Vertrieb am Telefon oder wie labere ich andere platt

20. März 2007 von Carla Breidenstein

Letzte Woche startete ich über mein Netzwerk folgende Anfrage: „…ein Kunde von mir sucht einen PR-Experten oder eine -Expertin, der/die auf Krisen-PR spezialisiert ist und einschlägige Erfahrung in diesem Bereich hat…Bitte schicken Sie mir eine Mail mit Ihren Daten und ein paar Referenzen.“

Ich bekam viele gute Tipps, Empfehlungen oder die Spezialisten meldeten sich direkt bei mir. Ein Anrufer hatte jedoch eine merkwürdige Auffassung von Kundenansprache; er versuchte mich schier mundtot zu reden.

Ein Auszug aus unserem Telefonat: „EinenwunderschönengutenTagFrauBreidenstein meinNameistHerrx vonderFirmaysie sucheneinenPR-SpezialistenIchbinzwarkeinPR-SpezialistbinaberimBereichKommunikation tätigIchkannmirgut vorstellendassichfürIhrenKundenauchPR machenkannDasistjaallesähnlich UndmansolltejadieKommunikationsarbeitimmerganzheitlichsehen…Ichschlagevorwirlernenunseinfachmal persönlichkennenambestendirektmitihremKunden“; der Mann sprach ohne Punkt und Komma, stellte keine Fragen, sondern rede einfach nur auf mich ein. Ich war leicht genervt und merkte, dass ich dieses Gespräch einfach nur beenden will; ich sagte: „Lieber Herr x, herzlichen Dank für Ihren Anruf. Ich habe schon viele gute Rückläufe erhalten – alle von auf Krisen-PR spezialiserte Experten. Darüber hinaus betreue ich diesen Kunden im Bereich Kommunikation bereits selbst.“ Eine kleine Vorbereitung auf das Gespräch wie der Blick auf meine Signatur oder ein Klick auf meinen Internetauftritt hätten genügt, um zu erfahren, was ich mache. Herr X entgegnete überrascht: „Oh, sorry, das wusste ich nicht. Mmmhh, ähhh, ja – ich will Ihnen natürlich nicht den Kunden wegnehmen. Naja, aber wenn Sie mal was haben, können Sie mich gerne anrufen.“ Als Kommunikationsexperte hätte ich ihm zugetraut, dass er weiß, wie man professionell mit Kunden telefoniert – naja vielleicht war er einfach nur aufgeregt.

Ein beliebter Fehler bei allen Arten von Telefonaten: Der Anrufer versucht seinen Gesprächspartner mit vielen Worten und Argumenten zu überzeugen. Viele Menschen, die Kundengespräche führen, glauben, weil sie den Kunden aktiv ansprechen sollen, dass dies von ihnen einen besonderen Redeschwall erfordert. Damit wird jedoch der Gesprächspartner überfahren, er wird mundtot gemacht und zur Abwehrhaltung provoziert.

Und das gilt es zu vermeiden. Wer sich auf ein Kundentelefonat gut vorbereitet und ein paar einfache Regeln bei der Durchführung beachtet, wird bei seinen Kunden auf offene Ohren stoßen. Wie Sie ein Vertriebtelefonat erfolgreich vorbereiten und durchführen, erfahren Sie in Kürze hier bei No Big Deal.

4 Kommentare zu “Vertrieb am Telefon oder wie labere ich andere platt”

  1. Jochen sagt:

    Frag doch mal bei Management Angels (www.managementangels.com) nach freiberuflichen Krisen-PR Spezialisten. Die geben sich sehr viel Mühe die Spreu vom Weizen zu trennen und manchmal ist wirklich viel Spreu am Weizen …

  2. Carla sagt:

    Hi Jochen, danke für den Tipp. Darauf komme ich das nächste Mal gerne zurück. Für dieses Mal bin ich wirklich gut mit PR-Spezialisten versorgt. Mein Beispiel im Blog ist die ein oder andere Ausnahme gewesen.

  3. Jan sagt:

    Vielleicht nicht im telefonischen Verkaufsgespräch, aber im persönlichen Kundengespräch hilft es, mal eine lange Pause zu lassen, so dass der Kunde sich genötigt fühlt, das Gespräch weiter zu führen. So entlocke ich oft interessante Details, die auch mit offenen Fragen nicht zu bekommen gewesen wären.

  4. Carla sagt:

    Hallo Jan, herzlichen Dank für den guten Hinweis :-)
    Gesprächspausen sind sowohl ein rhetorisches als auch strategisches Mittel. Zusammen mit einer offenen Fragetechnik, führen Sie dazu, dass der Kunde oft mehr preis gibt, als er das eigentlich wollte. Da die meisten Menschen Gesprächspausen unangenehm finden, versuchen sie diese zu vermeiden.

    Meiner Meinung nach ist es sehr sehr wichtig, den Kunden durch Gesprächspausen nicht unter Druck zu setzen. Ich nutze Schweigen dazu, um meinen Gesprächspartnern Raum zum Nachdenken zu geben. So können diese in Ruhe ihre Gedanken sortieren und dann sprechen. Das ist eine wunderbare Grundlage für einen wertschätzendes und abwechslungsreichen Dialog.

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