Neulich beim Verkaufstraining

01. Juni 2007 von Jochen Mayer

Immer wenn ich einen neuen Anbieter von Vertriebs- oder Veraufstrainings entdecke oder einer meiner Mandaten einen Trainer engagiert, versuche ich teilzunehmen. Manchmal, aber viel zu selten, laden mich Trainer auch kostenlos ein, um ein Feedback zu erhalten. Vorrangig mache ich das um zu erfahren wer? wie? was?  über vertriebliche Themen erzählt, also um die Übersicht zu bewahren. Ich will ja nicht, dass mir ein Thema duch die Lappen geht und es heißt, der Mayer hätte nicht aufgepasst!

Letzte Woche war ich bei einem Halbtagestraining einer IT-Firma, die ihren Accountmanagern eine Trainerin spendierte. Übrigens eine Person mit fragwürdigem Businessschick, vielleicht sollte sie mal ein Halbtages-Outfit-Training besuchen. Doch sie sprach laut und gewann so schnell an Autorität.

Und … kennen Sie diese Menschen in den hinteren Reihen, die ständig miteinander schwätzen müssen wie in der Schule? Ich finde das ätzend und respektlos. Ich war kurz davor schlechte Dinge nach ihnen zu werfen. Die Referentin gab einstweilen alles.

Natürlich sei das Ziel von Verkaufstrainings mehr zu verkaufen! Stopp! Tun Sie das nicht. Verkretzen Sie sich bloß nicht Ihre Kunden mit Rhetoriktricks und Brechstangenvertrieb. Machen Sie das nur, wenn Sie nur noch einmal richtig absahnen wollen und sich dann sowieso nach Südamerika absetzen werden. Kritisch sieht das auch Berater und Trainer Chris Mulzer, den ich zwar nicht kenne, aber dazu gegoogelt habe. Versuchen Sie Ihren Verkaufsaufwand bei gleicher Qualität zu optimieren, das tut keinem weh und hebt Ihre Laune!

Die Trainerin zum Beispiel trat sofort in einen aktiven Dialog mit uns. Wir wurden involviert! Erst ein kleines Kennlernspiel und kurz darauf eine wahnsinnig aufregende Gruppenarbeit zum Thema "welchen Nutzen biete ich meinem Kunden". Wieso machen Trainer das so gerne? Sie sagen meistens, weil die Teilnehmer das so toll finden. Ich sage, meistens finden sie es nicht so toll. Es kann auf mich bisweilen wie Sozialvergewaltigung wirken.

Neben mir saß ein dynamischer Nachwuchsaccountmanager, der seinen Company Guide auswendig aufsagen konnte: Sicherheit, alles aus einer Hand, jederzeit ansprechbar, gleiche Augenhöhe, endlich auch Nachhaltigkeit und Authentizität, nur langfristige Kundenbeziehungen will man (normal ein Lacher, geht aber durch, wenn man es mit trauriger Stimmer erzählt), man versteht sich als Partner des Kunden und diesen ganzen Mist. Prima Junge, wenigstens einer der es gut meint!

Dann wieder das Gefassel vom "Kunden". Kunde hier, Kunde da. Es erinnerte mich an meinen Möblberkäufer von letzter Woche, der zu mir immer in der "wenn der Kunde das wünscht" – Sprache redete. Ist das nach Akkusativ neuerdings der 5. Fall .. also Akquisitiv? "Kunden" sind "Menschen". Warum versuchen wir Sie nicht wie Menschen zu behandeln? Hilft es sie zu Kaufentscheidungsträgern zu machen?

Na ja und dann wurde die Trainerin psychologisch. Sie unterstrich dieses ehrwürdige Wissensgebiet mit etwas gewichtigerer Stimme und brillierte mit Spitzenbegriffen wie Intuition (weibl.: Bauchgefühl), Emotion, Empathie, Motivation und dem Unterbewußten. Das hat sie dann am Whitbeoard alles in ein Eisbergbild gezeichnet, Sie wissen schon, dieses Bild bei dem 90% unter der Wasseroberfläche bleibt und man hinterher feststellt, dass man soeben mit Permanentmarker auf das Whitebaord gemalt hat.

Ein paar handfeste und gute Tipps gab es dennoch, zum Beispiel den "Kunden" fragen was er will und nicht einfach Angebote ins Blaue verschicken und dann beleidigt sein, wenn er nichts kauft. Wie wahr, wie wahr.

2 Kommentare zu “Neulich beim Verkaufstraining”

  1. Oliver sagt:

    Also hat der Mayer unterm Strich dann doch aufgepasst, da bezüglich Verkaufstrainings nichts verpasst.

    Die Frage ist ja mit welcher Erwartungshaltung der arme Verkäufer zum Verkaufstraining schlendert. Doch wohl darum, weil er halt mehr und zügiger zum Abschluss kommen will oder muss. Die Trainerin würde schlechte Kritiken erhalten, käme sie dieser Erwartungshaltung nicht da. Sie “bedient” schließlich Kunden, die auch Verkäufer sind – Menschen eben.

  2. Alex sagt:

    Da muss ich leider Oliver ganz energisch widersprechen. Ein Verkaufstraining zeichnet sich nicht dadurch aus, den Teilnehmer zu vermitteln wie er schneller zu Abschlüssen kommt.

    “Die Trainerin würde schlechte Kritiken erhalten” – Das Feedback vom Teilnehmer kann ein Trainer sehr leicht steuern und ist somit nur bedingt aussagekräftig. Entscheiden ist der Praxistransfer! Ansonsten kann ich mir auch ein gutes Buch mit Instrumenten und Methoden ala Abschlusstechniken, Einwandbehandlung zu Gemüte führen – davon gibt es ja zum Glück genug ;-)

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