Gefährdet googeln die Pole?

16. April 2008 von Ralf Roßkopf

Ich google, also bin ich. Ich google mehrmals täglich. Suche nach Flügen und Hotels; nach Synonymen und alten Bekannten; überprüfe die Rechtschreibung oder Übersetzung eines Textes; schlage zum 100. Mal die Korrekturzeichen nach und die Übertragungszeit fürs Pokalfinale. Ich recherchiere nach brisanten Geschäftsberichten, leckeren Rezepten und Bands deren Lieder ich im Radio aufgeschnappt habe. Und ich gebe „Lufthansa“ ein, wenn ich auf die Seite der Kraniche will – weil ich zu faul bin, sie unter der Liste meiner gespeicherten „Favoriten“ herauszusuchen.
Worüber ich mir keine Gedanken mache: Eine Suchanfrage kostet ca. 8 Watt Strom – nicht mich, wohin denken Sie. Google und unsere Umwelt. 8 Watt sind die Menge Strom, mit der man eine Energiesparlampe 1 Stunde lang leuchten lassen könnte.
dscf2561.JPGMehrere Milliarden Dokumente oder Bilder werden auf eine Suchanfrage hin durchforstet. Wenn ich nach „wie heißt die Hauptstadt von Australien“ suche, laufen in den weltweiten Rechenzentren von Google über 30.000 Server heiß.

Geschätzte 2% der weltweiten Kohlendioxid-Emission gehen auf Kosten der gesamten IT-Branche, z. B. verursacht durch Internet, Rechenzentren, Elektroschrott. Dies entspricht in etwa dem Ausstoß des weltweiten Luftverkehrs – eine greifbarere und mehr diskutierte Masse. Forciere ich durch (m)ein unverantwortungsvolles Umgehen mit einer Suchmaschine einen tödlichen Kreislauf? CO2-Ausstoß Treibhauseffekt, Klimawandel, das Schmelzen der Pole und eine mögliche tragische Überflutung der Niederlande? 

Die „Green CeBIT“ hat etwas zum Bewusstsein der Fachwelt beigetragen. Längst entwickeln namhafte Hersteller energiefreundlichere Geräte. Ein in jeder Hinsicht lohnendes Verkaufsargument im milliardenschweren Hightech-Markt.

Die australische Suchmaschine Ecocho will pro 1000 Suchanfragen zwei Bäume pflanzen und finanziert das Projekt mit Werbeeinnahmen.Ziehen Sie Ihre persönliche Ökobilanz. Auch das Nutzen anderer Suchmaschinen (das eigene Hirn ausgenommen) hat die selben Auswirkungen – oder muss es heißen die gleichen Auswirkungen … schnell nachgooglen …
 

7 Kommentare zu “Gefährdet googeln die Pole?”

  1. Martin Hiegl sagt:

    Woher stammen die 8 Watt? Ich halte es für zumindest zweifelhaft wenn jemand behauptet den Stromverbrauch von Suchanfragen errechnen zu können. Da ist es dann immer persönliches Ermessen, was man dazuzählt und was nicht – sprich, ob man einfach den Bedarf der gesamtem Google-Serverinfrastruktur nimmt und durch alle Anfragen teilt, oder sogar die gesamten Energieausgaben von Google oder tatsächlich nur die Server, welche sich um Suchanfragen kümmern und damit wieder alles mögliche außen vor lässt …

  2. Katrin sagt:

    …Interessante Sichtweise und gewagte Watt-Zahl;-)! Ich habe vorher noch nie darüber nachgedacht, welche Verbrauchs- bzw. Kostenfaktoren die Internet-Suche beeinflussén. Auch die Hochrechnung in Personalkosten ist interessant. Positiv wie negativ, welchen Aufwand, was(er-)spare ich durch die Internetrecherche?

    muss ich mal auf mich wirken lassen.
    Viele Grüße
    Katrin

  3. georg sagt:

    Danke Ralf, Du führst mit diesem Beispiel, die in uns allen vorhandene Bequemlichkeit vor Augen. Was man nicht im Kopf hat, hat man in den Beinen – Heute müßte es “Fingern (bzw. Tasten)” genannt werden.
    Wer geht schon für 8 KJoule zum Regal und schlägt die Rechtschreibung im Buch nach. Aber mit diesem Beispiel ist auch die Fahrt mit dem Auto morgens zum Bäcker gemeint – satt das Fahrrad zu nehmen. Lieber Ralf, das ist zwar unbequem, was Du schreibst, aber mehr als notwendig. Meine volle Unterstützung!

  4. Katrin sagt:

    yepp, lasst uns drüber nachdenken, wie die Umfeld geschont wird, wenn wir Internetrecherche vielmehr als Sparmaßnahme erfassen, weil uns so viele Anfahrtswege und Telefonate erspart bleiben, um Wissen zu erlangen…
    …ich sehe Deinen Artikel, lieber Ralf, als provokant, dennoch extrem konstruktiven Beitrag, der zum Denken anregt und eher die Vorzüge als die Nachteile der Internetrecherche vor Augen hält…
    Beste Grüße
    Katrin

  5. Tammi sagt:

    … mich stimmt es sehr nachdenklich, dass 2%, die kaum Reduktionspotential bieten, in solcher Weise diskutiert werden und die konstruktiven Bereiche innerhalb der restlichen 98%, die tatsächliches, aber unbequemes Handeln ermöglichen könnten, durch Umweltlogorrhoe an Realisationskraft verlieren …

  6. John Keating sagt:

    … zumindest nimmt Wikipedia sich deinen Artikel zu Herzen und veröffentlicht im September ein Lexikon in gedruckter Form.

    Das erste Wikipedia-Buch soll mit 50 000 Stichwörtern die populärsten Suchbegriffe aufnehmen. 20 000 Exemplare möchte der Verleger Bertelsmannman zunächst verkaufen.

    Auf die Ökobilanz digitales Lexikon vs. gedrucktes Lexikon darf man gespannt sein – wie auch auf die Freudensprünge bei Brockhaus und den vielen Wikiautoren, die quasi in die Bertelsmannkasse geschrieben haben ;-/

    Cheers
    John

  7. John Keating sagt:

    Lustig Ralf, seit ich deinen Bericht gelesen habe, fallen mir bei viele eingehenden E-Mails Fußnoten wie die folgende auf:

    Schütze Deine Umwelt | Erst denken, dann drucken

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