Die Macht der Marke

02. Juli 2007 von Jochen Mayer

Letzte Woche habe ich einen neuen Reisewecker gekauft. An Reisewecker stelle ich höchste Anforderungen! Am liebsten würde ich sie mit Service Level Agreements kaufen!  Er muss sich eindeutig stellen lassen, auch wenn man müde ist und er muss zuverlassig wecken, er MUSS funktionieren, gerade auf Geschäftsreisen, wenn durch die fremde Umgebung die innere Uhr nicht so zuverlässig tickt, wenn der Wecker im Koffer oder gar im Flugzueg durchgeschüttelt wird und natürlich besonders dann wenn die Termine wichtig sind.

Der hier funktioniert sehr gut!Darum wählte ich einen etwas teureren renommierten deutschen Markenartikel. Um ehrlich zu sein: Es war der Teuerste im Regal. Die Macht der Marke, nicht die Stiftung Warentest, siegte bei der Kaufentscheidung! Wer braucht objektive Tests, wenn man doch weiß, dass Premiummarken es sich nicht lsiten können schlechte Qualität anzubieten.

Doch ich wurde enttäuscht: Der Wecker strotzt zwar vor Funktionen, wie verschiedenen Zeitzonen, mehreren Weckmodi und noch ein paar Dinge von denen ich mich frage, wer sie wohl nutzen würde. Doch was er nicht tut, ist mir klar anzuzeigen ob er mich wecken wird oder nicht. Neulich klingelte er abends statt morgens und anderntags gar nicht. MS-DOS war leichter zu bedienen. Weder die Tasten geben ein klares Gefühl ob sie gedrückt sind, noch die Anzeige scheint mir eindeutig.

Das eine Premiummarke mittlerweile auch in China hergestellt wird stört mich dabei gar nicht, aber für den höheren Verkaufspreis würde ich eine bessere Konstruktion und eine strengere Qualitätskontrolle nach den vielleicht gehobeneren Ansprüchen des Heimatmarktes erwarten. Es ist das zweite Produkt, dass ich im letzten Jahr von dieser Marke erworben habe. Das andere war ein Stabmixer und bei dem kann man die Klingen nicht auswechseln. Schade, sie sind schon stumpf.

Warum hat eigentlich mein Rasierer, mein Akkuschrauber und meine Zahnbürste eine Anzeige für den Batteriezustand, aber mein Wecker nicht? Warum hat der Tacho an meinem Fahrrad zwei Batterien und zwar so, daß man immer eine wechseln kann, ohne dass er die Konfiguration verliert, aber mein Wecker nicht?

Was habe ich bezahlt mit der Preisdifferenz zu einem No Name Produkt?

Die Macht der Marke: Es dauert lange, bis mit einer Marke ein Image oder spezielle Eigenschaften assoziiert werden und dann wirkt es nachhaltig. Welche Marken es geschafft haben ein gutes Image aufzubauen, kann man im Manager Magazin nachschauen. Interessant der Jahresvergleich: Die Dynamik zeigt 1. das sich keiner ausruhen darf und 2. das in nicht wenigen Fällen Werbung die holprige Wirklichkeit nicht kompensieren konnte. Es gibt also doch Gerechtigkeit.

Eine Marke kann man auf mindestens zwei verschiedene Weisen aufbauen und pflegen: 1. durch Werbung, 2. durch das Produkt. Optimal ist wenn man die richige Balance findet. Manchmal wünsche ich mir, der Produktionschef würde in der Vorstandsitzung lauter schreien als der Marketingleiter.

Hatte ich von meinem Premiummarken Kann-alles-PDA erzählt, das jedesmal abstürzt, wenn genau das alles gleichzeitig passiert, was die Werbung verspricht? Wie nützlich ist es, wenn ich beim Autofahren den Weg durch den eingebauten GPS Empfänger finde, die Karte aber verschwindet, wenn ein Anruf reinkommt, den ich via Bluetooth über die Freisprechanlage beantworte und gleichzeitig eine SMS empfange und mein POP3-Client meine Emails checkt und es sich dabei aufhängt? Zugegeben: von "gleichzeitig" stand nichts in der Werbung.

Hatt ich von meinem neuen Premiummarken ISDN-DECT-Telefon, dass keine externen Zweierkonferenzen unterstützt, was schon seit 10 Jahren zu meinem Gesprächsstandard gehört? Aber es hat polyphone Klingeltöne, ich will nicht meckern.

Nein! Ich will bescheiden sein: Wer kann mir einen guten Reisewecker empfehlen?

2 Kommentare zu “Die Macht der Marke”

  1. Elvis sagt:

    Herr Mayer,

    da kann Ihnen nur etwas altes, bewährtes und MECHANISCHES helfen.
    Ein guter Wecker aus Großmutters tagen.
    [IMG]http://www.bleibjung.de/images/wecker.jpg[/IMG]
    Mal nen Link zu einem Bild.
    Abends frisch aufgezogen, rappelt er unüberhörbar am nächsten tag. Kennt alle Zeitzonen, sofern man ihn darauf Programmiert, ähm einstellt :-)

    Grüße
    E.Seretinek

  2. Nils Holgerson sagt:

    vielleicht einfach mal den Stabmixer auf 7:00 Uhr morgens programmieren und auf “high-speed” stellen. Ist ja der gleiche Hersteller :-)

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