Die besten Ausreden von Accountmanagern
26. April 2007 von Jochen Mayer
Account Manager, wie viele andere auch, haben Zielvorgaben, die sie meist jährlich oder vierteljährlich erreichen sollen. Die Ziele heißen oft “Auftragseingang”, “Umsatz” oder “Deckungsbeitrag”. Worte also, die keiner lieb hat, speziell wenn daran ein Teil der eigenen Vergütung geknüpft ist und ganz speziell, wenn es ein großer Teil der Vergütung ist und man fürchtet die Ziele nicht zu erreichen.
Sind Account Manager, die ihre Ziele nicht erreichen schlechte Menschen? Vielleicht sind die Ziele ja falsch? Ist ja auch egal, schmeißen Sie sie trotzdem raus und probieren Sie mal ein Callcenter! Danach schmeißen Sie das Callcenter raus und probieren wieder ein paar Vertriebsleute!
Und hören Sie doch endlich auf deren Anregungen und konstruktive Kritik:
- Alle Kunden sind doof und kapieren rein gar nichts.
- - 100. Das Produktmanagement taugt nichts. Der Presalser hat nie Zeit wenn man ihn braucht. Außerdem machen wir ja sowieso viel zu wenig PR, uns kennt doch niemand! Wir haben keine Referenzen. Wir müssten viel mehr auf Messen gehen, dann würde hier vertrieblich auch was passieren. Der Vorstand hat keine Ahnung und die Company Car – und Travel Policies sind völlig verfehlt. Economy Class statt Meilen, pah.
Sie sehen: Eigentlich sind die Ziele gar nicht erreichbar!
Als ehemaliger Vertriebsleiter bzw. -bewacher verstehe ich die leise Kritik dieser Mitarbeiter. Ich würde es auch immer als meine Aufgabe ansehen, Missstände auszuräumen und grundlegende Rahmenbedingungen zu schaffen. Als erstes würde ich neue Firmenwagen gewähren, das hilft schon viel! Mit den A4s ohne Ledersitze kann doch kein Mensch entspannt und gutgelaunt beim Kunden ankommen und dann noch überzeugend performen … und unter 300 PS ist das Risiko des Zuspätkommens viel zu hoch.
Die richtigen Deals macht man sowieso auf dem Golfplatz, darum bezahle ich gerne Mitgliedschaften und Green Fees meiner Außendienstler: Ich weiß, dass wenn Sie auf dem Golfplatz sind, dann ist das Arbeit. Und die Besten können sogar gleichzeitig auf dem Golfplatz und im Yachtclub sein können, zumindest lese ich das so aus den Spesenabrechnungen.
Ohne ein gescheites CRM geht heutzutage natürlich gar nichts mehr und hätten wir Apples, Black Berrys und rahmengenähte Schuhe wäre alles ein Klacks.
Das Schlimmste daran ist: Wenn ich mir die Salesreports anschaue, stehen praktisch alle Accountmanager kurz vor dem Durchbruch in den Vorstand ihrer Kunden. Immer!

9 Leserbewertungen: Ø 4.11 Sterne (Bewerten des Beitrags durch Klicken der Sterne)

26.04.2007 um 16:54 Uhr
Klasse geschrieben, alles schon mal gehört und miterlebt.
Ich denke es ist die Angst etwas Leisten zu müssen, dass man aber nicht zu Leisten weiss.
Und vielleicht mit einem weniger Messbarem Job glücklicher wäre.
Aber auch der Vorgesetzte einfach mal angelogen werden will
Elvis
30.04.2007 um 11:36 Uhr
Genau so sieht die Praxis aus! Aber wo ist die Lösung? In vielen Firmen fehlt das Gespür dafür, über welche Kanäle man potentielle Neukunden am besten erreichen kann. Zudem wird mit unrealistischen Zeitvorgaben gearbeitet. Und das Beste: Die Vertriebsleitung selbst hält sich natürlich aus der Akquise raus, spart aber nicht mit guten Ratschlägen….;-)
30.04.2007 um 16:53 Uhr
Hallo Kollegen der Praxis,
ich bin sei 20 Jahren in dem Job. Zuerst in dem eines Vertriebsbeauftragten und später als Vertriebsleiter.
Ich habe bereits ne´ganze Menge Leute und Methoden kommen und gehen seh´n. Ich denke, das es beim Vertrieb immer auch was mit Fleiß zu tun hat. Das kann man vergleichen mit dem Ziehen von Losen an einer Losbude.
Meistens kommen Nieten, auch mal kleinere Gewinne und manchmal auch ein Hauptgewinn. Entscheidend ist, das man alle “Lose” zieht.
Ein weitere Erfolgsfaktor ist sicher, das man die Arbeit im Vertrieb mag. Wem die Arbeit im Vertrieb nicht gefällt, kann auch nicht sonderlich erfolgreich sein. Man muß es mögen, trotz Niederlagen wieder aufzustehen und den nächsten Kunden/Interessenten zu suchen.
Gute Vertriebsleute haben immer was von einem Jäger. Ihnen liegt die Jagd.
Mein Tipp für die Führungsriegen. Prüfen Sie nach, ob Sie Steheaufmännchen im Vertrieb haben oder nicht. Das hilft oft.
Mein Tip an die Indianerschicht im Vertrieb. Man kann wollen, aber können muss man auch. Dazu braucht es oft eine Gabe, die man Kommunikationsfähigkeit beschreiben könnte. Leute anzusprechen und auf das eigene Unternehmen / Produkt und sich aufmerksam zu machen, muß zu einer Routine werden.
Da hilft kein Marketing und kein Serienbrief und kein Callcenter. DIe besorgen nur Leads. Aber danach wirds erst interessant.
Ralf / Softwarevertrieb