Effiziente Kampagnenplanung
13. Juli 2011 von Jochen Mayer
Kampagnenplanung ist eine zentrale Aufgabe im Marketing. In kleinen wie in großen Unternehmen. Und Kampagnen gibt es sehr sehr viele. Werbung in Printmedien für eine neue Produktlinie, der Social Media Auftritt bei Facebook, die 500 Jahre Feier, die Akquisition eines Wettbewerbers und die Unterstützung der Handelsorganisation.
Kampagnenplanung ist eine Aufgabe, die man wunderbar automatisieren kann. Könnte. Das Potenzial, das dadurch zu heben ist, ist in praktisch allen Marketingabteilungen die ich kenne groß oder sehr groß. Doch manchmal scheint es, als wehren sich Marketingmanager nach Kräften dagegen und das liegt an zwei Dingen:
Der erste Grund liegt schon im Begriff “automatisieren”. Den mögen Marketingmanager gar nicht. Wenn überhaupt, gehört er ihrer Meinung nach in die Produktion. Im Marketing selbstversteht man sich intuitiv und kreativ und wenn man mehr von etwas braucht, dann ist es Freiraum für den Freigeist. Das kann so tief sitzen, dass man nach der Nennung des bösen A-Wortes, gar nicht mehr zuhört. Dabei muss automatisieren gar nicht heißen, Intuition, Kreativität, Erfahrung und Fingerspitzengefühl zu technisieren, sondern im Gegenteil die Arbeiten, die gerade Marketing Experten sowieso leiden können wie Reisekostenabrechnung oder Rückenschmerzen: Die administrativen Prozesse im Marketing.
Vielleicht nimmt man diese Arbeiten ab einer gewissen Position gar nicht mehr wahr. Doch sie werden erledigt. Täglich. Oft aber nicht durch Software, sondern durch Praktikanten und Assistenten. Und zwar durch sehr viele Praktikanten und Assistenten, zu Sonderarbeitszeiten. Nicht nur durch die eigenen, sondern durch die der Agenturen mit denen man zusammenarbeitet. Jetzt machen Sie damit mal ein Reporting!
Der zweite Grund ist die Aversion gegen IT. Außer wenn es eine App für das iPad gäbe. Sobald man die IT dazu braucht ist es vorbei. Viele selbst technisch affine Marketing Manager haben eine Lektion gründlich gelernt: Lege dich nie mit der IT an, du verlierst immer … und wenn es ganz schlimm kommt, erhältst du ab sofort keine Emails mehr. Die Rettung ist Kampagnenmanagement mit Excel. Excel ist großartig, denn es ist eh auf allen PCs, Verzeihung Macs, installiert und damit unpolitisch.
Lassen wir uns doch nochmal auf der Zunge zergehen was hier passiert: Obwohl nichts mehr ohne IT funktioniert, gibt das Marketing dieses essentiell notwendige Instrument aus der Hand. An die IT. Die IT macht vieles, aber eins nicht: Marketing Abteilungen freiwillig mit moderner Software auszustatten. Kampagnenplanung mit Excel in dezentralen Marketingorganisationen aber ist, wie wenn das Controlling SAP abschafft und die Taschenrechner wieder rausholt.
Es gibt auch richtig gute Software dafür. Zum Beispiel den Marketing Planner. Nur dafür kämpfen, müssen Sie.
Sorgfalt in der Kommunikation
15. November 2010 von Jochen Mayer
Gulasch muss nicht immer gleich schmecken! Klar manchmal schmeckts bei uns, manchmal auch nicht und manchmal schmeckts eben erst später. Bei einer inhabergeführten Metzgerei lese ich das mit einem Schmunzeln. Hier hat das Ungeschliffene ja noch die Anmutung von Authentizität. Ich nehme es dem Metzger nicht krumm, wenn ich den Eindruck habe, dass er ein guter Metzger und nicht so geschliffener Texter ist. Hier kocht der Chef sozusagen noch selbst.Öffentliche Verwaltung entdeckt Guerilla Marketing
11. August 2010 von Jochen Mayer
Öffentliche Verwaltungen und Behörden haben generell ein eher sachlich zurückhaltendes und charmearmes Image in der Bevölkerung. Vielleicht liegts an der nüchternen grafischen Gestaltung der Bußgeldbescheide und der Zurückhaltung im Farbspiel amtlicher Vordrucke. Vielleicht auch am, oft als spröde empfundenen, Wording und einer gewissen inhaltlichen Monotonie in der Korrespondenz. Doch es gab auch in der Vergangenheit durchaus Gegenbeispiele. Seit Otto Waalkes‘ Gerichtsverhandlungs-Gag (“Ihnen wird zur Last gelegt, sie hätten an dem Mast gesägt….”), grinse ich bei jedem Strafzettel, den (andere Leute) bekommen.
Alles Schnee von gestern! Die Amtsstuben schütteln nun endgültig das verkrustete Image ab. Vorbildlich, wie der Schnappschuß von Torben Rick belegt: Das Bezirksamt Hamburg Altona. Gerade aus einer Stadt, die auch schon mal als englischer als England beschrieben wird, springt dem Bürger flockiger Humor entgegen! Nennen wir es daher, für den Moment, würdigend “englischen Humor”. Liest man es erstmalig, überfällt einen schnell eine gewisse Leichtigkeit und Wärme, und der Glaube an das Gute im Amt flackert vorsichtig auf. Guerilla Marketing von Amts wegen. Wird sowas eigentlich in Stadtratssitzungen beschlossen? Ist da unterstützend ein sachverständiger Marketingexperte dabei, so wie Ingenieure bei Abstimmungen zu Bauvorhaben?
Und dieser neue Geist, der auf den Instrumenten der Verkehrssicherheit transportiert wird, beschränkt sich nicht auf Norddeutschland, noch nicht mal auf Metropolen, denen man Fortschrittlichkeit am ehesten unterstellen würde. Nein! Diese Welle schwappt durch die ganze Republik und selbst kleine süddeutsche Gemeinden wollen Teil dieser Bewegung sein.
Zum Beispiel die Gemeindeverwaltung von Kressbronn (“Kressbronn am Bodensee - da bin ich gern!”). In Kressbronn allerdings mit einer leichten grammatikalischen Schwäche. Oder der Platz auf dem Schild reichte nicht. Man weiß es nicht. Vielleicht ist es auch eine sehr subtile, auf den Personalmarkt zielende, Marketingbotschaft: “Wir freuen uns über Ihre Bewerbung bei der Gemeindeverwaltung Kressbronn, auch wenn Ihre Schulnoten nicht sooo gut sind”. War for Talents direkt vom Verkehrsschild aus. Wer immer darauf kam, wir erkennen Genialität: Hut ab!
Sind Erzeuger die besseren Bauern?
10. August 2010 von Jochen Mayer
Ein Herz für Erzeuger … seit den Meldungen über die neue elterliche Sorgerechtsregelung bin ich verwirrt, wenn ich nach landwirtschaftlichen Produkten google. Als ich Kind war, waren Bauern Bauern und Twix … ach was sag ich, es gab noch nicht mal Raider. Später waren Bauern Landwirte und seit einigen Jahren sind Bauern Erzeuger. Vermutlich hamwirs jetzt endlich.
Da claimt eine einzelne Branche den Erzeugerstatus, obwohl auch viele andere Menschen etwas erzeugen. Ich habe mich immer gefragt warum sie das macht und ob das wirklich hilft: Bauer will man scheinbar nicht sein, vielleicht weil man ein hinterwälderisches Image befürchtet. So wie bei “Bauer sucht Frau”. Allerdings heißt die Sendung ja auch nicht “Erzeuger sucht Frau”. Schade eigentlich, mein Lächeln hätten sie.
Ich möchte meine Lebensmittel lieber vom Bauern als vom Erzeuger kaufen. Gerade in Zeiten von Lebensmittelskandalen, Gen- und Gammelfleisch geht mein Vertrauen eher zu einem konservativen und damit vielleicht grundehrlichen Bauern, als zu einem geschäftsübermotivierten industriellen Erzeuger. Inkonsequenterweise bildet man auf meiner Butter und der Milch ja auch ländlich romatische Idylle und nicht Industrieanlagen ab. Und das obgleich seit Jahren selbst die hinterwälderischste Marketingschlafmütze “Authentizität und Nachhaltigkeit” predigt. Nicht das jetzt jemand den Eindruck gewinnt, diese Leitbegriffe wären vielleicht nur Worthülsen. Bei solchen Branchenvorgaben ist es sehr schwierig rein vom Wording her die Kurve wieder zu kriegen. Hier zum Beispiel: Einkaufen im Hofladen bei Erzeuger Direkt.
Ganz anders die Handwerker. Prächtige Burschen!
Wer viel zementiert, hämmert, oft eine Menge Lärm (aber Dreck nicht weg) macht und mittags im Schnellimbiss in farbverklecksten Arbeitsklamotten und durchgelatschten Arbeitsschuhen isst, hat halt Humor.
Da freu ich mich doch schon auf den nächsten Dachstuhlausbau oder Wasserrohrbruch.
Liebe Erzeuger: Diese Werbung hätte eure sein können. Wäre das nicht was fürs Image gewesen?
Neulich im POS
30. Juni 2010 von Jochen Mayer
Dienstag war ich im POS. POS kennen Sie? Der Point of Sales. Früher sagte man auch einfach Geschäft dazu. Oder Zigarettenautomat. POS ist das, was zwischen Ihnen und dem Erfolg steht. Also wenn Sie Hersteller von irgendetwas sind. Dann verbindet Sie mit den POSsen so ein bisschen eine Hassliebe. Sie brauchen sie, aber sie mögen sie nicht. Zum einen weil Sie den Profit mit ihnen teilen müssen und zum anderen weil sie nicht tun was Sie wollen. Dabei haben Sie als Hersteller ganz tolle Vorstellungen davon. Ihr ambitionierter Junior Marketing Leiter kam erst neulich wieder auf herausragende Ideen, wie sich ein POS möblieren sollte und wie er seine Verkäufer auszubilden hat. Auf seine eigenen Kosten selbstverständlich – dafür gabs einen Klapps auf die Schulter. Ein POS sieht das ganz anders. Der wiederum hat unglaublich scharfsinnige Vorstellungen von der Unterstützung, die er von Ihnen als Hersteller erwartet. Im Kern geht es um die Übernahme der Kosten eines neuen verkaufsfördernden Mobiliars und der nachhaltigen Schulung seiner Verkäufer.
Ich weiß nicht ob wir diesen spirituellen Dualismus in einem Blogpost aufgelöst bekommen. Doch Tatsache ist, das POSse bereits sehr viel tun. Wobei ich jetzt hier nicht in erster Linie Zigarettenautomaten hervorheben möchte, die es einfach nicht schaffen die Zigarretten (sog. Fallgut) erst rauszugeben, wenn vorher die EC-Karte wieder abgezogen wurde. Das können nur Bankautomaten. Und da glaubt man schon leichtfertig, es gäbe kein Bankgeheimnis mehr.
Nein ich möchte auf Supermärkte aufmerksam machen. Die machen es sich wirklich nicht leicht. Einkaufen soll ein Shoppingerlebnis sein. So genieße ich stets die aufwändig produzierte akustische Begleitwerbung aus, an der Decke für das menschliche Auge unsichtbar gemachten, Lautsprechern. Ein Traum. Zumindest wenn man auf in Mundart vorgetragene Gedichte von Achtklässlern steht. Jedesmal wenn ich ein im Laiensingsang wie bei Omas 70sten vorgetragenes “Gutes muss nicht teuer sein, zum Beispiel 100 ml Saft statt 2,99 nur 2,49″ oder “machen Sie doch mal wieder eine leckere Fischpfanne, mit ..” schaue ich neugierig durch die Gänge und warte darauf, dass die Konsumenten scharenweise vor Freude hüpfen und begeistert schreien “ja super, das mach ich. Eine tolle Idee. Wo darf ich es kaufen?”.
Pfeiffendeckel. Kein Schwein reagiert darauf. Haben Sie schon mal jemand darauf reagieren sehen? Oder überhaupt zuhören? Vielleicht wäre es schlauer, sich die unglaubwürdigen und grotten schlechten POS-Werbesprüche zu schenken und dafür die Musik weiterlaufen zu lassen. Zumindest würde man dann die positive Atmosphäre, die man mit der Musik ja ursprünglich schaffen wollte, aufrecht erhalten. Bei aller Freude an Ehrgeiz: Gras wächst auch nicht schneller wenn man dran zieht. Und wenn man schon dran ziehen will, dann könnte man auch Konsumentenrandgruppen wie mich anlocken: Mit sauberen Griffen an Einkaufswagen und sauberen von-diesen-vor-Dreck-strotzenden-Kassenband-zum-Nächsten-Abstandshaltern, von denen niemand zu wissen scheint wie sie heißen, mit sauberen Toiletten, mehr geöffneten Kassen, freundlichem Personal, besserer Auszeichnung in der Gemüseabteilung und vor allem guten Produkten. Manchmal glaube ich, ich bin einfach zu anspruchsvoll.

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