Lena eint Europa!

31. Mai 2010 von Ralf Roßkopf

So einig war (sich) Europa noch nie: Mit beeindruckender Mehrheit wurde Deutschlands Botschafterin Lena (Meyer-Landrut, a. d. R.) mit ihrem Song „Satellite“ am Samstag zur Siegerin des Eurovision Song Contest 2010 gewählt.

“Love, oh, love I gotta tell you how I feel about you … lalalala”

Endorphine digitalisiert

125 Mio. Zuschauer und -hörer hatten die Show europaweit zur Prime Time verfolgt. Allein in Deutschland im Durchschnitt fast 15 Millionen. 61,6 Prozent in der so genannten werberelevanten Gruppe der 14- bis 49-jährigen. Jogis Kick gegen Ungarn (ZDF) und Vitalis Kampf gegen was-weiß-ich-wen (RTL) wurden dagegen nur in homöopathischen Mengen konsumiert.

Schlicht und überzeugend war das Konzept von Lena. Ohne pompöse Bühnenshow, unnötigen Schnick-Schnack und ohne extravagantes Outfit. Konzentration auf jugendliche Leichtigkeit, weiblichen Charme, größtmögliche Authentizität und … ein pfiffiges Liedchen!

“Love, oh, love I gotta tell you how I feel about you … lalalala”

Umso gewaltiger war dafür ihre Vermarktung. Bereits im Vorfeld war dem Medienrummel nicht zu entkommen.

Sind wir nicht alle ein bisschen Lena?

Nach monatelangen Meldungen über unfähige, korrupte, fremdgehende und pädophile Männer, sorgt eine 19-jährige nun für die positiven Schlagzeilen und versetzt die Nation in Freudentaumel. Zehntausende feierten Lena und sich selbst beim Public Viewing auf den Partymeilen zwischen Hamburg und München.

“Love, oh, love I gotta tell you how I feel about you … lalalala”

Sonntag, 31. Mai 2010, 15.23:47 Uhr, ARD, live vom Flughafen Hannover:
„Die Sondermaschine aus Oslo hat jetzt die Reiseflughöhe verlassen!
Das hat Twitterqualität!

Christian Wulff (Ministerpräsident von Niedersachsen, a. d. R.) genoss seinen Auftritt sichtlich – mit einem Strauß Blumen, guter Laune und den besten Wünschen der Kanzlerin (Angela Merkel, a. d. R.) ausgestattet, verkündete er: „Lena hat den nationalen Auftrag erfüllt!“.

Omnipräsent, wie ein Satellit im Orbit

Lenas Schatten in diesen Tagen: Stefan Raab. Mit seiner Sendung „Unser Star für Oslo 2010“ hat er den Satelliten Lena in die europäische Umlaufbahn gebracht.

“Like a satellite, I’m in an orbit all the way around you … lalalala”

Lena im Abo

Sein Gespür für Unterhaltung ist für Pro7 erneut Gold wert. Mit Sondersendungen und ausführlichen Portraits wird die Lena-Manie weiter getrieben. Da wundert auch Raabs Vorschlag nicht, Lena bei Wettbewerb 2011 im eigenen Land wieder gewinnen zu lassen. Warten wir’s ab, ob der Hype die anstehende Fußball Weltmeisterschaft überdauert und sonnen uns so lange in Lenas Rampenlicht.

Made in Germany – mit der größten Kampagne seiner Unternehmensgeschichte macht derzeit der Schmierstoffhersteller Liqui Moly auf sich aufmerksam.

Das Ulmer Unternehmen macht sich dabei die politische und wirtschaftliche Großwetterlage zu Nutzen und wirbt für den Standort Deutschland.

Inhaber Ernst Prost löst mit seiner – im aktuellen tv-Spot persönlich übermittelten – Botschaft den Schwaben Wolfgang Grupp von Trigema als Robin Hood des Standort Deutschlands ab.

„Liqui Moly Motorenöle produzieren wir ausschließlich in Deutschland, auch unsere Steuern bezahlen wir hier, wir schaffen neue Arbeitsplätze und bilden Lehrlinge aus … weder erhalten wir Subventionen noch machen wir Kurzarbeit. Damit all dies so bleiben kann, bitte ich Sie sehr herzlich: verwenden Sie Motorenöle von Liqui Moly.“

Trifft die Botschaft die Zielgruppe?

Die Ulmer dürften mit ihrer Kampagne einige Klischees des Bevölkerungsteils bedienen, der sich heute noch die Finger beim Ölwechsel selbst schmutzig macht. (Zitat aus der Firmenphilosophie: „… den unsere Kunden sind es uns wert, dass sie sich mit etwas besonderen schmücken können“. Für den Bevölkerungsteil, der sein Öl in der Werkstatt wechseln lässt, läuft es – unabhängig von der Großwirtschaftslage – auch ohne Liqui Moly nach wie vor wie geschmiert.

Öl: Omnipräsent

100 Mal wird der tv-Spot ausgestrahlt. Darunter in der „best minute“ vor den Nachrichten. Eine umfangreiche Printkampagne umfasst Großflächenplakate sowie eine Anzeigenstrecke mit Doppelseitern in den Klassikern wie AUTO BILD oder der ADAC-Motorwelt.

Wünschen wir dem Unternehmen, dass das ebenfalls wirtschaftspolitische Thema Öl aufgrund der Vorkommnisse im Golf von Mexiko derzeit nicht all zu negativ belegt ist.

Kaffeegenuss TOGO

01. April 2010 von Ralf Roßkopf

Unser Leben wird immer hektischer – laut GfK wird in Deutschland bereits jeder zweite Kaffee „to go“, d.h. „zum Mitnehmen“ verkauft. Damit könnte es jedoch bald ein Ende haben. Der westafrikanische Staat Togo hat Klage beim europäischen Gerichtshof und beim amerikanischen Supreme Court gegen die Bezeichnung „to go“ eingelegt. Kaffee ist – neben Maniok und Hirse – eines der wichtigsten Exportgüter des Landes, so der Präsident der Repulik, Faure Gnassingbé. Der Namenszusatz „to go“ sei weltweit für togolesischen Kaffee geschützt – und dieser würde traditionell im Sitzen getrunken.

Die Kaffeeriesen Starbucks und McDonald’s haben bereits Einspruch gegen die Klage beim europäischen Gerichtshof eingelegt – zu groß ist die Furcht vor einer Renaissance der afrikanisch-europäischen Kaffeekultur.

Bereits im Jahr 2005 hatte sich der Kaffeegigant aus Seattle erfolgreich gegen die Kampagne „Auf der Terrasse nur Kännchen“ der DEHOGA – des deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes – gewehrt.

Wie der Zwist um die Bohne ausgeht bleibt offen – genießen Sie Ihren Kaffee heute, am 1. April, in aller Ruhe!

gongxi facai – Glück und Erfolg für das neue Jahr

26. Januar 2009 von Ralf Roßkopf

 

 

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Heute, am 26. Januar 2009, verabschieden die Chinesen – gemäß ihres Mond- und Sonnenkalenders – das Jahr der Ratte und begrüßen das Jahr des Büffels (Erd-Rindes).

 

Traditionell feiern die Chinesen diesen wichtigsten Feiertag, auch Frühlingsfest genannt, mit ausgiebigen Festessen, grandiosen Feuerwerken, bunten Drachentänzen und dem finalen Laternenfest.

 

Millionen von Chinesen reisen für die Festtage zurück in ihre Heimatdörfer zu ihren Familien und Verwandten. Es ist jährlich weltweit die größte Völkerwanderung. Keine Feier weltweit lähmt ein Land dermaßen.

 

Die Arbeitermassen (und nicht nur die über 200 Millionen Wanderarbeiter) ziehen von den wirtschaftlichen Metropolen an der Ostküste zurück in die Provinzen. Mit den privaten und öffentlichen Transportmitteln, vor allem den Zügen, werden über 1,5 Milliarden Einzelreisen während der Festtage registriert.

 

Tradition und Moderne: Vor allem Studenten und junge Büroangestellte nutzen die freien Tage über das chinesische Neujahrsfest für Schönheitsoperationen. Mobilfunkbetreiber profitieren von einem Land, zu dessen Tradition es gehört, Glückwünsche und Grüße zum chinesischen Neujahrsfest zu verschicken. Dieses Jahr wird dabei ein neuer Rekord mit mehr als 20 Milliarden SMS erreicht.

 

Wenn China das Neujahr feiert, werden zukünftige Träume beschworen. Nach den Olympischen Spielen im vergangenen Jahr dürften nun vor allen Dingen wieder rein wirtschaftliche Interessen im Vordergrund stehen.

 

Dazu ein chinesisches Sprichwort: Dem Büffel ist das frische Gras lieber als eine goldene Futterkrippe.

 

Wie ansteckend ist VM – Virales Marketing?

12. Januar 2009 von Ralf Roßkopf

 

 

Regelmäßig erhalte ich Links zu Spielen („echt witzig“), immer noch Kettenbriefe („mach mit“), vermehrt Einladungen zu Webcommunities („echt cool“) und immer wieder Clips, z. B. von YouTube („guckst Du“).

 

Zuletzt den – zugegeben – witzigen Clip von einem niederländischen Bierbrauer:

 

Cool

 

Wie ansteckend und damit erfolgreich ist Virales Marketing heute?

 

Durch die Nutzung des Internets hat das VM eine neue Dynamik erhalten. Heute werden Empfehlungen digital und nicht mehr am guten alten Stammtisch „ausgesprochen“.

 

Als klassisches Beispiel für das heutige VM gilt das Mohrhuhnspiel. Rund um die Welt wurden die Mohrhühner gejagt und waren – zum Leidwesen der Tierschützer – in aller Munde. Ob Johnny Walker, der Herd des Virus, davon nachhaltig profitiert hat, ist zu bezweifeln.

 

Ein reines Weiterleiten eines Clips oder Spiels ist jedoch noch längst keine Produktempfehlung. Die klassische Mund(zumund)propaganda macht dagegen direkt auf ein Produkt oder eine Dienstleistung – und nicht nur auf einen sehenswerten Clip oder ein kurzweiliges Spiel – aufmerksam.

 

Anders das Netzwerkportal XING, die diversen Freenet-Anbieter, Napster oder YouTube – sie profitieren nachweislich vom VM. Erfolgreiches VM bedient sich der gesamten Palette der bekannten Marketinginstrumente um potentielle Kunden/Nutzer zu infizieren. Gerade das Beispiel YouTube verdeutlicht, dass VM dabei kaum plan- oder steuerbar ist.

 

Haben Sie sich schon einmal anstecken lassen?