Vom Sammler und Jäger zum Nike-Schuh-Käufer
04. November 2007 von Georg Blum
Beim Stichwort Indianer fallen jedem sofort viele Bilder und Ideen ein: Karl May, weite Steppe, Reiten, Jagen, geschmückte Häuptlinge und fesche Squaws. Im modernen Amerika sind die Indianer aber an den Rand gedrängt und zählen damit zu den Verlierern der Gesellschaft. Kasino-Lizenzen helfen den Indianer-Stämmen zumindest etwas Geld zu verdienen und damit ihre Kultur und Tradition aufrecht zu erhalten.
Nun hat die Sportartikelmarke für Aufsehen gesorgt. Nike erforschte die Füße von 224 Indianern aus mehr als 70 Stämmen, konsultierte professionelle Fußpfleger sowie Gesundheitsverbände der Ureinwohner. Das Resultat: Die Füße von Indianern sind deutlich breiter als diejenigen anderer ethnischer Gruppen, und sie sind auch etwas höher. Nike erkannte die Marktlücke und hat reagiert. Das Ergebnis: Der „Nike Air Native N7“.
Das Potenzial allein für die Gruppe der Ureinwohner, die nachweislich auf großem Fuß leben und leider neben der finanziellen auch inzwischen an Bewegungsarmut leiden, auf ungefähr 1,5 % der amerikanischen Bevölkerung. Nike will den Schuh deshalb aus diesem Grund besonders günstig – für 40 Dollar – anbieten. Zum einen eröffnet diese Charity-Aktion einen neuen Markt. Die damit verbundene PR führt natürlich auch noch zu positiven Auswirkungen.
Wie immer, wenn eine neue Marktnische aufgemacht wir, finden sich Neider, die das mit Rassismus und Beleidigung gleichsetzen. Aber wie immer, entscheidet auch hier der Kunde. Und der findet die Schuhe „passend“ und kauft sie sich. Wieder mal hat die alte CRM-Regel Bestätigung bekommen: Was kann ich selbst am Besten, welche Zielgruppe kann von meinem Wissen profitieren. Diskutieren Sie mit der Zielgruppe Lösungen und der Vertriebserfolg ist vorprogrammiert.
Lesen Sie die Spuren, er-„hören“ Sie die „Vibrationen“ der Zielgruppe, entwickeln Sie Ihre Strategien also nach Ziel- und Kundengruppen. So einfach kann Know-Hugh-, äh Know-How-Transfer sein.

8 Leserbewertungen: Ø 4.13 Sterne (Bewerten des Beitrags durch Klicken der Sterne)

04.11.2007 um 11:17 Uhr
Ich halte es eher für diskriminierend, dass man dem individuellen Bedarf einer Zielgruppe zwei Jahrhunderte lang nicht entsprochen hat. Aber auch das nicht wirklich, sofern man die Zielgruppe nicht davon abhielt sich zu melden oder selber Schuhe zu produzieren. Außerdem sprechen wir von Schuhgrößen und nicht von Persönlichkeitsmerkmalen. Also denke ich eher “na endlich”, sehe es weniger als eine zu feiernde Innovation, sondern bewerte eher die bisherige Ignoranz der Industrie für fragwürdig. Wettbewerb wo seid ihr, wenn man euch braucht?
04.11.2007 um 11:23 Uhr
Ist die spannendere Frage denn nicht, wie wir neue Zielgruppen finden, warum wir offensichtliche Zielgruppen nicht erkennen und ob es eine best practise gibt, wie man sie am besten findet?
05.11.2007 um 09:40 Uhr
Ja, ich gebe Euch recht.
Es ist zum einen die Ignoranz, aber es ist auch den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen (wollen).
Aber inzwischen ist wohl auch der Druck gegeben, dass man endlich die Rauchzeichen der qualmenden Socken erkannt hat. Wer mit offenen Augen durchs Leben geht, der findet auch schnell solche Nischen.
Das Geld liegt – wie in vielen Fällen – auf der Strasse.
12.11.2007 um 17:19 Uhr
Also da fallen mir auf Anhieb mehrere Nischen ein und ich möchte diese gerne ohne Provisionsabsichten potentiellen Interessenten selbst- und kostenlos zur Verfügung stellen. Ich greife gerne das Stichwort Straße auf, versuche aber für jeden was zu bieten:
- Autobahn am Bodensee
- Autobahnen in Baden Württemberg allgemein
- Baumärkte in Friedrichshafen
- eine Schwimmhalle in Friedrichshafen in der man auch schwimmen kann
- Jeans mit Knopfleiste (gibt es seit Jahren nicht mehr)
- hohe Turnschuhe (gibt es seit Jahren nicht mehr)
Je nach Sichtweise zeugen diese Punkte von Diskriminierung, jahrelanger Ignoranz oder eben verschlossenen Augen.
15.11.2007 um 08:19 Uhr
Endlich gegen die Diskriminierung von Jugendlichen:
http://www.inside-it.ch/frontend/insideit?&site=ii&_d=_article&news.id=12518
20.03.2008 um 11:13 Uhr
Ist eigentlich nicht die spannendere Frage, wie man neue Zielgruppen findet und warum man offensichtliche Zielgruppen nicht erkennt und ob es eine best practise gibt, wie man sie am besten findet?