Es muss ein ganz schlauer Kopf herausgefunden haben, dass eine ganz besondere Spezies von Mensch, außerordentlich affin zu Kachelöfen sein muß. Während des Strategie-Workshops – vermutlich bei mehreren Gläsern Wein oder Bier– wurde die Zielgruppe für Kachelöfen genauer untersucht bzw. folgende Fragen beantwortet: Wo trifft man diese am häufigsten an? In welcher Lebens- oder Umfeldsituation spricht man diese Zielgruppe am leichtesten an? Am Ende stand – unter Hochdruck erarbeitet – im Protokoll: Kräftig, Männlich, Autofahrer, Beschützerinstinkt und einen Hang zum Harndrang. Nein, es handelt sich hier nicht um Granufink. Das wäre das Produkt für die schunkelnden Bahnfahrer mit Blasenschwäche.

Weiter fand man bei Pretests heraus, dass sich das männliche Antlitz nach Betrachten der Werbung zu einem freundlichen Lächeln, ja manchmal sogar zu einem überschwänglichen Strahlen verwandelt. Eine wahre Wunderwaffe also?

Wann sind Sie – hier spreche ich leider nur Männer an – das letzte Mal auf einer Autobahntoilette gewesen? Was haben Sie, sofern Sie sich nicht mit einem Comic in die Kabine gesetzt haben, vor sich gesehen? Genau: Einen Kachelofen von Kago.

Sie kamen also nach einer dreistündigen Fahrt über die volle Autobahn, unter Zeit- und Wasserdruck leicht entnervt an der nächsten Raststätte an. Sie drängeln sich an der Klofrau, die Ihnen schon beim Zutritt zur Toilette am Liebsten das Geld abknöpfen möchte, vorbei und stehen dann … wo Mann eben steht. Und was entdecken Sie mit zunehmender Erleichterung: Eine wunderschöne Kachelofenwerbung. Genau dass, worauf Sie an dieser Stelle gewartet haben.

Sie versuchen sich weiterhin zu konzentrieren … auf das neueste Modell „Pleinfeld", "… ein Eckmodell, bei dem Sie beim Spiel mit dem Feuer, den Alltag hinter sich lassen können". Zwei Stunden, 1,5 Liter Apfelschorle und 300 km später stehe Sie vor dem Modell „Hallertau". „Um sich für die Dürer-Reliefkachel begeistern zu können, müssen Sie selbstverständlich kein Kunstkenner sein." Oder ich denke an den starken Wanja. Er fraß 7 Jahre – auf der Ofenbank sitzend – Sonneblumenkerne in sich hinein, und war danach ein bärenstarker Mann. Mann, das sind ja tolle Aussichten.

Das Leben ist schön. Kein Wunder entspannen sich die Gesichtszüge nach der Betrachtung dieser bezaubernden, phantasieanregenden Schönheiten der Ofenbauerkunst.

Nur eine Frage blieb mir am Ende der Fahrt noch offen. Was für eine Werbung ist in den Kabinen der Frauen angebracht? Meine repräsentativen Recherchen ergaben eine erschreckende Warheit: Sage und schreibe – gar nichts.

Ja, wo bleibt denn hier die Gleichberechtigung? Müssen nur wir Männer grausame Werbung ansehen? Schreiben Sie – vornehmlich die Damen unter den Bloglesern – mir: Welche Werbung wünschen Sie sich im stillen Örtchen? Eine Idee hätte ich schon einmal: Im Sommer 2008 werden wohl überdurchschnittlich viele Käthe-Kruse-Puppen, Bilder von Rosina Wachtmeister und Topflappen verkauft.

PS: Die ComDirect-Bank hat festgestellt, dass in Wohnungen, bei denen Häkeldecken auf dem Wohnzimmertisch und auf der Couch liegen (und vermutlich auch ein Kachelofen in der Ecke steht), die risikoreichsten Börsengeschäfte (mit Hedgefonds usw.) abwickeln  Na also: No risk, no fun – at home.

Ein Kommentar zu “Der Absatz von Kachelöfen steigt nach den Sommerferien sprunghaft an!”

  1. Georg Blum sagt:

    Hallo liebe Leser,

    ein Bekannter wies mich auf folgenden – leider alten – Artikel hin: Die ach so schöne Kachelofenwelt war wohl in 2005 etwas überhitzt. Und der eine oder andere hatte vor lauter Druck durch die Vertriebsziele einen Sprung in der Kachel.
    http://www.wdr.de/tv/markt/20051107/b_3.phtml

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