Ich geh lieber zum Zahnarzt
28. August 2007 von Ralf Roßkopf
So viel vorweg: Ich liebe Müsli. Ob es mit meiner Heimatstadt Freiburg, eine typischen Müslistadt, zu tun hat, kann ich nicht beurteilen. Egal. Der Appetit vergeht mir allerdings bei den Radiospots der Firma Seitenbacher … „Seitenbacher Müsli, lecker lecker lecker lecker“. Kreide an der Tafel, quietschendes Styropor, der Backenzahlbohrer beim Zahnarzt … alles keine Problem, doch Onkel Seitenbacher tötet meinen Nerv! Ziel erreicht, Emotionalisierung gelungen!
Ich erinnere mich noch sehr gut an den Tag während meiner Ausbildungszeit, an dem ich eine Delegation von Procter & Gamble (wir waren bis dahin preferred supplier für Valensina Verpackungen) anlässlich einer Druckabnahme an eine Druckmaschine geführt habe. Zum Erstaunen aller Anwesenden wurde sie von einem Mann bedient, der ein T-Shirt mit dem Aufdruck „Tötet Onkel Dittmeyer“ trug.Wenn auch zu drastisch in den Mitteln, damals lief eine Kampagne gegen die Kampagne von Onkel Dittmeyer. Wo erhebt sich heute auch nur ein einziger Zeigefinger gegen grausame Werbung?
Selbst das Magazin W&V Werben & Verkaufen hat seine Rubrik mit Alfons dem Spießer (der Plagiate in der Werbung anprangerte) eingestellt.
„lecker lecker lecker lecker“ – warum hat die Werbeaufsicht hier versagt. Vielleicht sollte man die Genfer Menschenrechtskonventionen auch für Unternehmen einführen. Der Spot wirkt auf mich wie akustische Folter!
Das Prinzip scheint die Runde zu machen … Wiesenhof versucht den Hörern derzeit mit dem Bruzzler die letzte Lust am Sommer nehmen zu wollen. Auch hier wird versucht, das was man nicht visualisieren kann verbal zu penetrieren. Unser Gehirn kann schließlich nicht zwischen guter und schlechter Werbung bzw. Information unterscheiden.
Wird Ihnen bei der heutigen Werbung manchmal auch schlecht? Schreiben Sie es mir, schlimmer kann es doch nicht kommen, oder?


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28.08.2007 um 16:11 Uhr
>Selbst das Magazin W&V Werben & Verkaufen hat seine Rubrik mit Alfons dem Spießer (der Plagiate in der Werbung anprangerte) eingestellt.
und irgendwie war ich bis heute der Meinung, dass diese Kolumne immer bei _horizont_ erscheint. Ja, tatsächlich, in meiner letzten Ausgabe ist sie noch drinnen…
29.08.2007 um 09:18 Uhr
Lieber Ralf,
Ich bin bekennender Seitenbacher-Müsli-Esser. Zuletzt habe ich auch die Müsli-Riegel probiert. Die sehen aus wie Astronautennahrung – also katastrophal – aber schmecken gut. So wie die meisten Müslisorten.
Ich gebe Dir Recht die Werbung klingt (und ist evtl.) schlecht gemacht, aber die Produkte sind gut. Besser als umgekehrt.
Der Inhaber von Seitenbacher macht die Werbung im eigenen Tonstudio selbst. Handgemachte und traditionell zubereitete Werbung – wie das Müsli eben. Und wirken tut sie, das muss man anerkennen.
25.11.2007 um 23:46 Uhr
Amerikanische Wissenschaftler haben herausgefunden, dass ein wiederholtes, unfreiwilliges Anhören der Seitenbacher-Radiowerbung zu auditiven Agnosien (“Seelentaubheit”) führen kann (als Agnosie bezeichnet man eine Störung des Erkennens bei ungestörter Funktion des Sinnesorgans, in diesem Falle des Ohres. Ein stark vereinfachter Erklärungsansatz wäre der, dass unsere Ohren unsere Seele vor Schaden bewahren wollen…).
Amerikanische Wissenschaftler haben übrigens auch herausgefunden, dass die meisten Sätze, die mit “Amerikanische Wissenschaftler haben herausgefunden” beginnen, völliger Unfug sind. So wie der obige.
Tatsache jedoch ist, dass dieser Radiowerbespot eine Zumutung ist. Ich persönlich fühle mich belästigt – alleine schon durch die dem Werbespot eigene zermürbende Redundanz. Intonation, Akzentuierung und Betonung tun ihr Übriges, sie wecken bei mir beunruhigende Assoziationen an einen debilen Päderasten, der kleine Mädchen auf dem Schulweg in sein Auto zu locken versucht… sorry, für meine Assoziationen kann ich nun wirklich nichts….
Dass der Autor des Beitrags und ich mit unserer Abneigung nicht alleine dastehen, beweist ein kleiner Blick ins StudiVz. Per Zufall fand ich dort eine kleine Gruppe andere Seitenbacher-Werbung-Genervter, der ich mich erleichtert anschloss. Ich fühlte mich vestanden, aufgehoben.
Neugierig geworden forschte ich nach und fand auf Anhieb 30 Gruppen. Das Spektrum reicht hier von der nüchternen Feststellung: “Ich kaufe kein Seitenbacher-Müsli, wegen der Werbung” über eine Gruppierung mit appellativem Charakter (“Kauft kein Seitenbacher-Müsli wegen der Werbung”) über schiere Verzweiflung (“Die Seitenbacher Radiowerbung treibt mich in den Wahnsinn”, bis hin zu hochemotionalen Gruppierungen (“Ich hasse Seitenbacher, Seitenbacher hasse ich”).
Eine Sonderstellung nehmen hier die gewaltbereiten Gruppierungen ein (“Haut dem Seitenbacher Werbefutzi ein paar aufs Maul” “Der Seitenbacher-Typ soll an seinen Müslikörnern ersticken” “Tod Seitenbacher”, “Tötet Seitenbacher”) deren Mitgliederzahlen in beängstigender Weise wachsen und von denen ich mich hiermit deutlich und ausdrücklich DISTANZIEREN möchte!
Ich schloss mich einer Gruppe an, deren Name gleichermaßen gemäßigt wie konstruktiv fordert:
“Verbietet den Seitenbacher-Radiospot!”
In diesem Sinne, guten Abend!
09.12.2007 um 15:27 Uhr
ich kann mich nur anschliessen – seitenbacher werbung ist ohrenfolter!!!
ich werde NIE irgendein produkt dieser firma kaufen, hab auch schon mal nen fruchtriegel wieder zurückgelegt, als ich sah, wer der hersteller ist…
seitenbacher gehört in die kategorie “carglass” und “evo-heizung”, führt diese liste aber mit abstand an!!!
schöne grüsse
morgana
22.01.2008 um 13:04 Uhr
Ich schalte jedesmal SOFORT das Radio aus wenn der Seitenbacherspot läuft. Ich persönlich boykottiere diese Müsli – wegen der Werbung.
31.10.2008 um 12:54 Uhr
Ich sehe es genauso, Seitenbacher Produkt würde ich NIE kaufen, diese Werbung ist der echte Horror.
Ich kenne zwar jetzt die Firma aber ist von mir echt negativ besetzt. Auch das erreicht man mit Werbung.
Carglass kommt aber meiner Meinung gleich danach, lieber fahre ich ohne Scheibe als mit Carglass.
11.05.2009 um 12:42 Uhr
Ich habe diese Seitenbacher-Werbung von der ersten Sekunde an gehasst.
Wenn ich den Typen im Radio höre, falle ich direkt in den Aggromodus, ist wie ein Reflex.
Ich werde nie auch nur ein einziges Produkt von diesem Nervtypen kaufen.
Diese Werbung ist mit Abstand die unerträglichste die es je gab.
Werbung zu machen ist eine Sache.
Menschen aber mit schmerzhaftem Geschwätz in Rage zu bringen, ist was ganz anderes.
Noch nie hat es jemand den ich nicht persönlich kenne geschafft, mich so unglaublich abzunerven.
Jetzt kan man zwar argumentieren “dann mach halt das Radio aus”, ist aber schlecht möglich, wenn ich bei Freunden bin. Denen kann ich schlecht vorschreiben mal eben das Radio auszumachen, weil sonst ein Unglück geschieht.
HERR SEITENBACHER, HÖREN SIE AUF MIT IHRER PENETRANTEN, UNGLAUBLICH SCHLECHTEN WERBUNG!
11.02.2011 um 11:59 Uhr
Habe auf der Fahrt ins Büro “beinahe” diese Seitenbacher Werbung im Radio gehört (konnte gerade noch auf einen anderen Sender umschalten). Ich kann nicht mehr, jetzt muss ich mich endlich äußern. Ich frage mich bei dieser Werbung jedesmal, was ich eigentlich verbrochen habe, so schlimm kann es doch gar nicht gewesen sein. Das habe ich nicht und kein anderer auch nicht verdient. Seit es diese total nervige, seichte, eintönige Werbung im Radio gibt, mache ich eine großen Bogen um die Verkaufsregale dieser Firma. Sie verursacht regelrecht Bauchschmerzen, kann bei längerem Hinhören sogar zum Brechreiz führen.
Bitte: liebe Werbeforscher,- Analysierer, -Kritiker verbietet dieser Werbung ein für allemal.
Der “Herr Seitenbacher” soll sich schämen und die meist friedlichen Menschen damit verschonen.
Eine genervte, unschuldige Hörerin.