Öffentliche Verwaltung entdeckt Guerilla Marketing

11. August 2010 von Jochen Mayer

Öffentliche Verwaltungen und Behörden haben generell ein eher sachlich zurückhaltendes und charmearmes Image in der Bevölkerung. Vielleicht liegts an der nüchternen grafischen Gestaltung der Bußgeldbescheide und der Zurückhaltung im Farbspiel amtlicher Vordrucke. Vielleicht auch am, oft als spröde empfundenen, Wording und einer gewissen inhaltlichen Monotonie in der Korrespondenz. Doch es gab auch in der Vergangenheit durchaus Gegenbeispiele. Seit Otto Waalkes‘ Gerichtsverhandlungs-Gag (“Ihnen wird zur Last gelegt, sie hätten an dem Mast gesägt….”), grinse ich bei jedem Strafzettel, den (andere Leute) bekommen.

Alles Schnee von gestern! Die Amtsstuben schütteln nun endgültig das verkrustete Image ab. Vorbildlich, wie der Schnappschuß von Torben Rick belegt: Das Bezirksamt Hamburg Altona. Gerade aus einer Stadt, die auch schon mal als englischer als England beschrieben wird, springt dem Bürger flockiger Humor entgegen! Nennen wir es daher, für den Moment, würdigend “englischen Humor”.  Liest man es erstmalig, überfällt einen schnell eine gewisse Leichtigkeit und Wärme, und der Glaube an das Gute im Amt flackert vorsichtig auf. Guerilla Marketing von Amts wegen. Wird sowas eigentlich in Stadtratssitzungen beschlossen? Ist da unterstützend ein sachverständiger Marketingexperte dabei, so wie Ingenieure bei Abstimmungen zu Bauvorhaben?

Und dieser neue Geist, der auf den Instrumenten der Verkehrssicherheit transportiert wird, beschränkt sich nicht auf Norddeutschland, noch nicht mal auf Metropolen, denen man Fortschrittlichkeit am ehesten unterstellen würde. Nein! Diese Welle schwappt durch die ganze Republik und selbst kleine süddeutsche Gemeinden wollen Teil dieser Bewegung sein.

Zum Beispiel die Gemeindeverwaltung von Kressbronn (“Kressbronn am Bodensee - da bin ich gern!”). In Kressbronn allerdings mit einer leichten grammatikalischen Schwäche. Oder der Platz auf dem Schild reichte nicht. Man weiß es nicht. Vielleicht ist es auch eine sehr subtile, auf den Personalmarkt zielende, Marketingbotschaft: “Wir freuen uns über Ihre Bewerbung bei der Gemeindeverwaltung Kressbronn, auch wenn Ihre Schulnoten nicht sooo gut sind”. War for Talents direkt vom Verkehrsschild aus. Wer immer darauf kam, wir erkennen Genialität: Hut ab!

5 Kommentare zu “Öffentliche Verwaltung entdeckt Guerilla Marketing”

  1. Berna N. sagt:

    Bestimmt bekommen wir bald auch lustige Knöllchen “Sie fuhren am Samstag Abend wie die Sau und parkten wo es Ihnen gerade passte”. Und es wirkt: Zum ersten mal denke ich über eine Karriere im Rathaus nach.

  2. Chrisfanbo sagt:

    Endlich darf die Kreativität auch in Verwaltungen und Behörden einziehen. Ich bin sicher, wenn dort mehr gelacht wird, klappt es auch wieder mit dem Bürger. Dann ist die Zeit der “begossenen Pudel” vorbei.

  3. Jochen Mayer sagt:

    Aha … die Gemeindeverwaltung Kressbronn hat es jetzt auch gelesen!

  4. Naturbursch sagt:

    Find ich super… endlich wird mal ein bisschen das verstaubte Image vom Amtsschimmel geklopft… Hoffentlich macht das System Schule.. Deutschland ist eh so grau…

  5. Cubana sagt:

    Amtsstuben schütteln nun endgültig ihr verkrustetes Image ab? Vorsicht! Schnappschüsse und Lichtblicke sind noch keine Konzepte, so sehr ich es mir manchmal wünsche. Aber dank dieser Botschaft bin ich nun neugierig und voller Erwartung. Wenn es also eine neue strategische Ausrichtung in den Ämtern gibt, so eine ganz tolle, menschliche, bunte und humorvolle Idee (was Ganzheitliches halt…is ja eh grad in), dann nur her damit. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

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