Salesman travelling – reisen Sie alleine?
19. Februar 2009 von Gastautor
Ein Business-Trip ist einsam und nervtötend, hat ungefähr den Charme einer Busfahrt von Dortmund nach Gelsenkirchen-Buer und hat aber auch gar nichts mit inspirierendem Welterforschen gemeinsam. Das erzähle ich zumindest meinem Chef.
Während das Alleine-Reisen vermutlich für alle Vertriebsleute in dunklen Anzügen oder schicken Kostümchen in der Frankfurter Flughafenhalle A reine Routine ist, vermag die Auswahl “Ich reise in Begleitung” im Quick-Check-In-Dialog-System den faden Businesstrip gehörig upgraden.
Mein korpulenter amerikanischer Kollege Harry aus dem Vertrieb beispielsweise hat mir auf unseren bisherigen Reisen viel über den Umgang mit meiner Kleidung beigebracht: Ich falte seitdem meine Anzüge so, wie Harry es von einem Anzugverkäufer in Mailand gelernt hat und trage natürlich nur edelsten Zwirn, da der selbst bei langen Flugreisen nicht knittert. Sollte er doch knittern, kann man den Anzug zum Glätten über Nacht über die mit heißem Wasser gefüllte Hotelbadewanne hängen. Und Krawatten werden im Koffer faserschonend gerollt. Alles interessante Tipps von einem Mann, der immer wie ein ungemachtes Bett unterwegs ist und auch auf 2-Wochen-Trips mit kleinem Handgepäck auskommt.
Mein ebenfalls stabil gebauter Kollege Georg überzeugt durch kosteneffiziente Reisegestaltung: Er schafft es stets einen extrem günstigen Trip zu organisieren, wofür er die unmöglichsten Zwischenstopps auf Flugrouten, die kompaktesten Mietwagen und vor allem die längsten Suchzeiten im Internet zum Preisvergleich in Kauf nimmt. Er belächelt mich immer für mein unglückliches Händchen bei der Hotelwahl. Die von ihm gefundenen Hotels überzeugen durch günstigere Kurse bei eindrucksvollen Leistungsmerkmalen, wie kostenlosen Massagestühlen in der Hotellobby. Dafür muss Georg morgens halt zwischen fünf und halb sechs raus, da diese Hotels meist nicht ganz so zentral liegen. Man kann nicht alles haben.
Steve hingegen ist Punktesammler: Steve hat Karten für jedes Bonusprogramm der Welt. Bei jedem Hinterhofdienstleister punktet Steve mit einem 5%-Discount oder der “free-refill”-Gratifikation. Sehr überzeugend fand ich sein “Emerald Aisle”-Programm, welches er mir bei einem Mietwagenanbieter in Kentucky präsentierte. Durch die Vorlage seiner Clubkarte kamen wir in den Genuss, bei strahlendem Sonnenschein einen Wagen aus der ersten Parkreihe zu erhalten. Die 10 Meter mehr zur zweiten (und damit letzten) Parkreihe hätten mich umgebracht.
Lehrreich ist auch das Reisen mit Bernd. Er kann wirklich überall schlafen. Zusätzlich nimmt er auch gerne Schlaftabletten für “red-eye” Trips Richtung Osten. Egal ob von San Francisco nach Frankfurt oder Los Angeles nach Las Vegas, seine Trips dauern immer “zwei Tylenol und eine Flasche Bordeaux”.
Mein Kollege Gerd wiederum hat das tiefe Bedürfnis, immer möglichst vollständig über das verfügbare Serviceangebot vor Ort informiert zu sein: Jeder kennt das Procedere im Hotel: Anstehen, Einchecken, Fahrstuhl suchen, Sachen hochbringen, wieder in die Lobby fahren um den mitreisenden Kollegen zu treffen. Dauert zehn Minuten, inkl. Zähne putzen. Auch bei Gerd. Allerdings verschafft er sich in diesen zehn Minuten zusätzlich einen Überblick über die Öffnungszeiten des Schwimmbades, kennt die empfehlenswerten Restaurants in der Gegend und die Drehzahl des Schuhputzautomaten auf seinem Gang. Eines Morgens wusste er nach genau den genannten 10 Minuten entsetzt zu berichten, dass das Pay-TV in seinem Zimmer nicht funktionierte. Ich war überrascht über die offensichtliche Priorität, die er dem Thema “Pay TV im Hotelzimmer” beimaß.
Aber Sie sollten mal mit MIR verreisen …
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Der Gastautor ist den Betreibern dieses Blogs persönlich bekannt.

12 Leserbewertungen: Ø 4.83 Sterne (Bewerten des Beitrags durch Klicken der Sterne)

19.02.2009 um 09:44 Uhr
Rollt man seine Krawatten um ordentlich zusammengelegte Sockenpärchen, bleiben Sie länger frisch und halten ihre Form! Und aussehen tuts wie Feige im Speckmantel.
19.02.2009 um 21:46 Uhr
Englische Butler gehören zu den Top-Packern in Sachen Kleidung. Auf meinem letzten Thailand-Trip habe ich deren Strategie angewandt. (Weil das bei einem 2-wöchigen Relax- und Entspannungsurlaub absolut unverzichtbar ist!)Also: Auf die Rückseite der Kleidungstücke (VanLaak-Hemden, Dior-Blusen, Laurel-Jackets, Escada-Kleider, Versace-Boxer-Shorts etc.) legt man Seidenpapier (muss micht unbedingt handgeschöpft sein – bei mir musste es Zeitungspapier tun!)und mit diesem zusammen klappt/legt man das Kleidungstück zusammen! Knicke an den Knickstellen damit quasi Null!
So.
Mit MIR solllte man halt reisen.
P.S. Es funktioniert auch mit H&M-Artikeln.
19.02.2009 um 22:45 Uhr
Ebenso wichtig wie ausgefeilte Packtricks ist mir das kulinarische Beiwerk zur angenehmen Gestaltung einer Reise, egal ob kurz oder lang. Deshalb darf in meinem Handgepäck eine erfrischende Auswahl an süßem und salzigem Naschwerk nie fehlen und unterwegs gilt es stets die diversen Angebote der Reisegastronomie zu testen.
Da kämen mir die Feigen im Speckmantel gerade recht unter die Nase, sowohl im Zug, als auch im Flugzeug oder auf der Autobahn. Handlich klein, delikate Mischung von süß und pikant und einen Versuch wert, sie ohne zu kleckern mit einem Haps auf der Zunge zergehen zu lassen.
21.02.2009 um 14:09 Uhr
für Vielfahrer auf Geschäftsreise eignet sich auch sehr gut eine Mitfahrzentrale…
21.02.2009 um 14:16 Uhr
Über Mitfahrzentrale habe ich auch schon nachgedacht. Ist ja nicht so schlimm, wenn man mal nach dem Meeting ankommt oder auf der nächstgelegenen Autobahnraststätte abgesetzt wird. Gruß, Georg.
22.03.2009 um 14:12 Uhr
Wieso denn überhaupt noch reisen? Eine Videogrußbotschaft schicken und die Boni gleich per Bankeinzug auf das Konto der CaymanNational buchen lassen…..
05.04.2009 um 21:28 Uhr
Travelling Salesman: jetzt im Economy – nicht mehr in Business Class.
Weniger Airmiles.