Siehe da – ein Kundenbewerbungsformular!
07. Februar 2008 von Christian Spin
In Zeiten der medienbeherrschender Finanzkrise, dem sinkenden Autoabsatz und ständiger Katastrophen-meldungen aus dem deutschen Binnenmarkt, erinnert man sich doch gerne an die gute alte Zeit.
Was waren es schöne Zeiten, als Verkäufer aus der geringen Produktionskapazität heraus ihren Kunden das Produkt der Wahl zuteilen mussten (durften, konnten?).
Es ist noch gar nicht so lange her, so etwa Ende der 70er, Anfang der 80er, als man bei Daimler Benz für einen Mercedes der Baureihe 123 gut und gerne 2 Jahre Lieferzeit in Kauf nehmen musste.
Früher fällige Verträge wurden weder für gute Worte, noch bessere Taten, weitergereicht. Harte D-Mark war gefragt, wollte man schneller an den Stern auf der Haube kommen.
Auch andere Automobile, die im Trend lagen, hatten damals lange Lieferzeiten und der Handel mit verbindlichen Bestellungen, die noch wenige Monate vor Auslieferungsdatum um eigene Ausstattungswünsche ergänzt werden konnten, brachte nicht nur dem klassischen Automobilverkäufer, sondern auch gewitzten Zeitgenossen ein einträgliches Sümmchen in die Brieftasche.
Und heute? Tageszulassung, Vorführwagen, Jahreswagen, Werkswagen usw. füllen sämtliche zur Verfügung stehenden Anzeigenformate, On- wie Offline. Der Wunsch-PKW lässt sich mit ein wenig Geduld und Sachverstand auch ohne explizite Bestellung beim Vertragshändler realisieren. Die Höfe sind voll, die Brieftaschen leer. Und das mit Rabatten, fein gestuft und abgstimmt auf den jeweiligen Vorbesitz, die kaum Wünsche offen lassen.
Heile Welt für den Käufer, hartes Brot für den Verkäufer.
Seien wir doch mal ehrlich! Ob PKW, Möbel oder IT – ein kleines bisschen wünschen wir Vertriebler uns diesen Umstand doch wieder zurück, oder?
Das waren noch Zeiten, der Verkäufermarkt, er lebe hoch.
Und dazu kommt dann noch eine steigende Produktion, die Bedarfe wollen ja gedeckt werden. Was meinen Sie?
Wäre weniger hier nicht (wieder) mehr und die Zuteilung von Produkten und Dienstleistungen nicht eine verlockende Vorstellung?
Rein hypothetisch natürlich.
Ich bin gespannt auf Ihre Kommentare.


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07.02.2008 um 20:18 Uhr
Hallo zusammen,
ich bin gerade über diesen Artikel gestoßen und muß sagen, weniger wäre absolut mehr.
Leider haben wir hier im Sinne der Globalisierung mit dem Weniger ein Problem, denn wofür denn dann die Globalisierung?
Da wir ja ein produzierendes Land mit Im- und Export sind und unsere Produkte auch im Ausland verkaufen wollen, müssen wir das Anderen auch genehmigen.
Somit hat der Verbraucher eine Unmasse an Angeboten von ein und der selben Sache.
Früher war das einfacher, um auf das Beispiel mit den Autos einzugehen. Es gab nur wenig sehr exklusive Marken mit ein paar Schnick-Schnack-Sachen dazu, die dem Prestige Geld zu haben gerecht wurden.
Heute hat nahezu jeder Hersteller wenistens eine Exklusiv-Klasse oder mehrere. Die meisten Exklusivautos für den gehobenen Mittelstand kamen aus Stuttgart und München. Wenn früher beispielsweise 1000 Leute ein gutes, langhaltendes Auto kaufen wollten, hatten sie im Großen und Ganzen nur diese 3 bekannten Anbieter. Wenn sich einer ein gleichwertiges, ausländisches Auto geholt hat, war das ein “Spinner”. So etwas machte man nicht.
Wenn sich heute 1000 Leute ein Auto kaufen wollen, haben sie die absolute Qual der Wahl, welche Marken gerade als “in” angesehen werden, was es alles kann, wie das Auto meinen Wohlstand ausdrückt, wofür ich dieses Auto brauche und was ich damit her mache. Das Angebot ist riesig, und ändert sich ständig, da kann man vorher wochenlang Autozeitschriften lesen, die alle Neuwagen testen und vorselektieren, danach noch diverse Autohäuser abklappern, um dann letztendlich das Auto zu finden, das dem Prestige und dem Geldbeutel des Jeweiligen am meisten schmeichelt.
Logischerweise, da sich die 1000 Einkäufer nicht mehr nur auf 3-4 Anbieter konzentrieren müssen, wird der Kuchen kleiner und für jeden bleibt unter dem Strich auch weniger übrig. In diesem Sinne wären weniger “Hungrige” natürlich besser.
Nur wer weiß hierfür schon eine Lösung? Ich, als normaler Verbraucher, bin oft vom Angebot erschlagen, verstehe einzelne Dinge im ersten Moment nicht, oder wofür was gut sein soll, bis ich mich entweder in die Materie eingelesen habe, oder mich habe aufklären lassen, wofür das Jeweilige gut ist.
Ob ich das aber im Endeffekt tatsächlich benötige um mehr Lebensqualität, mehr Arbeitserleichterung zu haben, mich glücklich zu fühlen, oder gar zu sein, ist fragwürdig, denn zu 95% gibt es ein paar Wochen später ein weiteres Produkt, das noch mehr kann, besser aussieht und dazu auch noch kompakter ist. Das ist für mich als Verbraucher sicher, da kann man sich darauf verlassen.
Für den Markt allerdings heißt das wiederum: Noch einer mehr, der ein Stück vom Kuchen bekommt. Machen sie doch mal den Vorschlag, die eierlegende Wollmilchsau zu erfinden, um den Kuchen letztendlich für sich alleine zu haben
In diesem Sinne, die besten Wünsche und viel Erfolg
LG aus Schwaben
M. Glökler
08.02.2008 um 00:12 Uhr
Ja! Vertriebsmitarbeiter in der Planwirtschaft. Davon träume ich fiebrig.
08.02.2008 um 00:20 Uhr
Vertriebler in einem Verkäufermarkt: Ist das so wie Einkäufer in einen Käufermarkt??
08.02.2008 um 08:09 Uhr
Hat es damals überhaupt hauptamtliche Verkäufer gegeben?
08.02.2008 um 09:15 Uhr
Ja, in den 50ern bei der AEG hießen sie “Akquisiteure”, mussten viel reisen und hatten dafür schon Geschäftswagen – ein sehr exquisites Incentive damals. Im Wesentlichen hat man die Produkte erklärt, bei der Produktkonfiguration geholfen und Bestellformulare verteilt. Also ein bisschen so wie eine QVC Roadshow
Übrigens: Geschäftswagen musste man nicht versteuern und Strafzettel übernahm die Firma …
11.02.2008 um 14:03 Uhr
Den Vekäufermarkt zurück haben wollen, zugeteilte Waren und Dienstleistungen…auweia, lese ich da Ironie rauß oder rein?

Noch nicht mal hypothetisch halte ich Das Heute für auch nur ansatzweise sinnvoll. Wer es besonders leicht haben will die Ware an den Kunden zu bringen, sollte vielleicht Produkte vertreiben die sich quasi von selbst verkaufen.
Es ist ja durchaus immer sinnvoll einen Schritt zurück zu gehen, sich selbst zurück zu nehmen, sich zu besinnen… Ein Hoch auf die Selbstreflexion!
Aber die unsichtbare Hand des Marktes, Angebot und Nachfrage regulierend, in Frage zu stellen, halte ich für überflüssig.
Gesellschaftliches Umdenken auf einer breiten, wirksamen Basis halte ich nur durch einen Marktkollaps für möglich. Für wünscheswert halte ich persönlich auch Dieses nicht.
Einen schönen sonnigen Nachmittag an alle!
13.02.2008 um 14:01 Uhr
@ Jochen
zu lesen im Dossier der FTD: http://www.ftd.de/unternehmen/industrie/314305.html?p=1
Und heute arbeiten sie bei Würth in der Außendienstarmee
Als Verkäufer wäre ein Verkäufermarkt schon sehr verlockend aber als Konsument möchte ich mir doch schon selbst aussuchen können wann und von wem ich was kaufe.
Ich geh jetzt einkaufen
Grüße,
Alexa
13.02.2008 um 21:41 Uhr
20.02.2008 um 01:47 Uhr
Habe den Artikel der FTD auch noch durchgelesen…
Stellt sich mir das Gesicht des Vertreters vor, wenn er in eine neue Firma kommt, das Tor aufgeht und in der Werkstatt nur Frauen arbeiten…
Ob er dann noch ein anderes Werbegeschenk aus der Tasche ziehen kann?
Kleine Anregung zum Schmunzeln
LG aus Schwaben