Ersatzbank – die sichere Bank

13. Oktober 2008 von Georg Blum

Im Moment jammern die Banken bzw. Bänker, dass man endlich versteht, wo der Begriff des Bänkelsängers herkommt.

Hätte man mich gefragt, was man zurzeit als Bank an seine Kunden schreiben sollte (aber mich fragt ja keiner, denn die Banken bzw. deren Mitarbeiter sind alle mit sich selbst oder der Krise oder beidem beschäftigt), dann hätte ich als Berater für Beziehungsmanagement und Dialog-Kommunikation meiner Bank geraten: Schicken sie doch ihren Kunden ein Schreiben, dass die meisten Gelder und Einlagen sicher sind.

Und: Man könne sich als Kunde doch mal Zeit nehmen und vorbei kommen. Nein, nicht weil es eine Menge zu besprechen gibt. Auch nicht, weil man das Geld evtl. „umbetten“ können, vielleicht auch deshalb, dass man nachts ruhiger schlafen könne. Und schon gar nicht, weil man ja denen, die noch Liquidität haben, einen besonderen Service oder Cross-Selling angedeihen lassen könnte. Nein, auf solche banalen Ideen kommt der Bänkel nicht. Bänkel? Hat das nicht etwas mit Bengel zu tun? OK, wieder mehr Ernst bei der Sache.

Ach ja, eigentlich wollte ich Ihnen ja erzählen, was die Bank – Ihre Bank –  Ihnen bzw. ihren Kunden hätte schreiben können. Z.B. Folgendes: „Kommen Sie vorbei und schauen sich das Geld an. In unserem Tresor liegt es sicher.“ Das ist doch was. Der klassische Banken-Dreiklang: Klarheit, Transparenz. Sicherheit.

Sie machen einen Termin. Doch ist das, was im Tresor liegt, auch mein Geld? Wahrscheinlich werden Sie, wie alle „Schafe“ oder Kunden, am Tresor vorbeigeführt – wie an einem Mausoleum. Man hat das Gefühl, man sieht hier noch die Überreste. Ein wenig Trauer kommt auf, aber es bleibt das mulmige, um am Ende doch positive Gefühl, dass man selbst ja noch lebt und wieder einmal Glück gehabt hat. Ein emotionaler Moment. Sie ballen die Faust und rufen “Tschacka”. Fazit: Ich habe auf die sichere Bank gesetzt!

Sie finden das absurd? Ich auch, was da gerade im Bankensektor passiert. Aber gut: Ende des Traum(a)s.

Zurück zur Realität. Haben Sie von Ihrer Bank in den letzten Tagen ein solches Schreiben bekommen? Nein, dann wissen Sie wie ich: Das Geld ist nicht mehr sicher. War es schon jemals sicher? Also komme ich nach kurzer Überlegung auf die Idee: Überweisen wir doch das Geld auf die Ersatzbank. Aber schieben Sie diese Idee nicht auf die lange Bank. Sonst könnte sich der „Wind of Change“ sich schon wieder gedreht haben und andere sind Ihnen zuvor gekommen. Und fallen Sie jetzt nicht auf die Hinterbänkler rein. Die waren schon in der Schule gefürchtet. (Ich will jetzt keine Namen nennen. Aber da gab es mal eine isländische Bank. Die spricht jetzt russisch.)

Ersatzbank, das ist im Moment die sicherste Bank. Warum? Da sitzen meist hoch bezahlte Spieler rum und warten darauf, Leistung zeigen zu dürfen. Den Kollegen zeigen, dass man es drauf hat! Die Plätze auf der Ersatzbank gelten zwar als hart. Aber häufig spricht der Reporter von einem Joker, der eingewechselt wird. Oder: Der Trainer hat ein glückliches Händchen bewiesen. Also nehmen Sie das restliche, verbliebene Geld in die Hand und tragen es auf die Ersatzbank und verweisen ihren bisherigen Anlageberater auf die Strafbank.

Apropos „sichere Bank“. Ich empfehle dem Duden dieses Bonmot bei der nächsten Ausgabe zu streichen. Oder Wikipedia schreibt: Bank, Mehrzahl: Bänke – kommt aus dem altdeutschen und bedeutet Erhöhung. Das ich nicht lache. Das klingt doch eher hohl oder nach Erniedrigung. Nach Bankdrücker. Aber greifen Sie jetzt nicht in die Messerbank, das lohnt sich nicht. Alternativ bleibt uns ja immer noch die Sandbank oder die Austernbank.

5 Kommentare zu “Ersatzbank – die sichere Bank”

  1. Georg sagt:

    Einzig die Direktbank Cortal Consors – wurde mir in umfangreichen Gesprächen beschieden – habe einen schnellen und guten Brief (als E-Mail) an seine Kunden geschrieben. Ich habe diesen Brief inzwischen in Händen. Ich stimme dieser Kundenmeinung zu.
    Also doch auch Glanz in der Krise!
    Wer kennt noch weitere, positive Beispiele?

  2. anna sagt:

    Ich weiß nicht, ob die einen Brief geschrieben haben, aber Quirin-Anlageberater – zufällig vom gleichen Unternehmensgründer betrieben wie seinerzeit Consors – arbeitet mit PR und Anzeigen um alte und neue Kunden sachlich in der Krise zu informieren. Besser als die altbekannten Anzeigen der Großbanken allemal…

  3. Europadruck sagt:

    Unbedacht und lächerlich. So kurz und knapp lässt es sich beschreiben, wenn in der augenblicklichen Situation uns die Banken allabendlich mit Ihren Spots im TV belästigen.

    Auf manch einen muss dies doch wie eine direkte Provokation wirken, viele werden sich einfach nur noch kopfschüttelnd abwenden. Die Damen und Herren “Marketingstrategen” haben Ihre Auftraggeber wahrlich schlecht beraten diese Spots trotz allem was passiert ist und noch passieren wird zur Aussendung zu bringen. Einsicht und Anstand sehen anders aus. Vertrauen bildet derartiges Fehlverhalten aber mit Sicherheit nicht.

  4. Linda sagt:

    Tja das ist nunmal die Kunst der Werbung. Man muss auch in schlechten Zeiten versuchen die eigene Firma neu anzuwerben und nichtsahnende Kunden anlocken.

  5. aaa travel discounts rental cars sagt:

    Related.. Trackback…

    [...]the time to read or visit the content or sites we have linked to below the[...]…

Ihr Kommentar: