Haben Sie schon mal erfolgreich ein Bindegerät gekauft, das einwandfrei funktionierte und bei dessen Kauf Sie fachlich kompetent beraten wurden? Wenn ja, sagen Sie mir bitte, in welchem Laden Sie waren.

Ich wollte ein Bindegerät für Spiralbindungen kaufen. Für Angebote und Referenzen hatte ich bisher Klemmschienen verwendet. Jetzt wollte ich was Neues und zwar sofort.

Ich hatte gerade ein Angebot auf dem Tisch, das ich mit der neuen Maschine binden wollte. Ich besuchte daher ein Fachgeschäft für Bürobedarf, Büromöbel und Bürotechnik in meiner Nähe. Über das Internet hätte die Bestellung zu lange gedauert, denn ich wollte das Angebot noch am gleichen Tag versenden.

Mein erster Eindruck war super. Ich betrat das Geschäft und fast sofort begrüßte mich eine echt nette Verkäuferin und fragte: „Kann ich Ihnen helfen?“ „Ja, sehr gerne – vielen Dank“, war meine freudige Antwort. Ich hatte im Onlineshop der Firma ein Gerät im Angebot gesehen. Das Geschäft führte diese Maschine allerdings nicht. Die nette Dame rief in einer anderen Filiale an, dort war das Gerät auch nicht vorrätig. Dann verschwand sie – vermutlich um ihre Vorgesetzte um Rat zu fragen. Sie kam zerknirscht zurück, entschuldigte sich 1000-mal, sagte sie kenne den Onlineshop ihrer Firma nicht, weil sie mit dem Internet überhaupt nicht zurecht käme. Leider gäbe es das entsprechende Angebot nur online.  „Auch gut“, sagte ich mir, mal sehen, was es im Laden gibt. Die Auswahl war ziemlich mickrig. Ich wollte trotzdem ein Bindegerät – und zwar am besten sofort. Die supernette Verkäuferin sagte zu den Geräten, "Die sind eigentlich alle gleich“ und „bitte entschuldigen Sie, aber ich kenne mich mit diesen Geräten nicht aus“. Ich war unschlüssig, denn wie sollte ich eine Maschine zwischen 49 und 299 Euro auswählen, wenn alle gleich waren? Ich schloss dennoch zwei Geräte in die engere Wahl und bat um eine Vorführung. Beim ersten Markengerät funktionierte die Stanzung nicht, die eingelegten Blätter kamen auch nach mehreren Versuchen schief gelocht aus dem Stanzschlitz. Das zweite Gerät eines namhaften Herstellers musste erst noch zusammen gebaut werden. Es gab leider im Karton kein entsprechendes Werkzeug dafür – so wie bei Ikea. Die nette Verkäuferin wirkte jetzt gestresst und eilte auf der Suche nach einem Schraubenzieher davon. Sie murmelte eine weitere Entschuldigung, und dass das Gerät sonst ein Techniker aufbaue und sie keine Ahnung hätte. Sie tat mir mittlerweile echt leid und ich fühlte mich peinlich berührt von ihrer Ahnungslosigkeit. Kennen Sie dieses Gefühl des sich Fremdschämens?

Nach circa zehn Minuten, ich hatte schon überlegt zu gehen, kam sie mit hochrotem Kopf zurück. Sie hatte einen klitzekleinen Schraubschlüssel in der Hand, und baute umständlich das Bindegerät zusammen. Leider funktionierte auch diese Maschine nicht. Der Hebel zum Stanzen ließ sich auch mit Gewalt nicht nach unten drücken. Ich dachte an mein Angebot und wie einfach und unkompliziert doch meine Klemmschienenlösung war. Ich beschloss den Laden ohne ein Bindegerät zu verlassen. Als ich der Dame meine Entscheidung mitteilte, was glauben Sie passierte? Ihr fiel die Freundlichkeit direkt aus dem Gesicht. Sie grummelte: „Na, dann eben nicht“, und als ich mich höflich für die Unterstützung bedankte und "Auf Wiedersehen" sagte, ließ sie mich einfach stehen.

Als ich die Geschichte im Freundeskreis zum besten gab, hatten jeder meiner Freunde mindestens eine weitere Story mit ähnlicher Erfahrung auf Lager. Was mir dabei klar wurde: Höflichkeit dem Kunden gegenüber, auch wenn er nichts kauft, Service und kompetentes Fachpersonal sind im deutschen Einzelhandel immer noch Mangelware. Warum bringen die Verantwortlichen ihr Unternehmen und ihre Mitarbeiter in solch missliche Lage?

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