Der gemächliche Siegeszug des Bargeldlosen
18. November 2009 von Georg Blum
Das Bargeld – bisher der Deutschen liebsten Zahlungsmittel – verabschiedet sich langsam. Nicht nur wegen der Krise. Ein Grund dafür ist, dass das bargeldlose Bezahlen immer bequemer wird. Der Deutsche wäre aber nicht der Deutsche, wenn er nicht extrem sicherheitsorientiert wäre. Nirgendwo in Europa raschelt und klimpert es so oft wie bei Bezahlvorgänge in unserem Land. Frei nach dem Motto: Nur Bares ist Wahres werden rund zwei Dritteln aller Käufe hierzulande bar bezahlt. Jedoch steigt der Anteil bargeldloser Einkäufe – zwar nur langsam – aber dafür stetig.
Neue Kreditkarten, neue Funktionen, das Bezahlen mit dem Handy, dem Fingerabdruck am Kiosk-Terminal im Supermarkt oder E-Mail-Rechnung sind für unseren geliebten Münzen und Scheinen furchtbare Kannibalen.
Mit neuen Kreditkarten bezahlt man ohne, dass man ein Lesegerät benötigt. Ein Schwenk an der Kasse vorbei reicht völlig aus. Im Londoner Nahverkehr „fahren“ die Kunden seit Jahren erfolgreich auf sie ab. Vorteile: Schnelligkeit und Sicherheit – viel sicherer als der Magnetstreifen.
Das Bezahlen mit Handy oder Fingerabdruck erspart die ewige Suche nach passenden Münzen, also Zeit. Einziges Manko: bisher kann man mit dem Handy nur Parktickets, Briefporto und probeweise Bahntickets bezahlen. Dagegen ist das Bezahlen mit dem Fingerabdruck bereits in 850 Supermärkte in Deutschland Realität. James Bond lässt grüßen.
Das Bezahlen per E-Mail-Rechnung eröffnet noch eine weitere Lösung für den bargeldlosen Zahlungsverkehr. Hier bekommen Kunden nach dem Kauf ihre Rechnung per E-Mail zur Ansicht zugeschickt. Sobald Sie auf diese Mail antworten, wird der entsprechende Betrag automatisch dem Girokonto belastet. Die Zeitersparnis ergibt sich aus dem Wegfall der bisher notwendigen Überweisung. So schlecht kann diese Lösung gar nicht sein, denn immerhin nutzen schon gut 300.000 Schweizer die E-Rechnungen.
Tja, nun. Schöne neue Welt. Ständig im Wandel. Oh du schnöder Mammon oder wie sagt man auch: Bar-Geld allein macht auch nicht glücklich, aber es erleichtert so manches ungemein.
Manager surfen 2 h täglich im Web – Ist das so?
14. November 2009 von Georg Blum
Eine jüngst in der FAZ (09.11.09) veröffentlichte Umfrage der Firma Virtual Identity beschreibt als wichtigstes Ergebnis: Manager surfen zwei Stunden im Netz, für die bessere Entscheidungsvorbereitung. Das sind bei einem 10 Stunden-Arbeitstag 20 % der Arbeitszeit.
Wir wissen nicht, bei welchem Friseur die Befragten auf dem Stuhl saßen, während die Umfrage durchgeführt wurde. Aber ein wenig bezweifeln wir das Ergebnis schon. Denn die Kernaufgaben der befragten Manager, welche aus mittelgroßen Unternehmen stammen, sind Kunden zu besuchen, in Meetings zu sitzen, Coaching und Jour-fixe abzuhalten und Entscheidungen zu treffen sowie diese zu verkünden. Von der Aufgabe Strategien zu entwickeln und umzusetzen, mal ganz abgesehen.
Fazit: Die Aussage „täglich 2 h im Web“ ist somit in die Kategorie „Ziele, Wünsche und Träume“ einzuordnen. Also hüllen wir besser den Mantel (des Schweigens) über diese Studie – den wir mit der zunehmenden Erderwärmung immer seltener benötigen.
En Garde und auf zur Diskussion, liebe Manager: Wie viel Stunden surfen Sie zur Entscheidungsvorbereitung im Netz? Videos anschauen, Blogs schreiben und Online spielen gilt nicht. J
Geld stinkt nicht – oder etwa doch?
13. September 2009 von Georg Blum
Was ist goldgelb, dick, rund und 38,5 kg schwer und lagert im Tresor einer Bank? In der Stuttgarter Zeitung lass ich letzthin mit Verzückung einen Bericht über ein außerordentlich erfolgreiches Bankmodel – nämlich das der Agrarbanken. Diese Geldinstitute in Norditalien beleihen seit über 40 Jahren über die Einlagerung von Parmesankäse ihren Käsereikunden Geld. So sind zum Beispiel bei der Credito Emiliano 440.000 Käselaibe á 38,5 Kilogramm gelagert. Diese, mit je 300 Euro bewerteten, Laibe ergeben somit einen Depot-Wert von 132 Mio. Euro! Natürlich wird der Käse nicht in Schließfächern, sondern ordnungsgemäß unter Einsatz eines professionellen Käsemeisters sowie moderner Klimatechnik eingelagert.
Die Banken arbeiten wie ein Pfandhaus. Sie nutzen die 24 Monate Reifezeit des Parmesan, um den Käsereien die Zeit zwischen dem Einkauf der Rohware und dem Verkauf des Käses zu finanzieren. Und sollte einmal ein Kunde seinen Kredit nicht bezahlen können, dann verkauft die Bank eben den ganzen Käse. Das kommt selten vor und Verluste hat sie damit bisher nicht gemacht.
Vielleicht greifen ja auch einige Banken in Deutschland dieses Geschäftsmodell auf . Und wir sehen also in Zukunft immer mehr Firmeninhaber mit einem 38.5 Kg-Trumm bei Ihrer Bank vorfahren. Obwohl wenn ich da an Harzer Roller oder überreifen Ziegenkäse denke, ist das keine so gute Idee.
Mein Tipp: Wenn Sie das nächste mal bei der Bank auf einen Empfang eingeladen werden, sofern das aktuell überhaupt vorkommt, prüfen Sie ob der Parmesan schon reif ist. Oder ob man Ihnen nicht einen frühreifen Börsen-Käse (oder schreibt man ihn Boursin) vorsetzen will.
Was tun nach der Steueraffäre?
11. Februar 2009 von Georg Blum
Hallo Herr Zumwinkel,
schon Mitte 2007 haben wir Sie entdeckt, als Sie für Ihr Unternehmen mehr als nur der Vorstandsvorsitzende waren.
Schon jeher als Vorbild, haben Sie zu dieser Zeit fleißig unsere Briefe ausgetragen. (Und möglicherweise auch hineingespickelt, falls es Briefe an das Finanzamt waren.) Ein Schelm, der böses dabei denkt. Ja nichts anbrennen lassen. Nun gut. Sie haben Ihr Verfahren bekommen. Glück gehabt. Und bloß kein Neid.
Und sicher kommt es nun bei Ihren ehemaligen Mitarbeitern gut an, dass Sie Ihre Strafe auch gleich wieder abarbeiten. Da kann der Kollege und Steuerzahler nun wirklich nichts dagegen haben.
Sollten Sie mal bei uns Briefe austragen bzw. einwerfen, klingeln Sie kurz. Für einen Plausch und einen Kaffee ist immer Zeit.
Herzlichst Ihr langjähriger Kunde
PS: Übrigens, kann es sein, dass demnächst Ihr Freund Herr Mehdorn als Schaffner auftaucht?
Schmidt’s Schnauze: Visionen, Guerilla-Marketing und Kundenorientierung
07. Februar 2009 von Georg Blum
Am 23. 12. durfte Helmut Schmidt seinen 90. Geburtstag feiern. Die Bildzeitung veröffentlichte seine 90 besten Sprüche. 4 Biographien sind entstanden, sein eigenes Buch “Außer Dienst”. Ich denke, im Nachgang gilt es auch mal das Kleingedruckte über ihn herauszustellen.
Der vielleicht berühmteste und aktuellste Spruch von ihm ist: Wer Visionen hat, der sollte zum Arzt gehen. Was meinte er schon in den siebziger Jahren damit? Er hat sich immer als Realist bezeichnet. Weder Pessimist noch Optimist. Insofern sind Visionen für ihn Hirngespinste, die eher mit einer Bauernfängerei als mit … zu tun haben.
Heute können Sie auf fast jeder Webseite nachlesen, was die jeweilige “Mission” oder “Vision” des Unternehmens ist. Schmidt würde dazu nur genüßlich seine Zigarette anzünden. Denn oft ist das dort geschriebene nicht mal ein Zündholz wert.
Seine Vision war z.B. China wird das einzige kommunistisch regierte Land sein, welches den Spagat zwischen Marktwirtschaft und Sozialismus aushält.
Er vermutete schon vor 5 Jahren, dass die unregulierten Finanzmärkte in einem Kollaps enden würden. Das war seine realistische Vision.
Aber der Knaller war bei seinem ersten Wahlkampf für ein politisches Mandat, als er einen Familien-Film als Wahl-Werbung an die Häuserwände in seinem Hamburg Wahlkreis “geworfen” hat. Mit Erfolg. Heute würde man das Guerilla-Werbung nennen.
Letztendlich hat er schon vor vielen Jahren geklagt, dass Unternehmen sich nicht kundenorientiert verhalten würden. Auch hier hat er der Branche den Spiegel der “Zeit” vorgehalten.
Aber wie sagt er am Ende dieser Zeit-Werbung so schön: ” Jeder von uns muss noch ein bißchen was dazu lernen”. Recht hat er.

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