Der Metzger an der Ecke macht´s vor: Darf´s ein bisschen mehr sein?
20. April 2007 von Carla Breidenstein
Kundenmanagement par exellence: Das der Lebensmitteleinkauf Spaß macht, erlebe ich wöchentlich. "Und wo das?", wird der ein oder andere jetzt fragen. Bei meinem absoluten Lieblings-Bio-Metzger. Schon wenn ich den kleinen Laden betrete, werde ich mit einem fröhlichen "Hallo, was darf es denn heute sein?", empfangen. Ich schaue mich in der Auslage um. Dort liegt eine Vielzahl tierischer Leckereien aus: Rindswurst, Lammfleischwurst, Putenmortadella mit Champingnons usw. Weil die Kunden danach fragen, gibt es bei meinem Metzger immer mehr Produkte ohne Schwein, dafür mehr Varianten wie Lammjäger, Hirschsalami, Geflügelwurst oder Rindersaftschinken. Das Produktmanagement der Metzgerei ist optimiert – die Entwicklungsabteilung läuft auf Hochtouren. Das Ergebnis: Regelmäßige Produktinnovationen um die Bedarfsverschiebung auf der Nachfragerseite zu kompensieren.
Während ich meine Bestellung aufgebe, bleibt Zeit für ein Schwätzchen. Was es im Viertel für Neuigkeiten gibt, wie das Wetter wird und wann der nächste Urlaub ansteht. Was die einen den guten alten Smalltalk nennen, ist für die anderen ausgeklügeltes Beziehungsmarketing.
Habe ich eine Frage zur Herkunft, Verarbeitung oder Haltbarkeit von Wurst und Fleisch, erhalte ich stets eine kompetente Antwort. Alle Verkäufer/innen kennen sich bestens mit den Produkten aus. Ob das wohl an den zahlreichen Weiterbildungsmaßnahmen der Firma liegt? Vielleicht haben die gerade mal wieder eine Verkaufs- oder Produktschulung hinter sich?
Mein Metzger hat seine Positionierung gefunden. Woran andere Jahre lang dran rumdoktern hat sich bei ihm schnell ergeben: Er ist spezialisiert auf Bio-Produkte. Mittlerweile gibt es neben Fleisch und Worscht Bio-Käse, Bio-Eier, Bio-Wein und Bio-Nudeln: Cross-Selling-Produkte, denn Bio-Bandnudeln mit einer leckeren Bio-Fleischsoße und einem guten Bio-Rebentropfen schmecken vorzüglich.
Die Metzgerei identifiziert sich über ein eigenes Logo. Bestimmt hat das kleine Familienunternehmen keine Kosten und Mühen gescheut und eine Werbeagentur mit dem Branding beauftragt. Naja, ein bisschen selbst gemacht sieht das Logo ja aus, aber das ist bestimmt so ein ausgeklügelter Werbetrick. Das Logo prangt auf allen Preisschildern und Angebotsplakaten im Laden. Das Corporate Identity ist professionell und gibt der Fleischerei ein scharfes Profil.
Auch das Personalmanagement läuft rund. Selbst wenn sich am Abend der Laden bis zum Anschlag füllt, komme ich immer direkt dran. Es herrscht dann emsiges Treiben hinter dem Tresen und ich denke mir manchmal: "Wo kommen die alle so schnell her?"
Wo ich mich so wohl und als Kunde verstanden fühle, kaufe ich meist zuviel ein. Aber das macht auch nichts. Ich bin bei diesem Metzger noch nie aus dem Laden gegangen und habe mich über unfreundliche Verkäufer, mangelnde Auswahl, schlechte Qualität oder unverschämte Preise beklagt. Und jetzt kommt die beste Werbung, die man sich wünschen kann: Mundpropaganda. Danke Familie Spahn, Ihre Metzgerei ist die Beste. 



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