Reifen kaufen, also ich mach es nicht mit Genuß. Kein "oh was für ein tolles Profil", kein "haben Sie den auch in einer anderen Farbe", eher die hektische Nummer in der Mittagspause, die man gerne schnell, aber richtig, hinter sich bringt. Sie merken schon, das "aber richtig" ist das was aufhält!

Natürlich habe ich am Sonntag zuvor, als es regnete, im Internet recherchiert, um ein bisschen informiert zu sein. Beim ADAC, bei Stiftung Warentest und bei den Online-Ausgaben verschiedener Automobilzeitschriften gibts ja immer wieder aktuelle Produkttests. Die Ergebnisse sind immer so, dass die teuren Premium Marken super abschneiden und EIN Außenseiter aus Korea Überraschungssieger ist: Billig und fast sehr gut. Das optmale Preis- Leistungsverhältnis. Den will ich.

Reifenhändler hassen solche Klugscheißertests. Erstens wollen Sie die Marken verkaufen, von denen sie das Lager bis zur Oberkante voll haben und zweitens haben sie den Überraschungssieger sowieso nicht bestellt, kennen den Lieferanten nicht und nach dem Test ist er auch schlagartig nicht mehr bestellbar.

Der Reifenverkäufer sieht mich schon, als ich vor seiner Werkstatt parke und aussteige. In seinen Augen sehe ich, wie er "BMW" abspeichert. Ich habe keine Chance. Jetzt ärgere ich mich, dass ich nicht mit der Straßenbahn kam. Ich gehe rein und muss hinter großen rauchenden Männern Schlange stehen, die Ihr Übergewicht auf den Tresen stützen, während der Reifenverkäufer das komplette Register seiner EDV Schulung demonstriert. Wie lange kann man eigentlich an einem PC tippen, bis ein Reifen verkauft ist? Anzahl, Marke, Größe, Farbe. Vermutlich passt er das Reifenprofil an das Körpergewicht an. Oder an die Frisuren.

Irgendwann bin ich dran. Ich versuche es mit einem naiven "guten Tag ich interessiere mich für neue Sommerreifen und habe bei Stiftung Wa …". Er bleibt völlig ruhig und entgegnet mir ins Wort rein, ein mitleidiges "aber nicht auf dem BMW" und "die sind nur neu gut, ab der zweiten Woche schmiert ihnen da schnell das Heck weg" und dann nach einem Blick des sichern Gewinnens: "wenn Sie das wollen, bestell ich Ihnen die".

Nein jetzt hab ich Angst. Also frage ich kleinlaut, was er denn empfehlen würde. Er kontert mit "was haben Sie den bisher gefahren?". Clever, wenn ich einmal bereit war einen teuren Schlappen zu fahren, komm ich aus der Nummer nicht mehr raus. Zum Schluß erklärt er mir noch was er selber fährt und das er damit gute Erfahrungen gemacht hat. So und wo sind nun meine kritischer-aufgeklärter-Käufer-Argumente liebe Stiftung Warentest? Am Ende kaufe ich einen Satz Reifen, von denen ich nur weiß, das sie schwarz sind, ob ich dabei hauptsächlich den Markennamen bezahlt habe, weiß ich nicht. Vermutlich kauft sich vom meinem Geld jetzt einer eine Yacht.

Wenigstens die Montage, die Rücknahme der Alten und das Wuchten handle ich noch raus, aber dabei geht sein Puls vermutlich nicht hoch. Und jedes Frühjahr und jeden Herbst gehen so Millionen von Gummis über die Ladentheke und in einer aufgeklärten Zeit weiß keiner für was er bezahlt.

Nächste Woche kauf ich mir ein Imprägnierspray für mein Sofa. Es beruht auf Nanotechnologie …

 

2 Kommentare zu “Der Reifenverkäufer – warum Produkttests nichts nützen”

  1. Ludwig sagt:

    Sehr geehrter Herr Mayer,

    ich gedenke nicht das es Ihre Absicht ist die Reifenhändler alle in eine Schublade zu stecken.
    Aber genau das tun Sie. Es gibt sicherlich profitorientierte Reifenverkäufer, jedoch sind nicht alle so.

    Ich habe meine Ausbildung in einem Reifenfachhandel, mit eigener LKW-Runderneuerung zum Groß-Außenhandelskfm. gemacht und kann Ihnen sagen, dass der Reifen eben nicht nur ein schwarzes Rundes “Ding” ist.

    Sondern der einzigste Kontaktes zwischen Ihrem BMW und der Straße, eigene Tests, sowie Erfahrungsfälle haben in diesen 3 Jahren Ausbildung bei mir genügend Eindruck hinterlassen und gezeigt welche kleinen Faktoren entscheident sind, beim Reifen.

    Sie verurteilen den Markenreifen, als Produkt welches im Preis zu 30% aus Markennamen besteht, dabei sollten Sie bedenken das mit solchen Mehrkosten die Entwicklung und die Ausarbeitung Neuartiger und Besserer Reifen “bezahlt” wird.

    Zudem werden von versch. hauptsächlich Asiatischen Herstellern viele Markenreifen kopiert, dies Kopien haben allerdings eine ganz andere Materialienmischung im Reifen wie diese der Markenreifen. Und genau das ist beim Reifen der Wichtigste Bestandteil.

    Vielleicht werden Sie Ihre Meinung ja nocheinmal Überdenken wenn Sie mit einem solchen Reifen, welche oftmals zum lösen der Karkasse neigen, in einer brenzligen Lage sind.

    Aber Sie haben sich ja für einen Markenreifen entschieden, und Ich sage Ihnen… vielleicht auch die bessere Entscheidung.

    Denn auch wenn diverse Warentests gerne in den Alpen die hier ja selbstverständlich gegebenen “Verhältnisse” testen,so ist es doch gegeben das nach 2 Wochen, die meisten Reifen jedenfalls laut werden im Abrollgeräusch, und da hätten Sie die Montagegebühren sicherlich nicht mehr aushandeln können…bei der erneuten Montage der dann warscheinlich fälligen Markenreifen

    Mit freundlichen Grüßen
    Ludwig

  2. Chris sagt:

    Hallo Ludwig,

    ich dachte immer, Reifenhändler sind Profilorientiert.:-)

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