Die Messe Friedrichshafen, kleiner als die Hannover Messe, aber bisher durchaus bekannt auch durch die legendäre Aqua-Fisch oder die Internationale Briefmarken- und Münzbörse mit Mineralienmarkt öffnet sich zunehmend modernen Wirtschaftszweigen, wie derzeit (29.-31. März 2007) der kreativen Industrie unter dem Motto Ab hier beschreiten Sie Neuland.

Gestern beschritt ich Neuland. Das Wetter war wunderbar frühsommerlich. Tja CeBIT, da könnt Ihr noch was lernen! Vermutlich war das auch der Grund warum nicht zuviele Besucher den Weg in die Messehalle gefunden haben. Es waren wirklich sehr wenige Besucher. Vielleicht hat man auch schlicht vergessen sie einzuladen. Selbst im Hotel fragte man mich "was für ne Messe?".  "Creative" führt offenbar nicht zwingend zu Sichtbarkeit und Werbeeffekten.

Der Vorteil einer verhaltenen Besuchergesamtsituation ist natürlich, dass es dadurch angenehm ruhig und freundlich zugeht, die Toiletten sauber oder soll man sagen unbenutzt sind und man zwischen den Messeständen Butterbrezeln und Sekt geschenkt bekommt – sofern man verspricht, dass man einen Flyer (Verkaufskatalog) mitnimmt.

Kennen Sie auch diese ultraflashigen Messestände von Hype-Agenturen, bei denen man nie weiß, was nun wirklich anbieten? Ich habe sehr viel Ehrfurcht davor. Die Werbung muss nicht dich ansprechen, die Frage ist vielmehr ob du gut genug für diese Werbung bist! Diese Konzepte haben mit Hippness und "Macht der Marke" zu tun. Macht nichts.

Ich suche nach Ausstellern die vertriebliche Dienstleistungen anbieten. Der Erste den ich sehe führt Marketing, Sales und Kommunikation im Logo. Ich frage was sie im Bereich Sales anbieten und bekomme diese Antwort: "Das kann man so nicht sagen, es kommt ganz drauf an was ein Kunde will. Wir arbeiten auch mit Partnern zusammen." Wieder entsteht in mir der Wunsch nach Einführung einer Vertriebspolizei.

Ein weiterer Aussteller zeigt sich professioneller. Ich spreche mit dem Geschäftsführer. Ich stelle mich als Berater vor und trage businessadäquate Kleidung aus Metzingen in Bundesliga-Ausführung. Dennoch hält er mir einen Grundlagenvortrag darüber was Vertrieb ist und weil er darüber soviel weiß, fängt er ganz ganz weit vorne an. Zum Glück hab ich die Butterbrezel noch! Fast zeitgleich mit dem letzten Bissen sind wir dann auch schon mit unserem Streifzug durch die Vorlesungen Absatzwirtschaft I und II eines BWL-Grundstudiums durch und kommen zu seiner Dienstleistung … wirklich, ich hasse Sarkasmus, aber offenbar gehts auch ohne Konzept. Aber ich will nicht nur nörgeln. Vertrieb ist nicht nur Konzept allein, sondern auch viel "Erfahrungswerte".

Die Anbieter von technologisch getriebenen Marketingservices schienen mir eher auf der Höhe der Zeit zu sein und wirklich "Neuland" zu betreten. Dennoch klagte ein Second Life Dienstleister "mir sen nadierlich genau em WLAN Schadde en der Halle, aber normal goat des", übersetzt ungefähr "Herr Obermann, jetzt aber zackig!". Immerhin ist Friedrichshafen das neugewählte "Labor der Nation" für Telekommunikation! Friedrichshafen heißt ja jetzt "T-City" und wenn man genau hinschaut, sieht man auch schon den leicht ins magenta gehende Schimmer des Ortsschilds.

Umso unverständlicher, dass speziell Fabbing, ein technologischer Leckerbissen auf der CeBIT, sich in Friedrichshafen nicht etablieren konnte. Obwohl wir natürlich immer noch nicht verstehen, was Fabbing mit Telekommunikationsinfrastrukur zu tun hat.

Heute am Freitag sind busseweise Besucher aus umliegenden Schulen, FHs und Universitäten avisiert. Ich wünsche den Ausstellern auf jeden Fall mehr Publikum als gestern. Obwohl, wenn ich so an den Himmel schaue .. es wird vermutlich wieder ein wunderschöner Frühsommertag …

2 Kommentare zu “Creative Industries – mangelndes Vertriebskonzept für Fabbing rächt sich!”

  1. Nadine Kozima sagt:

    Also ich habe leider keine Butterbrezel bekommen :-( Dabei hatte ich mich schon so drauf gefreut…

  2. cpkettner sagt:

    Hallo Herr Mayer,
    Über zwei Jahre sind seit Ihrem Beitrag vergangen, ich bin zufällig auf Ihren Beitrag gestossen, aber das Thema Marketing und Sales im Produktions-/Industriebereich ist natürlich nach wie vor aktuell. Ich hoffe, dass Sie in den letzten Jahren erfolgreichere Kontakte zu dementsprechenden Dienstleistern hatten. Über einen Erfahrungsaustausch und Ihr aktuelles Feedback würde ich mich freuen!
    Claus-Peter Kettner
    PI Sales Service Center

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