Haben Sie schon einmal an sich selbst etwas verkauft?
03. August 2007 von Georg Blum
In der Regel verkauft man seine Produkte oder Dienstleistungen an andere Personen oder Firmen. Aber haben Sie schon einmal an sich selbst etwas verkauft? Nein? Wahrscheinlich schon, nur haben Sie es nicht gemerkt. Das Ganze ist ein normaler Vorgang. Vielleicht haben Sie schon einmal den Begriff der kognitiven Dissonanz gehört. Er kommt aus dem Bereich der Sozialpsychologie.
Was bedeutet dieser Begriff? Die Definition in Wikipedia lautet: „Kognitive Dissonanz („Missklang im Erkennen") ist in der Sozialpsychologie eine Theorie, die erklärt, wie durch miteinander unvereinbare Kognitionen – Wahrnehmungen, Gedanken, Meinungen, Einstellungen, Wünsche oder Absichten – innere Konflikte entstehen, die Vermeidungsreaktionen oder diesbezügliche Reduktionshandlungen hervorrufen." mehr dazu bei Wikipedia unter Kognitive Dissonanz oder Kaufreue
Ein Beispiel aus dem täglichen Leben: Sie kaufen sich ein neues Auto. Sie haben viel über das Auto gelesen, das Auto beim Händler getestet, für gut befunden und dann auch bestellt. 6 Monate später erhalten Sie das neue Fahrzeug. Nach kurzer Zeit stellen fest, dass das eine oder andere Detail nicht ganz Ihren Vorstellungen entspricht.
Auf der anderen Seite fühlen Sie sich den Gehässigkeiten Ihrer Bekannten oder Freunden ausgesetzt. Die sagen ihnen, sie hätten gelesen, dass das Auto im letzten Testbericht schlecht abgeschnitten hätte. Oder: „Das Problem hatte das Auto von Herrn xy auch. Hättest Du mich gefragt, dann wäre Dir diese Sache erspart geblieben."
Toll, auf diese Tipps haben Sie nur gewartet. Aber was passiert jetzt bei Ihnen im Kopf? Und genau hier kommt nun die kognitive Dissonanz ins Spiel. Sie fühlen sich leicht verunsichert, ob Sie das richtige Auto gekauft haben. Ein neues Auto kostet schnell mal 20.000 Euro. Das ist normalerweise kein Pappenstiel. War das Ganze für Sie nun eine Fehlinvestition?
„So schlecht ist das Auto wiederum auch nicht", sagt Ihr zweites Ich. „Nein, das Auto ist gut. Beim letzten Überholen zog der Motor wunderbar durch und mich drückte die unbändige Kraft in den Sitz. Und die Farbe ist ja nun wirklich sexy. Die paar Schwachstellen – so unzufrieden bin ich nicht. Und übrigens, hat das Auto ja einen integrierten Kindersitz und in den Unterhaltskosten ist es auch unschlagbar". Sie finden somit auf einen Schlag eine ganze Menge an Argumenten, warum die Entscheidung absolut richtig war und ist.
Was haben Sie nun in Wahrheit gemacht? Sie haben sich Ihr neues Auto selbst noch einmal verkauft. Warum erzähle ich Ihnen diese Geschichte? Was bedeutet das für guten Vertrieb bzw. Kundenbindung?
Wer teure Produkte oder Dienstleistungen verkauft – unabhängig, ob es sich um BtB- oder BtC-Kundenbeziehungen handelt – sollte auf folgendes achten: Geben Sie dem Käufer nach dem Kauf (1 Woche, 1 Monate und 3 Monate danach) gezielt Argumente an die Hand, warum diese kostenintensive Entscheidung für ihn genau die Richtige war. Lassen Sie ihn also nicht alleine in seiner kognitiven Dissonanz. Wer im After-Sales-Zeitraum hier gezielt positiv unterstützt, erzeugt von Anfang an eine Kundenbindung und –zufriedenheit auf sehr hohem Niveau.
Kennen Sie Beispiele für guten After-Sales-Service, dann bitte ich Sie um Ihren Kommentar.




07.08.2007 um 19:32 Uhr
In Japan rufen Autohändler schon seit 10 Jahren die Kunden ein paar Wochen nach dem Kauf an und führen nochmal ein Verkaufsgespräch durch – das ist dort ein Standardprozedere für Verkäufer!
Hoi.
16.08.2007 um 11:09 Uhr
Ob after-sales immer so zu begrüßen ist, ich zweifle gerade mal wieder… Schon seit einigen Jahren fahre ich ganz zufrieden ein bayerisches Auto. Nach jedem Service werde ich angerufen und nach meiner Zufriedenheit gefragt. Soweit so gut, das kann man ja mal aushalten, denke ich mir. Irgendwie werden die Fragen aber dämlicher – oder ich ungeduldiger? – die Dame am Telefon in einer Geräuschkulisse, dass ich dachte, die ruft aus einer Kneipe an und erledigt die noch offenen Anrufe. Rattert standardisiert ihre Fragen runter udn hat offensichtlich keine Ahnung von den Zusammenhängen…
Ich mag meine Automarke, ich mag mein Autohaus, ich werde deswegen sicher nicht wechseln, aber ich werde auch nicht unbedingt das Hohe-Lied des after-sales singen….
Ich bin gespannt, ob es dauerhaft auch positive Erfahrungen damit gibt.
Ich glaube, der Preisdruck treibt Unternehmen dazu, zwar solche Aktionen machen zu wollen, vielleicht auch zu müssen, aber dann wenigstens günstig… und dann haben wir den Salat!