Nur allzu oft beschweren wie uns über den miesen Service deutscher Unternehmen. Mal ist es der böse große Telefonkonzern mit den Magentafarben, bei denen niemand ans Telefon geht; ein anderes Mal der unzuverlässige Handwerker, der seine Termine nicht einhält. Ganz zu schweigen von den vielen Erfahrungen, die wir täglich mit frustrierten Verkäufer/innen, Friseuren oder anderen Dienstleistern machen.

Aber liegt das immer an den Unternehmen? Wahrscheinlich wissen viele Firmen gar nicht, was der Verbraucher von ihnen denkt. Keiner sagt es ihnen – weder Mitarbeiter noch Kunden. Kann es sein, dass wir uns in Deutschland und auch anderswo einfach zuviel gefallen lassen? Wir stehen grummelnd in der Supermarktschlange, aber kaufen wir das nächste Mal woanders ein, wenn der Laden doch praktischerweise direkt vor unserer Haustür liegt? Oder boykottieren wir das angesagte Lokal, in dem wir eine Stunde aufs Essen warten, die Qualität der verwendeten Lebensmittel bescheiden ist und die Bedienung uns die Schuld daran gibt, wenn es nicht schmeckt?

Ich habe neulich eine gar wunderliche Erfahrung gemacht. Auf Empfehlung (!!!) besuchte ich ein Restaurant am nordwestlichen Rand Frankfurts. Eine Location für Leckermäuler im altehrfürchtigen Ambiente einer alten Mühle. Schon im Internet bekommt man Lust auf mehr: "…lassen Sie sich überraschen von der urigen und gemütlichen Atmosphäre…., wir verwöhnen Sie, …. wir heißen Sie herzlich willkommen."

Das hört sich prima an. Den ersten Dämpfer erhielt ich, als ich einen Tisch für sechs Personen im schönen Garten reservieren wollte: Draußen reserviern mer net, da müssen se gugge, obn Tisch frei is." Also gingen wir früh hin und bekamen einen schönen Platz.

Der Kellner, der uns bediente, wünschte uns keinen "Guten Tag", sondern legte wortlos die Karte hin. Die Bestellung ging sachlich über die Bühne, aber jeder bekam, was er wollte. Ich bestellte Spargel mit Fisch, Kartoffel und einer Sauce Hollandaise. Ich erhielt ein undefinierbares Gericht, dass in der Soße zu ertrinken drohte. Eine widerliche, säuerlich schmeckende Grütze. Die Kartoffeln waren okay, der Fisch ebenso. Der Spargel war alt, hölzern und bei näherem Hinsehen entdeckte ich faule Stellen. Widerlich. Leider bemerkte ich das mit dem Spargel zu spät und ärgerte mich total, dass ich das Essen nicht hatte zurück gehen lassen. Übrigens war das Essen meiner Mitbesucher laut deren Meinung ganz okay – das zur Rettung des Kochs. Leider bekamen wir nach der ersten Runde nichts mehr zu trinken, so dass ich weder den widerlichen Geschmack noch meinen Ärger runterspülen konnte. Da half auch kein Rufen und Bitten mehr. Der Kellner fühlte sich auch erst bemüßigt die Teller abzuräumen, als wir um die Rechnung baten (!!!). Kein, "Wie hat es Ihnen gemeckt?" oder "Darf es noch etwas sein?" Wortlos die Teller abgeräumt und die Rechnung hingeknallt. Auch danach: Keine Verabschiedung, kein Dankeschön, absolute Ignoranz den Gästen gegenüber.

Am Nebentisch wurde ein Gast, der sich traute zu fragen, ob er das Schnitzel auch natur statt paniert haben könne,  angeraunzt: "Das geht nicht! Was glauben Sie, wo Sie sind? Bei dem Betrieb hier ist alles schon vobereitet." Das der Mann sitzen bliebt, alle Achtung. An einem anderen Tisch saß eine Familie mit Kind. Die Servicekraft wurde gefragt, ob man das mitgebrachte Breichen für das Kleinkind im Wasserbad erhitzen könne. Die junge Bedienstete verschwand im Lokal und kam mit folgender Nachricht zurück: "Nein, tut mir leid, sowas machen wir nicht", – Die hatten übrigens einen Wickeltisch auf den Toiletten – wer nutzt den? Diese Familie war auf jeden Fall konsequent und verließ das Lokal. Ich kann nur sagen: Das ist das Beste, was sie machen konnten." Ich werde dort auch nie mehr hingehen. Tatsächlich hatte ich mir von dem Fraß den Magen verdorben und lag am darauf folgenden Tag mit Bauchmerzen im Bett.

Vielleicht sind wir als Kunden einfach nicht anspruchsvoll genug. Das dieses Restaurant überhaupt seinen Betrieb aufrecht erhalten kann, grenzt an ein Wunder, oder? Trotzdem wurde es an diesem Abend mit der Zeit rappelvoll. Die Leute ließen sich unfreundlich behandeln, aßen das sehr mittelmäßige Essen und verbrachten ihren wohlverdienten Feierabend in einem ablehnenden Ambiente. Wir Kunden scheinen es gewohnt zu sein, schlecht behandelt zu werden, so dass viele Unternehmen den Kundenservice noch nicht als Chance erkannt haben.

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