Die Neuroökonomie nimmt Fahrt auf
10. Januar 2010 von Georg Blum
Die Neuroökonomie, als neue Forschungsrichtung, versucht das irrationale Verhalten der Verbraucher zu verstehen. Sie versucht u. a. zu klären, warum viele oft nicht das tun, was für einen „homo oeconomicus“ logisch wäre und wirtschaftlich am sinnvollsten ist.
Paul Glimcher, Professor der New Yorker University, sagt zum derzeitigen Forschungsstand: „ Wir sind nun dabei, uns die Situationen anzuschauen, in denen die Psychologen merkwürdige Anomalien festgestellt haben, die sie mit den herkömmlichen Mitteln der Wirtschaftswissenschaft nicht erklären können.“ Ein schönes Beispiel für eine solche Anomalie ist die „Qual der Wahl“. Es ist nicht schwer eine Marmelade aus drei Geschmacksrichtungen auszuwählen. Aber wächst die Zahl der Marmeladen auf 24 an und man soll sich eine aussuchen, so ist das nahezu unmöglich. Das liegt daran, dass das Gehirn auf Schwierigkeiten stößt, sobald mehr als sechs bis acht Möglichkeiten zur Auswahl stehen.
Die Wirtschaftswissenschaftler wollen dem Verbraucher soviel Entscheidungs-freiheit wie möglich geben. Doch die Neurologen wissen: „Eine zu große Auswahl macht den Konsumenten nicht glücklicher, die Entscheidung nicht effizienter.“. Auch konnte bereits nachgewiesen werden, dass „… für Menschen als soziale Wesen nicht nur die Höhe des Gewinns eine Rolle spielt, wie dies häufig in der traditionellen Volkswirtschaft angenommen wird.“
Wir sind gespannt was diese neue Fachrichtung für nachhaltige Einflüsse auf die Praxis haben wird. Lesen Sie dazu auch unseren Buchtipp Manfred Spitzer und Wulf Bertram´s „Hirnforschung für Neu(ro)gierige“
Das ökonomische Glück
10. Dezember 2009 von Georg Blum
Bruno Frey ist einer der Pioniere der ökonomischen Glücksforschung. Der Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Universität Zürich versucht zu verdeutlichen wie die Menschen ihre Zufriedenheit mit ihrem eigenen Leben erhöhen können.
Die Glücksökonomie – früher kaum ernst genommen – hat in den letzten Jahren einen enormen Siegeszug angetreten. So konnte beispielsweise nachgewiesen werden, dass Geld glücklich macht. Es wurde bewiesen dass Menschen mit einem höheren Einkommen im Durchschnitt auch eine höhere Lebenszufriedenheit aufweisen – im Gegensatz zu Personen mit einem niedrigeren Einkommen. Jedoch muss sogleich ergänzt werden, dass die Lebenszufriedenheit durch ein höheres Einkommen vor allem bei wirtschaftlich schlecht gestellten Personen steigt.
Bei mittleren Einkommen hingegen erhöht sich das Lebensglück durch eine Einkommenssteigerung kaum. Das Wichtigste – vor allem für Führungskräfte: Es kommt ein nicht zu unterschätzender Gewöhnungseffekt hinzu. Bereits nach recht kurzer Zeit betrachten die Individuen ihr erhöhtes Einkommen als mehr oder weniger selbstverständlich. D.h. die Lebenszufriedenheit nimmt unter ansonsten gleichen Lebensumständen im Laufe der Zeit wieder ab.
Eine weitere Erkenntnis war, dass wenn alle eine Einkommenssteigerung erfahren, der Einzelne keinen sonderlichen Anstieg seines Glücks und seiner Lebenszufriedenheit verzeichnet.
Für manchen von uns kaum vorstellbar: Aber als wichtigste wirtschaftliche Einflussgröße auf das Glück wurde die Arbeit identifiziert. Wobei arbeitslose Männer weitaus weniger zufrieden mit ihrem Leben sind, als arbeitslose Frauen. Diese finden durch den Rückzug in die Familie oft eine Tätigkeit, die die Arbeitslosigkeit für sie etwas erträglicher macht. Als ein weiterer Faktor für die Lebenszufriedenheit wurde das politische Mitwirkungsrecht der Menschen, also kurz die Demokratie, identifiziert. Dabei erhöht sich das menschliche Glücksgefühl besonders für Demokratien mit direkten Beteiligungsmöglichkeiten, wie z.B. bei den Volksabstimmungen in der Schweiz.
Und was lernen wir erneut daraus: Geld allein macht doch nicht glücklich!
Der gemächliche Siegeszug des Bargeldlosen
18. November 2009 von Georg Blum
Das Bargeld – bisher der Deutschen liebsten Zahlungsmittel – verabschiedet sich langsam. Nicht nur wegen der Krise. Ein Grund dafür ist, dass das bargeldlose Bezahlen immer bequemer wird. Der Deutsche wäre aber nicht der Deutsche, wenn er nicht extrem sicherheitsorientiert wäre. Nirgendwo in Europa raschelt und klimpert es so oft wie bei Bezahlvorgänge in unserem Land. Frei nach dem Motto: Nur Bares ist Wahres werden rund zwei Dritteln aller Käufe hierzulande bar bezahlt. Jedoch steigt der Anteil bargeldloser Einkäufe – zwar nur langsam – aber dafür stetig.
Neue Kreditkarten, neue Funktionen, das Bezahlen mit dem Handy, dem Fingerabdruck am Kiosk-Terminal im Supermarkt oder E-Mail-Rechnung sind für unseren geliebten Münzen und Scheinen furchtbare Kannibalen.
Mit neuen Kreditkarten bezahlt man ohne, dass man ein Lesegerät benötigt. Ein Schwenk an der Kasse vorbei reicht völlig aus. Im Londoner Nahverkehr „fahren“ die Kunden seit Jahren erfolgreich auf sie ab. Vorteile: Schnelligkeit und Sicherheit – viel sicherer als der Magnetstreifen.
Das Bezahlen mit Handy oder Fingerabdruck erspart die ewige Suche nach passenden Münzen, also Zeit. Einziges Manko: bisher kann man mit dem Handy nur Parktickets, Briefporto und probeweise Bahntickets bezahlen. Dagegen ist das Bezahlen mit dem Fingerabdruck bereits in 850 Supermärkte in Deutschland Realität. James Bond lässt grüßen.
Das Bezahlen per E-Mail-Rechnung eröffnet noch eine weitere Lösung für den bargeldlosen Zahlungsverkehr. Hier bekommen Kunden nach dem Kauf ihre Rechnung per E-Mail zur Ansicht zugeschickt. Sobald Sie auf diese Mail antworten, wird der entsprechende Betrag automatisch dem Girokonto belastet. Die Zeitersparnis ergibt sich aus dem Wegfall der bisher notwendigen Überweisung. So schlecht kann diese Lösung gar nicht sein, denn immerhin nutzen schon gut 300.000 Schweizer die E-Rechnungen.
Tja, nun. Schöne neue Welt. Ständig im Wandel. Oh du schnöder Mammon oder wie sagt man auch: Bar-Geld allein macht auch nicht glücklich, aber es erleichtert so manches ungemein.
Manager surfen 2 h täglich im Web – Ist das so?
14. November 2009 von Georg Blum
Eine jüngst in der FAZ (09.11.09) veröffentlichte Umfrage der Firma Virtual Identity beschreibt als wichtigstes Ergebnis: Manager surfen zwei Stunden im Netz, für die bessere Entscheidungsvorbereitung. Das sind bei einem 10 Stunden-Arbeitstag 20 % der Arbeitszeit.
Wir wissen nicht, bei welchem Friseur die Befragten auf dem Stuhl saßen, während die Umfrage durchgeführt wurde. Aber ein wenig bezweifeln wir das Ergebnis schon. Denn die Kernaufgaben der befragten Manager, welche aus mittelgroßen Unternehmen stammen, sind Kunden zu besuchen, in Meetings zu sitzen, Coaching und Jour-fixe abzuhalten und Entscheidungen zu treffen sowie diese zu verkünden. Von der Aufgabe Strategien zu entwickeln und umzusetzen, mal ganz abgesehen.
Fazit: Die Aussage „täglich 2 h im Web“ ist somit in die Kategorie „Ziele, Wünsche und Träume“ einzuordnen. Also hüllen wir besser den Mantel (des Schweigens) über diese Studie – den wir mit der zunehmenden Erderwärmung immer seltener benötigen.
En Garde und auf zur Diskussion, liebe Manager: Wie viel Stunden surfen Sie zur Entscheidungsvorbereitung im Netz? Videos anschauen, Blogs schreiben und Online spielen gilt nicht. J
Geld stinkt nicht – oder etwa doch?
13. September 2009 von Georg Blum
Was ist goldgelb, dick, rund und 38,5 kg schwer und lagert im Tresor einer Bank? In der Stuttgarter Zeitung lass ich letzthin mit Verzückung einen Bericht über ein außerordentlich erfolgreiches Bankmodel – nämlich das der Agrarbanken. Diese Geldinstitute in Norditalien beleihen seit über 40 Jahren über die Einlagerung von Parmesankäse ihren Käsereikunden Geld. So sind zum Beispiel bei der Credito Emiliano 440.000 Käselaibe á 38,5 Kilogramm gelagert. Diese, mit je 300 Euro bewerteten, Laibe ergeben somit einen Depot-Wert von 132 Mio. Euro! Natürlich wird der Käse nicht in Schließfächern, sondern ordnungsgemäß unter Einsatz eines professionellen Käsemeisters sowie moderner Klimatechnik eingelagert.
Die Banken arbeiten wie ein Pfandhaus. Sie nutzen die 24 Monate Reifezeit des Parmesan, um den Käsereien die Zeit zwischen dem Einkauf der Rohware und dem Verkauf des Käses zu finanzieren. Und sollte einmal ein Kunde seinen Kredit nicht bezahlen können, dann verkauft die Bank eben den ganzen Käse. Das kommt selten vor und Verluste hat sie damit bisher nicht gemacht.
Vielleicht greifen ja auch einige Banken in Deutschland dieses Geschäftsmodell auf . Und wir sehen also in Zukunft immer mehr Firmeninhaber mit einem 38.5 Kg-Trumm bei Ihrer Bank vorfahren. Obwohl wenn ich da an Harzer Roller oder überreifen Ziegenkäse denke, ist das keine so gute Idee.
Mein Tipp: Wenn Sie das nächste mal bei der Bank auf einen Empfang eingeladen werden, sofern das aktuell überhaupt vorkommt, prüfen Sie ob der Parmesan schon reif ist. Oder ob man Ihnen nicht einen frühreifen Börsen-Käse (oder schreibt man ihn Boursin) vorsetzen will.


