Schwäbische Verhandlungstechnik – regionale Geheimtipps
03. April 2007 von Jochen Mayer
Viele kennen sie nur vom Hörensagen (engl. "hearsay"): Schwaben (engl. "Swabians"). Sie leben in Süd- deutschland, da wo auch Bayern ist. Niemand weiß Genaueres über sie, doch sie werden assoziiert mit Sparsamkeit, bisweilen Geiz, Maultaschen und bodenständiger Lebenseinstellung. Bei den Schwaben ist die Arbeitslosigkeit äußerst gering und der Wohlstand vergleichsweise hoch. Außerdem bauen sie großartige Autos, Autos, Fussballtrainer und Late Night Talker. Grund genug diesen entlegenen Teil der Welt zu bereisen und die Einheimischen kennenzulernen.
Schwaben können bekanntlich alles außer hochdeutsch. Nichtschwaben dagegen können alles außer schwäbisch.
Kein Wunder, dass die zentralen wirtschaftlichen Erfolgskonzepte, wie etwa die schwäbische Verhandlungstechnik kaum überregional bekannt ist! Doch vor dem Hintergrund zunehmender Globalisier- ung der Märkte sollten wir kleinere Anymositäten begraben und Labskaus mit Maultaschen servieren.
Schwaben stellen nach außen sehr gerne ihr findiges Tüftlertum und fleißiges Schaffen als regionales Erfolgskonzept dar. Ich will das keinesfalls schmälern: Danke für die Erfindung des Autos, ganz großartige Sache! Obwohl mancherorts genörgelt wird, dass, wenn man schon sowas erfindet, man vielleicht etwas sorgfältiger über die organisatorischen und infrastrukturellen Konsequenzen hätte nachdenken sollen. Mag sein, dass man es sich hier zugunsten der "time to market" etwas einfach gemacht hat, mag auch sein, dass die Hessen oder Sachsen auf diese Weise auch etwas zum Stinken und Fahren gekriegt hätten. Wobei letztere ja später stark nachgezogen haben, zumindest in Papierform.
Doch neben diesen gerne angeführten Tugenden glaube ich vor allen Dingen an eine überragende schwäbische Verhandlungstechnik als Hauptkriterium für regionalen Wohlstand und Lebensglück. Schwierig zu fassen und facettenreich gespielt, scheint diese Technik aus 6 Negotiationstages zu bestehen:
- Negieren jeglichen Bedarfs
- Identifizieren des werblichen Manipulationsversuchs
- Völliges Infragestellen der Qualität
- Herabwürdigen jedes Preisniveaus
- Betonen der Begrenztheit des Purchasing Budgets
- Bemängeln der Moral des Verkäufers
In der vertrieblichen Praxis zeigt sich das beispielsweise und etwas eingedeutscht so:
"Guten Tag darf ich Ihnen unser neues Produkt vorstellen?"
"Das brauchen wir nicht."
"Es würde Ihnen aber sehr viel Arbeit abnehmen!"
"Ja ja, dann glaub ich das auch noch. Was kann den sowas schon? Taugt das überhaupt was? Was kann den sowas schon kosten?"
"Ich mache Ihnen einen guten Preis!"
"Ich habe doch keinen Geldscheißer. Ihr nehmt es auch von den Lebendigen."
Nach "Lebendigen" ist der Deal eigentlich im Sack, bzw. im Säckle. Es ist ja nicht so, dass man nichts kaufen würde. Ganz im Gegenteil, man kauft entweder "was Gescheites" und haut dafür dann auch gerne 3.000 € raus, wie der Tischnachbar für sein Mountain Bike oder man kauft eben etwas was "es auch tut", immer dann, wenn man das Geld für "was Gescheites" nicht hat oder der Geldscheißer gerade klemmt. Nur muss man es dem Verkäufer ja nicht zu einfach machen. Der soll schwitzen für sein Geld und diesen Sieg geniesst man halt gerne.

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03.04.2007 um 07:23 Uhr
ich empfehle das Lexikon für schwäbisch populäre Irrtümer von Christoph Sonntag:
http://www.sonntag.tv/irrtuemer_lexikon.html
04.04.2007 um 07:27 Uhr
Web 2.0 in der Männerdusche…
Neulich in einer Sauna in Oberschwaben:
"Du Karl, hosch au scho ebbas vom Web zwoa null ghert?"
Karl: "Hä, was verlora hemma? Zwoa null. Koi Tor hemma gschossa, send doch ällas faule Gramba."
"Noi, nett beim Fuassbal…