dem Ausscheiden bei der EnBW eintrikot_hartz4 Überbrückungsgeld von 400.000 Euro !!! pro Jahr bis zum Alter von 63 Jahren gewährt.

Egal wie das Verfahren ausgeht, kann man hierzu nur sagen: Wie kann man so einen Vertrag schließen? Und bei der aktuellen Honorar- bzw. Gehaltsituation von Utz Claassen (er berät das große Investment-Haus Cerberus): Kann man den Kanal nicht voll genug bekommen? Er hat für das Jahr 2004 (sein Amtsantritt) ca. 4.2 Mio. (inkl. variabler Vergütung) erhalten. Selbst, wenn es in den Folgejahren bis 2007  nur 3 Mio. Euro waren. Was will er noch? Mitleid? Mit einem Hartz 400.000 Empfänger! Das Fressen kommt vor der Moral, sagte Brecht. (b)Recht hat er.

Ich bin dafür, dass sich die EnBW und Herr Claassen hier schnell und geräuschlos einigen, denn jede Zeile in der Zeitung oder auf dem Bildschirm ist zuviel.

Oder?

Krise – welche Krise?

10. Juli 2009 von Georg Blum

bauer_stollwerkKrise – welche Krise?

Das denkt sich der Bauer, der auf dem heutigen Titelbild und Geschichte der FAZ sich “beinahe lasziv” in Pose wirft.

Da ich im CRM (Customer Relationship Management) aktiv bin, fällt mir nur eine Adaption dazu ein:

Für unseren Star auf der Titelseite ist das Cow Relationship Management. Aber auch dass wird ihn wohl nicht interessieren. :-)

Recht hat er. Nur nicht aus der Ruhe bringen lassen. Carpe diem

Im Reiseblatt der FAZ vom 7.Mai 2009 war ein netter Artikel. Er spricht mir als alten Schlagzeuger aus dem Herzen: Trommeln für den Teamgeist.

percussionEine 150 Personen starke Marketingabteilung eines Großkonzerns fährt extra nach Spanien um sich innerhalb eines Teamtrainings fit zu machen. Es geht aber nicht darum tumb auf die Pauke zu hauen oder platt die Werbetrommel zu rühren. Nein, das wäre zu einfach. Es geht um die Verbesserung der Zusammenarbeit unter- und miteinander.

Als die Gruppe nach einer Akklimatisierungsphase am Ort endlich zum Trommeln gerufen wird, beginnt die erste Aufgabe mit dem Rücken-Massieren des jeweiligen Nachbars bzw. Kollegen. „Na ja, so viel Nähe bei der Zusammenarbeit wollte ich eigentlich ja nicht haben“ sagte der eine oder andere Teilnehmer.

Aber so nach und nach überkommt es die Teilnehmer. Mit Surdos, kleinen und großen Trommeln wird zu Samba und Reggae gegrooved, dass alle Teilnehmer ins Schwitzen kommen und die Zurückhaltung abfällt. Zusätzlich befreiend sind laute Urschreie, die den Rhythmus und das Schlagen der Trommeln verstärken und den belasteten Kopf wieder frei machen.

Am Ende der vielen Übungen ist der Unterschied zwischen Manager und Mitarbeiter nicht mehr auszumachen. Alle sind locker. Man schnippt mit den Fingern, klatscht in die Hände oder wippt mit den Beinen – und lächelt verzückt dabei.

Ziel erreicht. Nur wie lange? Ich glaube sehr lange. Wenn die Trommeln auch im Unternehmen zur Verfügung (wie bei CommunDia im Keller) stehen, dann ist mal schnell der Frust herausgetrommelt. Die Fortsetzung lässt sich einfach unterstützen. Den Bausatz zum gemeinsamen Trommel basteln, gibt es schon ab ca. 50 Euro.

Also: Hau drauf – das verstärkt die Zusammenarbeit.

Boris-Becker-TVJetzt kann man mal wieder darüber streiten, ob Boris Becker Grenzen überschreitet oder durch einen medialen Hechtsprung das Medium Internet revolutioniert. Auf jeden Fall bekommt er die Aufmerksamkeit, die er benötigt. Oder die ihm gebührt.

Mit seinem neuen Auftritt unter www.Boris-Becker.TV ist er mal wieder unschlagbar. Das Medium bietet ihm die Grundlage für einen 1A-Aufschlag. Alle können ihm bei seinen „Ähs“ über die Schulter schauen. Und Kritik schlägt er locker mit seiner Rückhand in das digitale Universum zurück. Kein Longline-, äh Online-Video darf fehlen. Big Brother lässt grüßen. Von der Hochzeit bis zum Modeevent – alles ist nun im BBBB.TV online zu sehen.

Am besten gefällt mir sein Satz im Anschluss zur Pressekonferenz. Er selbst sagte zum Ziel der Webseite vor laufender Kamera – und mit ernstem Gesicht: „Man bekommt Einblick in das Machen und Tun von Boris Becker!“ Das sagte er so selbstbewusst und ausdrucksstark, als ob er endlich ein Double gefunden hätte, das ihm die riskanten Aufnahmen bei Modenschauen, Autopräsentationen oder in Wäschekammern abnehmen wird.

OK. Bobbele ist mal wieder ganz er selbst und vorne dabei. Das ist doch zumindest ein Grund sich ihm mal kurz zu widmen.

Game, Set and Klatsch, Äh Match, Becker.

Opel und Issues Management

18. März 2009 von Jochen Mayer

Nein ich will nicht auch noch oben drauf hauen. Die Situation ist nicht lustig. Dennoch, ich wundere mich:  Im Radio und Fernsehen laufen derzeit Werbespots von Opel, als ob in Rüsselsheim die Sonne scheint. Die Werbespots laufen typischerweise ein paar Minuten vor den Nachrichten. In den Nachrichten hören wir dann gleich opel31nochmal von Opel. Aber nicht über den Geheimagentenreport vom Insignia Project und auch nicht über die Auszeichnung als beste deutsche Automarke.  Sondern über Rettungsversuche und mögliche Insolvenz. Auf der Opel Website finden wir unter „Opel Aktuell” nur Rosamunde Pilcher Informationen. Unter „Pressestimmen” wird dort ein Insignia-Testbericht der Zeitschrift AUTO mit dem Prädikat „Morgendämmerung” etikettiert. Ist das ein Fall von “mit gespaltener Zunge sprechen” oder einfach Ignoranz der Wirklichkeit?

Wäre ich ein potenzieller Opel Kunde oder ein treuer Opel Fan, der in Betracht zieht, seinen Lieblingsautobauer durch einen eventuell sogar vorgezogenen Neuwagenkauf zu unterstützen, würde ich da nicht gerne vertrauensbildendere Unternehmensinformationen erhalten? Und zwar ganz speziell für den Fall der Insolvenz, der meine Garantie, den Service und den Wiederverkauf meines neuen Wagens maßgeblich beeinflusst:

Im Falle einer Opel Insolvenz übernehmen VW Werkstätten Inspektion und Reparatur.

Audi garantiert Versorgung mit Opel Ersatzteilen bis 2019.

BMW übernimmt Opel Händlernetz.

Porsche übernimmt Garantieansprüche der Opel Kunden.

ADAC und Schwacke prognostizieren steigenden Gebrauchtwagenwert von Opel Fahrzeugen.

Warum glaubt man bei Opel, dass diese Fragen nicht kaufentscheidend sind? Oder weiß man das gar, doch die Leiter der Ressorts Marketing, Öffentlichkeitsarbeit und Vertrieb beschäftigen sich mit sich selbst? Oder fehlt es an einem Issues Management, also einem Krisenplan der Unternehmenskommunikation, den man sich vorzugsweise in guten Zeiten ausdenkt? Sind die sonst so allgegenwärtigen „nachhaltig-und-authentisch” Prediger gerade im Urlaub? Oder Skat spielen, mit den „Partnern” vom Vertrieb? Vielleicht hören und schauen sie auch einfach keine Nachrichten während der Arbeitszeit, wo man doch schon für geklauten Brotaufstrich oder Märkchen für 1,30 Euro gekündigt werden kann.

Und für alle Corporate Social Responsibility Verantwortlichen gäbe es jetzt doch nichts Befriedigenderes als:

Toyota übernimmt die gesamte Opel Belegschaft und das Kunstsponsoring von Rüsselsheim.

Entdecke Opel.