The leading business event for the digital world: Mein Cebit-Erlebnis 2007
19. März 2007 von Carla Breidenstein
Freitag, Punkt neun Uhr stehe ich vor dem Südeingang. Eine freundliche Dame wünscht mir einen guten Morgen und ich gehe rein; es ist ziemlich still. Ob das an der Uhrzeit liegt oder am stetigen Rückgang der Aussteller- und Besucherzahlen? Ich schlendere durch die Hallen 11 und 12. Überall zuvorkommende Menschen, die Lust auf ein Gespräch haben und mich mit einem „Schönen guten Morgen, kann ich Ihnen helfen?“, empfangen. Oft erlebe ich es auf Messen, dass die Leute auf den Boden blicken, wenn jemand vorbei läuft oder die Standbesetzung so im Gespräch miteinander vertieft ist, dass sie keinen Besucher wahrnehmen. Das ist hier anders: Ich plaudere hier und da und setze meinen Weg fort. In der Ausstellerecke für Navis ist es voller. Alle Firmenvertreter sind im Gespräch; es fragt mich keiner nach meinen Wünschen. Am Stand stehen wenige Besucher im Anzug, dafür umso mehr in Jeans und Sweatshirt. Ich vermute „Plastiktütenträger“ statt Fachbesucher.
Ich steuere auf den Pavillion eines Telekommunikationsunternehmen zu. Drin erwartet mich ein großer Bildschirm, auf dem die aktuelle TV-Werbung läuft. Davor kann man sich auf ledernen Sitzwürfeln niederlassen, Bildzeitung lesen, Kaffee trinken und frische Bretzeln essen – eine nette Idee. Ich verweile einen Moment, dann geht’s weiter. Zwei Kundentermine habe ich im Vorfeld vereinbart, mit einem weiteren Kunden möchte ich mich mittags zusammen telefonieren. Außerdem interessieren mich zwei Vorträge zum Thema E-Mail Marketing.
Es ist kurz vor zehn…
Ich nehme meinen ersten Termin wahr – ein bisschen Smalltalk, „Hallo“ sagen. Mein Gesprächspartner hat es eilig, er hat ´zig Termine an diesem Tag. Er entschuldigt sich, wir vereinbaren, dass wir demnächst mal in Ruhe reden. Ich eile zur Marketing Solution Area in Halle 4. Dort finden die Vorträge „Die wichtigsten Trends im E-Mail Marketing“ und „Die Erfolgsfaktoren im E-Mail Marketing“ statt. Die Referenten sind junge Geschäftsführer von auf E-Mail Marketing spezialisierte Firmen. Der eine kommt aus dem Norden, der andere aus dem Süden. Inhaltlich sagen sie fast das Gleiche. Und leider auch nichts Neues. Dass E-Mail Marketing ein kostengünstiges Instrument zur Kundenbindung ist, und durch hohe Messbarkeit und zielgruppengenaue Ansprache besticht, ist bekannt. Wirklich interessant fand ich nur, wie stark man mit entsprechender Software seine Zielgruppe für den Newsletterversand eingrenzen kann und was ein Flash-Magazin bietet, ein Online-Katalog, der wie sein gedruckter Bruder funktioniert: mit der Maus Seiten umblättern, die durch das Papiergeräusch aus dem PC fast wie echt wirken.
Es ist kurz vor zwölf…
Ich versuche mich zum dritten Mal mit meinem Kunden zum Mittagessen zu verabreden. Leider ist der Funkkontakt ständig unterbrochen und wir sprechen uns gegenseitig auf die Mailbox. Der kleine Hunger ist trotzdem da und ich steuere auf ein Restaurant zu. Allerdings sagt mir weder das staubtrocken aussehende Wienerschnitzel für 13,90 zu, noch die verkocht anmutenden Nudeln à la Mama. Ich bleibe bei einer Banane und eile zur nächsten Verabredung. Diesmal dauert das Gespräch länger. Mein Gegenüber hat Lust auf Smalltalk – ich auch. Wir sprechen über alles, nur nicht übers Business. Nach gut einer Stunde ziehe ich weiter. Ich laufe von Halle 4 zur Halle 16 direkt am Convention Center vorbei. Es regnet und ist windig. Ungünstig für mich, denn der Springbrunnen vor dem Gebäude zielt direkt in meine Richtung und beschert mir eine schöne Dusche. Egal, es ist schon spät, meine Termine sind durch, ich habe die neuste Smartphone-Generation gesehen und auch die immer kleiner werdenden Travel-Notebooks. Meine Füße tun weh. Bei den großen Ausstellern ist es jetzt eh zu voll, also beschließe ich meinen Vertriebstag zu beenden.
Es war ein schöner Messetag. Ich hatte nette Gespräche mit entspannten Leuten, die Stimmung auf der Cebit war gut. Ich habe ein paar Visitenkarten verteilt, dem ein oder anderen die Hand gedrückt. Das große Geschäft war nicht dabei, aber wer weiß ….. vielleicht klappt es ja das nächste Mal. Wobei es fraglich ist, wie sehr die Cebit überhaupt für den Big Deal taugt.



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