Neulich im POS
30. Juni 2010 von Jochen Mayer
Dienstag war ich im POS. POS kennen Sie? Der Point of Sales. Früher sagte man auch einfach Geschäft dazu. Oder Zigarettenautomat. POS ist das, was zwischen Ihnen und dem Erfolg steht. Also wenn Sie Hersteller von irgendetwas sind. Dann verbindet Sie mit den POSsen so ein bisschen eine Hassliebe. Sie brauchen sie, aber sie mögen sie nicht. Zum einen weil Sie den Profit mit ihnen teilen müssen und zum anderen weil sie nicht tun was Sie wollen. Dabei haben Sie als Hersteller ganz tolle Vorstellungen davon. Ihr ambitionierter Junior Marketing Leiter kam erst neulich wieder auf herausragende Ideen, wie sich ein POS möblieren sollte und wie er seine Verkäufer auszubilden hat. Auf seine eigenen Kosten selbstverständlich – dafür gabs einen Klapps auf die Schulter. Ein POS sieht das ganz anders. Der wiederum hat unglaublich scharfsinnige Vorstellungen von der Unterstützung, die er von Ihnen als Hersteller erwartet. Im Kern geht es um die Übernahme der Kosten eines neuen verkaufsfördernden Mobiliars und der nachhaltigen Schulung seiner Verkäufer.
Ich weiß nicht ob wir diesen spirituellen Dualismus in einem Blogpost aufgelöst bekommen. Doch Tatsache ist, das POSse bereits sehr viel tun. Wobei ich jetzt hier nicht in erster Linie Zigarettenautomaten hervorheben möchte, die es einfach nicht schaffen die Zigarretten (sog. Fallgut) erst rauszugeben, wenn vorher die EC-Karte wieder abgezogen wurde. Das können nur Bankautomaten. Und da glaubt man schon leichtfertig, es gäbe kein Bankgeheimnis mehr.
Nein ich möchte auf Supermärkte aufmerksam machen. Die machen es sich wirklich nicht leicht. Einkaufen soll ein Shoppingerlebnis sein. So genieße ich stets die aufwändig produzierte akustische Begleitwerbung aus, an der Decke für das menschliche Auge unsichtbar gemachten, Lautsprechern. Ein Traum. Zumindest wenn man auf in Mundart vorgetragene Gedichte von Achtklässlern steht. Jedesmal wenn ich ein im Laiensingsang wie bei Omas 70sten vorgetragenes “Gutes muss nicht teuer sein, zum Beispiel 100 ml Saft statt 2,99 nur 2,49″ oder “machen Sie doch mal wieder eine leckere Fischpfanne, mit ..” schaue ich neugierig durch die Gänge und warte darauf, dass die Konsumenten scharenweise vor Freude hüpfen und begeistert schreien “ja super, das mach ich. Eine tolle Idee. Wo darf ich es kaufen?”.
Pfeiffendeckel. Kein Schwein reagiert darauf. Haben Sie schon mal jemand darauf reagieren sehen? Oder überhaupt zuhören? Vielleicht wäre es schlauer, sich die unglaubwürdigen und grotten schlechten POS-Werbesprüche zu schenken und dafür die Musik weiterlaufen zu lassen. Zumindest würde man dann die positive Atmosphäre, die man mit der Musik ja ursprünglich schaffen wollte, aufrecht erhalten. Bei aller Freude an Ehrgeiz: Gras wächst auch nicht schneller wenn man dran zieht. Und wenn man schon dran ziehen will, dann könnte man auch Konsumentenrandgruppen wie mich anlocken: Mit sauberen Griffen an Einkaufswagen und sauberen von-diesen-vor-Dreck-strotzenden-Kassenband-zum-Nächsten-Abstandshaltern, von denen niemand zu wissen scheint wie sie heißen, mit sauberen Toiletten, mehr geöffneten Kassen, freundlichem Personal, besserer Auszeichnung in der Gemüseabteilung und vor allem guten Produkten. Manchmal glaube ich, ich bin einfach zu anspruchsvoll.

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09.07.2010 um 17:18 Uhr
Sehr geehrter Herr Mayer,
Sie können einem ja richtig Leid tun! Was die hygienischen Zustände von EKZ-Toiletten, Waren-trenn-Abstands-Lättchen, Haltegriffen oder was auch immer betrifft, darüber sollte man – wenn man nicht verhungern will oder eine Diät macht – gar nicht erst nachdenken! Dass die Musik meist grauenhaft und nur für Ohren bestimmt sind, die mindestens schon 60 Hörjahre hinter sich haben – auch da gebe ich Ihnen Recht! Aber -da ich eine Frau bin widerspreche, bzw. verbessere ich Sie jetzt mal ein wenig! Ich gehöre zu der eher planlosen und niemals EK-Zettel-schreibenden Spezies und stelle mir immer erst Vorort die berühmte „Was soll ich denn heute wieder kochen“ – Frage ?!! Und da kommt mir diese sympathische, meist männliche Stimme oft ganz gelegen: „Machen Sie doch mal wieder eine leckere Fischpfanne mit….“ ! Nun muss ich gestehen, weder hüpfe ich noch schreie ich; ich schleiche eher auf Umwegen zum empfohlenen Warengut und lege wie zufällig das Angepriesene in meinen Korb. Oder haben sie vielleicht Probleme mit zu kurzen, nie “dicht genugen“ Wimpern? Wie dankbar bin ich über die Information der oberen (oder doch inneren?) Stimme…. doch mal die allerneueste Innovation von LÓreal auszuprobieren, die haben da was gaaaanz Neues entwickelt! Ich glaube fest daran, dass irgendwer, irgendwann so tolle Sachen doch wirklich mal auf den Markt schmeißt, bis dahin sollte ich dann einen Preis für die beste Konsumentin verdient haben!! Scherz beiseite, da wo ich her komme, gibt es das noch – viele kleine POS-se, die ziemlich heile Einkaufswelt, wo man entspannt einkaufen kann, der Kunde noch freundlich bedient-, das Gemüse frisch- und ziemlich bio-, und das Obst süß ist! Ich nutze die kleinen, noch immer existierenden Tante-Emma-Läden, Bauernhofläden oder auch Privatleute, die am Straßenrand kleine Stände mit eigenen Erzeugnissen anbieten! (mit der Toilette wird`s da allerdings schwierig, vielleicht sollten Sie vorher zuhause gehen????!!!!) Ich kannte sozusagen sogar mal ein Schnitzel persönlich, weil ich das Rindvieh kannte und deren Besitzer und den Hof usw..( Bruno hieß der arme Kerl, nur so nebenbei!(das spätere Schnitzel meine ich!):-).
Ich merke, ich werde wieder etwas zu ausführlich, wie auch immer, ich lese gerne Ihren Blog und schmunzle gerne über so manches von Ihnen Geschriebene, ich hoffe es geht Ihnen beim Lesen ebenso!
Freundlich grüßt Bella von der Höri
09.07.2010 um 17:21 Uhr
… absolut!