Hausmeister waren ihre besten Verkäufer
11. Juni 2007 von Jochen Mayer
Ich war zu einem Vertriebsaudit bei einem Großhändler für Bürobedarf eingeladen. Es war so wie ich es nicht mag – ganz großes Kino – ein Meeting mit über 10 Vertriebs- und Marketingmitarbeitern, zwei Produktmanagern, einem Geschäftsführungsassistenten (leicht daran zu erkennen, dass er ständig nervös mit den Metallarmband seiner Uhr ”auf und zu” spielte und sie mal auf den Tisch legte, mal um den Arm band) und ein paar Mitarbeitern, die man mir gar nicht vorstellte.
Ich mag solche Großgruppen nicht, zum einen weil sie nur sehr bedingt zum Dialog geeignet sind, zum anderen weil ich zuvor um die letzten 100 Euro meines Tagessatz feilschen musste und jetzt 15 Mitarbeiter mal – zu Vollkosten, mindestens - 60 Euro mal 2 Stunden = 1.800 Euro da rumsitzen, wo ein Bruchteil dasselbe bewirken würde.
Das Meeting verlief wie viele andere auch, es gab hier und da Anhaltspunkte für Themen, die noch nicht ausgefeilt waren, hier und dort fehlte etwas Kreativität in der Kundenansprache, die Website war in der Kritik und ob die letzte Marktetingkampagne nun wirklich was brachte wurde hitzig diskutiert, blieb aber unklar. Ansonsten durfte sich jeder ein bisschen profilieren und auch ein bisschen vorsichtig jammern.
An einem Punkt wurde ich schlagartig wach: Kam ein Vertriebsmitarbeiter mit einem Firmenkunden nicht ins Geschäft, versuchte er den Hausmeister im Bürogebäude anzuheuern!
Es ist natürlich nicht unüblich, dass man einen direkten und einen indirekten Vertrieb oder interne und externe Vertriebsmitarbeiter hat. Was aber unüblich war, ist die Diskussion ob diese Hausmeister per Web ans CRM angebunden werden und dort provisionierte Bestellungen vornehmen können, wo die eigenen Vertriebsmitarbeiter beim Einkäufer abblitzten.
Wow! Da klemmt das Fax im Sekretariat und der Hausmeister stiefelt vorbei und sagt beiläufig “wenn Sie möchten, bringe ich Ihnen morgen gleich ein Neues mit” und schwupps ist es passiert. Gott sei Dank ist er so hilfsbereit.
Organisiertes Maverick Buying immer dann, wenn man durch die Vordertür nicht reinkommt. Ich will es nicht bewerten, aber was zeigt es denn? Das Vertriebsleute gut daran tun, auf keinen Fall “Vertrieb” auf ihre Visitenkarten zu schreiben, sondern “Hausmeister”?


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15.06.2007 um 19:09 Uhr
Genau! Am Besten als Trojaner verstellt. Das soll ja schon ein paar mal ganz erfolgreich gewesen sein.