Ich suche eine Wohnung. Dazu habe ich im Wochenblatt eine Annonce geschaltet. Sie beginnt mit “Suche 3 ZKB von privat ..”.

Nun raten Sie mal wer die ersten 3 Anrufer waren? Makler, Makler, Finanzberater. Keiner dieser drei cleveren Vertriebsgranaten hat sein Gespräch mit mir ehrlich begonnen.

Würden diese ambitionierten (es war am Sonntag) Verkäufer wenigstens ehrlich sagen wer sie sind, wäre es nur unerwünschte Werbung, so wie Spam. Ärgerlich genug und wenig geeignet für eine positive Geschäftsanbahnung, schließlich hatte ich ausdrücklich (und kostenpflichtig) geschrieben, dass ich nur “von privat” mieten möchte.

Es kam hartnäckiger: In allen drei Fällen haben die Anrufer ganz deutlich versucht den Anschein zu erwecken Vermieter zu sein und in allen drei Fällen musste ich mehrfach hart nachfragen, bis sie Farbe bekannten. Kann man gegen solche Täuschung eigentlich juristisch vorgehen? Als Beweismittel könnte ich meinen Anrufbeantworter so einstellen, dass er das Gespäch aufzeichnet – falls das erlaubt ist.

Vor allem der Vermögensberater zieht meinen Groll auf sich. Ist eine Geschäftsanbahnung durch Täuschung eine Basis für Finanzgeschäfte?

Ich erzählte diese Geschichte einem Bekannten der Versicherungsmakler ist. Er lachte und verwies darauf, das es bedauerlich sei, wenn in Einzelfällen schwarze Schafe den guten Ruf des Gros der ehrlichen Finanzdienstleister schädigten. Ich glaube er meint etwas anderes: Wie bedauerlich es ist, wenn man die schwarzen Schafe erkennt.

Ich glaube das insbesondere, nachdem ich auf der Website eines deutschen Verbands für Versicherungskaufleute die Empfehlung an seine Mitglieder gelesen habe, mit Blumengeschenken Kunden gefügig zu stimmen, die der Verband verbilligt einkauft. Ich glaube es außerdem auch nicht, weil mir besagter Bekannter zudem erzählte, dass sie zwischen regionalen Büros Vertriebswettbewerbe betreiben. Er hält sich selbst übrigens für einen altruistischen Kämpfer gegen die Armut.

Mag sein, dass diese Vorgänge harmlos klingen, aber sie zeigen eines: Vertrieb wird von dieser Klientel nicht als Tauschen von Werten verstanden, sondern cleveres Tricksen als Kavaliersdelikt. Wie anders da doch die Werbung dieser Branche spricht – auch eine Täuschung?

Kein Wunder wenn “Vertrieb” von Vielen als anrüchiger Beruf wahrgenommen wird, dem das Übervorteilen, Überrumpeln und die Halbseidigkeit anhaftet. Kein Wunder wenn mit “Vertriebsbeauftragter” das Stereotyp eines rhetorisch geschulten, geschmeidigen Übertreibers assoziiert wird.

Wo ist eigentlich die Vertriebspolizei, wenn man sie braucht?

Man kann Vertrauen auch “nachhaltig” und “authentisch” verspielen, um mal zwei hippe Begriffe einzustreuen. Wenn ich das nächste Mal von einem Versicherungsmakler oder -vertreter einen vermutlich verbilligt eingekauften Blumenstrauß geschenkt bekomme, werde ich vermutlich auch meinen Dank nur noch vortäuschen.

2 Kommentare zu “Danke Immobilienmakler, Vermögensberater und Versicherungskaufleute!”

  1. D. Wolter sagt:

    Wenn das der Stand der Erkenntnis ist, verstehe ich warum Vertrieb stinkt und als ekelhaft empfunden wird.
    Mir bringt der Umgang mit Kunden grosse Freude, vor allem wenn Vertrieb so empfunden wird wie Sie es schreiben: Ein Tauschgeschäft.

    Grüsse, Dirk Wolter

  2. Jochen Mayer sagt:

    Hallo Herr Wolter,

    ja und es interessant, welch große Spannbreite das Verständnis über “Vertrieb” umfasst.

    Freundliche Grüße,

    Jochen Mayer

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