Wars der Anzug, der Haarschnitt oder das Lächeln?
02. März 2007 von Jochen Mayer
Kennen Sie das? Sie haben einen Präsentationstermin bei einem Kunden und haben stundenlang an einer Bildschirmpräsentation rumgetüftelt, doch über die Präsentation Ihrer Person denken Sie gerade mal zwei Sekunden nach, bevor Sie zur Tür rausrennen. Na gut, die Schuhe sind geputzt, die Frisur ist in Ordnung und der Anzug frisch aus der Reinigung. Vielleicht kommt es Ihnen auch gar nicht in den Sinn darüber nachzudenken, schließlich zählt der Inhalt, denn das (denken Sie) sei was der Kunde kauft. Oder sind Sie der Typ der länger über sein Äußeres nachdenkt als über die Schriftgröße der Bullet Points seiner Powerpoint-Präsentation?
Gestern hatte ich so einen Kundentermin. Ein neuer Kunde, eine große Beratungsfirma. Damit ist klar was erwartet wird. Außer Freitags. Freitags kann es auch ein "Casual Friday" sein, wer weiß das schon? Ich bin der komm-elegant-aber-nicht-zu-uniform-Typ. Meistens.
Gestern war ich in Eile. Und Freitag wars auch nicht. Also rein in den Business Dress und Armbanduhr rum. Ehrlich, mich nerven Armbanduhren, aber ich finde sie schick und man sieht einfach angezogener aus damit.
Ich hatte also zwei von drei Dingen dabei: Mein Outfit und meine Präsentation. Nummer drei im Kochrezept ist das Auftreten. Das passiert "zur Laufzeit". Mitbringen kann man es trotzdem ein bisschen: Man kann ausgeschlafen und wach sein.
Soll man eigentlich vorher übungsweise lächeln, wenn man in einen Kundentermin geht? Als Aufwärmübung in der Tiefgarage oder im Aufzug? Sollte ich Sympathie ausstrahlen oder eher Professionalität durch eine ernste Mimik vermitteln? Egal, sobald ich in einen Termin reingehe, vergesse ich sowieso was in einschlägigen Büchern geraten wird.
Mein Kunde ist eine Kundin. Neben sie setzt sich eine Assistentin. Experten, also. Vermutlich haben sie bereits gemerkt, dass meine Schnürsenkel vom Discounter und keine Originalersatzteile sind.
Wir gehen die Fakten durch, die Damen sind gut vorbereitet und verstricken mich in ein Ausfragespiel. Es wird anstrengend, ich vergesse alles außer dem Inhalt und versuche argumentatorisch zu parieren, bis ich merke, dass sie mich in dieser Ecke haben möchten. Ich versuche mich wieder freizuschwimmen, lächle nichtssagend, aber vermeintlich wissend und zähle jedesmal stumm auf drei bevor ich antworte. Ich stehe auf und gehe langsam vor dem Konferenztisch auf und ab, die Hände demonstrativ lässig in den Hosentaschen. So meine Damen, ich bin mindestens Robby Williams (nur halt größer). Ich denke es wirkt oder war es zuviel?
Vielleicht hassen sie es, wenn Männer versuchen das Gespräch zu bestimmen. Also lockere ich meine Haltung, lächle und überlasse ihnen wieder die Regie. Ich setze mich und zupfe meine Manschettenknöpfe zurecht, während sie mich weiter zu meinem Angebot befragen.
Irgendwann verabschieden wir uns. Ich lächle fraternisierend zum Handschlag. Sie erwägen mein Angebot anzunehmen. Na also, war dann wohl doch der richtige Anzug. Es war ein heller Anzug. Ich bin davon überzeugt, dass man mehr Deals in hellen Anzügen gewinnt. Probieren Sie’s mal aus.
Vielleicht war mein Angebot aber auch einfach nur das preiswerteste …



02.03.2007 um 22:36 Uhr
Da berichtet jemand von diesem Blog:
http://blog.doubleslash.de/2007/03/02/nichts-verkauft-dafur-aber-einen-blogbeitrag-geschrieben/