Halten Sie Ihren Vertrieb kurz!
11. März 2008 von Gastautor
Eine viel gehörte Meinung über Vertriebsmitarbeiter ist, dass sie ihren Tag damit verbringen, bei Kunden Kaffee zu trinken und sich eine lockere Zeit machen. Ist doch toll. Da fahren die Außendienstler mit ihren wahlweise mausgrauen, dunkelblauen oder schwarzen Vertreterkombidieseln kreuz und quer durch die Lande. Sie sehen schöne Landschaften, tolle Städte, lernen viele neue Menschen kennen und vemutlich pfeiffen sie fröhliche Lieder dabei. Das Vertriebsleben ist eine Endlosparty!
Und weil das Leben im Vertrieb so schön ist, müssen unbedingt Möglichkeiten gefunden werden, diese Party ein wenig zu beschneiden. Nicht, dass es den Mitarbeitern am Ende noch zu gut geht. Warum also den Außendienst übernachten oder fliegen lassen, damit er frisch und ausgeruht seinen Job machen kann. Er geht doch nur Kaffee trinken. Daher reicht es völlig, wenn er sich mitten in der Nacht aus dem Bett quälen muss, um die 500 km per Auto oder Bahn so hinter sich zu bringen, dass er pünktlich um 8 Uhr beim Kunden sein kann. Zum Frühstückskaffee versteht sich, denn natürlich haben alle Unternehmen eine perfekte Meetingkultur und bieten ihren Besuchern Kaffee und Wasser an – aber das ist ein anderes Thema.
Manchmal lässt sich ein Hotelaufenthalt nicht vermeiden. Aber bitte, der Vertrieb braucht nun wirklich keinen Komfort. Ist doch nur zum Schlafen. Ein Low Budget Hotel ist vollkommen ausreichend und das zugehörige Frühstück mit je einer Sorte Käse und Wurst, ansehnlich und mundgerecht in Plastik verpackt kann er sich sowieso sparen. Er geht ja zum Kunden, also Kaffee trinken. Mittags wird er mindestens in die Firmenkantine eingeladen, wenn nicht sogar zum Italiener an der Ecke. Für das leibliche Wohl ist also bestens gesorgt.
A propos leibliches Wohl. Es soll ja Vertriebsmenschen geben, die sich abends mit Kunden zum gepflegten Dinner treffen. Sie haben ja nichts besseres zu tun. Wer will schon gern seinen Abend zuhause, mit der Familie oder Freunden verbringen. Wie viel reizvoller ist ein geschäftliches Abendessen mit Verzicht auf Alkohol und gezieltem Führen angeregter Gespräche über verschiedene Businessthemen im Sinne einer guten Beziehungsarbeit. Bestenfalls gönnt sich das Gegenüber ein Glas Chardonnay zuviel und lässt sich in epischer Breite über Privates aus, also sozusagen ein gefundenes Fressen Essen für jeden engagierten Vertriebsprofi. Und das alles auch noch auf Firmenkosten.
Vertrieb ist Party!
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Dies ist ein Gastbeitrag von Alexa Wackernagel. Infos zur Autorin:
Blog: http://webstyler.de
XING: https://www.xing.com/profile/Alexa_Wackernagel

11 Leserbewertungen: Ø 4.36 Sterne (Bewerten des Beitrags durch Klicken der Sterne)

11.03.2008 um 09:04 Uhr
Oh das ist noch nicht Alles! Ich kenne Firmen, da haben die Vertriebsaussendienstler keine Handys, Laptops, keine UMTS-Karte und kein Navi! Ich habe auch schon den ernsthaften Vorschlag einer Geschäftsleitung gehört, die Telefonkosten im Vertrieb zu limitieren.
11.03.2008 um 13:49 Uhr
Leider gilt oben Gesagtes incl. des Kommentars tatsächlich für einige Unternehmen. Mitarbeiter sollen utopische Quoten erfüllen und Bestleistungen bringen unter Bedingungen, die zuweilen abenteuerlich sind. Ich habe schon erlebt, dass Vertriebler ihren eigenen Laptop mitbrachten und das benötigte Büromaterial selbst gekauft haben – weil die Wartezeiten darauf Wochen oder Monate betragen hätten.
Nach meiner Erfahrung ist es in solchen Firmen häufig so, dass weder der Verkaufsleiter noch der Geschäftsführer vertrieblich besonders vorgebildet oder aktiv sind. Stimmt die Leistung des Mitarbeiters dann subjektiv nicht, kann man ihm doch kündigen…..
11.03.2008 um 13:58 Uhr
Lasst es euch nicht gefallen! Wenn deutsche Firmen immer noch meinen, sie müssten so handeln, dann sollten wir chinesisch lernen und die Seiten wechseln.
14.03.2008 um 15:35 Uhr
Hallo zusammen, hier der Link zu einem alten Artikel von mir. Unser lieber Herr Würth von Würth aus Künzelsau hat ja auch seine Philosophie zum Thema Vertrieb.
http://blog.no-big-deal.de/2007/08/23/original-oder-falschung-oder-hallo-die-post-ist-da/
14.03.2008 um 15:46 Uhr
Herr Würth tingelt ja gerne mit seiner “ich hab dem Vertrieb die Laptops weggenommen” – Success Story durch die Lande. Ich habe ihn live gehört und die Story ist wirklich beeindruckend. Wobei er es damit begründet, dass die Außendienstler sich beim Kunden zu sehr auf das Bedienen des Laptops, statt aufs Verhandeln mit dem Kunden konzentrieren und nicht mit den Kosten – zumindest sagt er das so. Ob die Würthler Navis in den Firmenwagen haben?
27.03.2010 um 14:55 Uhr
[...] gibt’s im Blog No big Deal, auch wenn die Gastautorin sonst woanders [...]