Dialogmarketing: Die Königsbindung

11. Juli 2007 von Jochen Mayer

Der Kunde ist König! Erzählte mir schon mein Vater, von dieser Weisheit beeindruckt und vermutlich darum mit erhobenem Zeigefinger, als ich zehn Jahre alt war. Vermutlich war er seiner Zeit weit voraus und vermutlich hat er darum heute auch von seinem schicken Wohnzimmer aus einen Traumblick über Stuttgart und ein Auto mit Fußbodenheizung und Stern vorne drauf.

Der König.Wiederum ein paar Jahrzehnte zuvor sagte Mahatma Gandhi "a customer is not an interruption to our work, he is the purpose of it". Ein wichtiger Hinweis für spätere Generationen!

Danke Mahatma. Die Diskussion oder gar Klage über die Servicewüste Deutschland hat mittlerweile einen langen Bart und ich will sie (heute mal) nicht führen, obwohl es immer noch haarsträubende Szenen gibt, die mich als Kunde ärgern überraschen.

Sicherlich muss es nicht das Ziel eines Unternehmens sein möglichst viel zu verkaufen. Nein nein! Es sind nicht alle Unternehmen shareholder value getriebene Profitoptimierungsmaschinen. Aber Viele und die meisten Anderen zumindest anteilmäßig. Den Kunden glücklich zu machen hat sich vieler Orts als Grundstrategie eingebürgert. Ob man ihn dafür behandeln muss wie einen König bleibt fraglich, ich würde ein sportliches Fairnesskonzept oder noch lieber ein freundschaftliches Verhalten als wünschenswerten Kundenumgang präferieren.

Vielleicht liegt es daran, dass ich an langfristigen und für beide Seiten höchst nützlichen Geschäftsverhältnissen interessiert bin. Oder an sie glaube. Ich habe etwas von Wert zu verkaufen und ich will etwas von Wert dafür.

Darum schwatze ich niemanden etwas auf, was er nicht will. Das optimiert nur kurzfristig. Langfristig ist es ineffizient und führt zu Mehraufwand. Vielleicht wird das deutlicher werden, wenn unsere Lebenserwartung weiter steigt. Auf 500 Jahre zum Beispiel. Ganz abgesehen davon entspricht es auch nicht dem Kant’schen Imperativ als generellem Modell des Umgangs der Menschen miteinander! Bevor Sie es nun googlen: "Du sollst nicht abzocken, wenn du nicht willst dass man dich abzockt". Aber das ist natürlich romantisch.

Ich halte auch die modernen Instrumente der "Kundenbindung" teilweise für höchst fragwürdig. Der Begriff klingt schon wie Freiheitsberaubung und die Bindung wird ja dementsprechend oft auch gerade durch verdeckte vertragliche Gestaltungen und Rabattfallen erzielt. Kundenbindung passt natürlich auch überhaupt nicht zur Kunde-ist-König-Philosophie, zusammen wäre das dann ja eine Königsbindung. Aber das ist bisher vermutlich nur noch niemand aufgefallen.

In der Partnerschaft zwischen Mann und Frau hat sichs ja mittlerweile auch rumgesprochen: Die Ehe ist zwar ein Heidenspass und sie bindet, doch glücklich wird man ja nicht durch die Bindung! Ich will dass meine Frau sich jeden Tag wieder für mich entscheiden würde. Weil sie es gut findet mit mir zusammen zu sein, freiwillig.

Blöderweise bin ich gerade single. Der nächsten Frau mache ich regelmäßig Werbegeschenke und ich biete ihr zudem ein Treuepunktekonzept an.

2 Kommentare zu “Dialogmarketing: Die Königsbindung”

  1. Jan sagt:

    Lieber Jochen, ich denke ich falle zwar nicht in Deine Zielgruppe für die Partnerinnenwahl, aber ich mag diese Treuepunkte nicht. Zumindest nicht diese bunten Sticker die sich immer in meinem Handschufach stapeln und sich mit gepflegten Fingernägeln nicht ablösen lassen und nirgendwo sonst eingelöst werden können und nach 3 Wochen nicht mehr gültig sind und man den Kassenbon braucht und wenn tatsächlich mal sinnvolles abzustauben ist und man zufällig genug Bildchen hat und auch sonst alles kleingedruckte richtig gemacht hat gerade das dann nicht zur Hand ist.

    Gründe also bitte eine Vereinigung von Leidensgenossen mit lebenslanger Einlösegarantie bei einem beliebigen Mitglied (man beachte die Wortwahl). Ich denke dann haben alle TeilnehmerInnen was davon und Deine Auswahlmöglichkeiten (und die aller) steigen. Und ein guter Name ala Coupleback fällt Dir dafür sicher auch ein. Für jede Woche gibt es einen Punkt und ab 10 Punkte kann man dann ein Abendessen einlösen, ohne Zuzahlung in doppelter Höhe des Wertes…

  2. Direktmarketer sagt:

    Ganz sicher ist der Vergleich zu einer Beziehung/Ehe treffend.

    Nur denke ich das gerade in einer Ehe das Verzeihen und “nochmal darüber hinwegsehen” weiter verbreitet sind als in der freien Marktwirtschaft.

    Die Loyalität des Kunden, sein Verzeihen mittelmäßiger oder gar schlechter Qualität ist fast bei Null angekommen.

    Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel, wie in guten Ehen.

    Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft, diese Erkenntnis liegt ohne Frage in der daraus resultierenden Interaktivität beider Parteien begründet.

    Um bei Ihrem Beispiel zu bleiben, sowohl in einer Beziehung wie auch in der klassischen Geschäftsverbindung.

    Auch hier kommt als Multiplikator ganz gewiss der
    Faktor des gemeinsamen Erlebens hinzu. Was tust “du” lieber Partner für mich, dass mein erleben bei dir schön und in Idealfall unvergänglich ist.

    Chancen uns um unsere Kunden und Interessenten maßgeschneidert zu bemühen bietet uns das Direkt- und Dialogmarketing im Überfluß. … wenn wir diese Ressourcen nutzen und bereit sind die Kosten (ich nenne sie lieber Investitionen) zu tätigen.

    Ein bekannter Verkaufstrainer sagte einmal “Verkaufen ist wie Liebe” daran hat sich bis heute nichts geändert.

    Die Spielregeln sind nahezu identisch, die Konsequenzen im Versagensfalle ebenso.

    In diesem Sinne, lassen Sie uns unsere Kunden gedanklich Heiraten.

    Andreas Herrmann

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