Der Paradigmenwechsel im Automobilmarkt ist da!

20. Oktober 2007 von Georg Blum

Autohäuser sind in aller Regel an Marken gebunden. Nehmen wir das Beispiel VW. Hier hat der Verkäufer ein echtes Problem: Innerhalb eines Tages bekommt er es mit sehr unterschiedlichen Kunden zu tun. Junge (Polo), Junggebliebene (Eos), Ältere (Jetta), Alternde (Golf Plus), Reiche (Phaeton), weniger Reiche (Fox), Moderne (Touareg), Konservative (Passat), ganz große Familien (Multivan), große Familien (Sharan), mittlere Familien (Touran), kleinere Familien (Caddy Life) und Singles (New Beetle)… Das kann aus der Sicht eines einzigen Verkäufers nicht funktionieren. Aus Sicht des Kunden gleich zweimal nicht. Entweder fühlt sich der Kunde zu arrogant behandelt, oder zu „cool“. Mal fehlt es dem Verkäufer am Esprit, mal fehlt es ihm an Distinguiertheit. Es jedem recht zu machen, fällt sehr schwer.

Die Lösung: Ein längst fälliger Paradigmenwechsel. Das Autohaus Family Cars (www.FamilyCars.de ) in der Nähe von Münster bietet – wie der Name schon sagt – nur familientaugliche Fahrzeuge an. Über 15 verschiedene Marken. Ein klarer Zielgruppenzuschnitt. Selbst Familienministerin von der Leyen ließ es sich nicht nehmen, diese Revolution im Automarkt im Mai 2006 bei der Eröffnung zu unterstützen.

Die Idee, bei einem Führungskräfte-Meeting entstanden, wurde mit einer 2,5 Mio. Euro Investition umgesetzt. Das Logo haben Kinderhände gemalt. Alles sehr authentisch und durchdacht. Kinderbetreuung von ausgebildeten Erzieherinnen. Reisen Sie aus Süddeutschland an, bucht man für sie ein Hotel. Zulassung und Versicherung werden für Sie organisiert. Die Übernahme des Neuen findet bei ihnen vor der Haustür statt. Das Auto ist bei Übernahme voll getankt. Geld-Zurück-Garantie ist obligatorisch. Verschiedene Zusatzgarantien runden das Angebot ab. Das Einzige, was noch fehlt, aber bis jetzt von keinem Kunden vermisst wird: eine Werkstatt.

Von Zuhause aus können Sie schon mal im Internet über einfache Suchabfragen aus ca. 250 – 300 Autos auswählen und ein Finanzierungsangebot zu ihrem Traumwagen kalkulieren lassen.

Sollten Sie jetzt sagen: Was ist daran besonders? Ein Unternehmen, das bisher nur Mercedes bzw. Toyota im Angebot hatte, dachte nach, wie es die Zielgruppe erweitern kann. Im Einzugsgebiet von Münster leben fast 650.000 Familien. Was für ein Potenzial für ein einziges Autohaus!

Durch klare Fokussierung auf eine greifbare, zählbare Zielgruppe schreibt das Unternehmen eine neue Erfolgsgeschichte. Und revolutioniert damit einen lange sehr behäbigen Markt. 

Family Cars verabschiedet sich von der strengen vertikalen Produktsicht und ist somit ein hervorragendes Beispiel für innovatives Marketing durch Zielgruppen- und Kundenmanagement.  Fokussieren Sie sich auf Zielgruppen! Entwicklung Sie dazu innovative Geschäftsmodelle, und Kommunikationskonzepte.

Don’t compete – change the rules!

Ein Kommentar zu “Der Paradigmenwechsel im Automobilmarkt ist da!”

  1. Wolfgang sagt:

    Klasse, endlich wieder einmal eine Vorgehensweise, die nicht das Produkt, sondern den Kunden in den Vordergrund stellt.

    Noch ein kleines, gutes Beispiel:

    Habe vor kurzem einen Bericht über “Honig” in der w&v gelesen. Zuerst dachte ich “Honig” und Marketing. Okay. Honig nicht gerade ein Produkt mit großem Innovationspotential, dennoch hat sich die Firma B., allseits bekannt für Honigprodukte, jetzt auf die Verbraucher fokussiert.

    Es gibt nun Honig zum Frühstück, für das Süssen von Tee, als Energiespender, etc. einfach, einfach klasse und raffiniert zu gleich. Weg vom Produkt hin zum Bedürfniss mit Bedienungsanleitung auf der Verpackung. Hey. Hier hat jemand nachgedacht!!!

    Herzlichen Glückwunsch. Möge es noch viel mehr Nach- und Querdenker geben.

    Klar jeder lernt im Marketing, Zielgruppen sind das Wichtigste. Diesen Lehrsatz hat auch jeder im Marketing immer wieder parat. Leider wird viel zu wenig umgesetzt. Da frage ich mich als Berater mit Schwerpunkt Kundenwertmanagement auch immer wieder. Kennen die Unternehmen eigentlich Ihre Kunden und v.a. deren Bedürfnisse. Was nützt noch so ein guter Vertrieb, eine noch so gute Vertriebsstrategie, etc. wenn “man” seine Kunden nicht kennt.

    All the best in 2008!

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