Pit-Stop steht vor einem radikalen Wandel

05. August 2010 von Georg Blum

Pit-Stop ist mit seinen 400 Filialen an das Familien-Unternehmen PV Automotive verkauft worden. Das wäre prinzipiell nichts Besonderes, weil Firmen täglich verkauft oder gekauft werden. Nur in diesem Fall ist dem geneigten Leser in der Notiz der FAZ letzte Woche etwas aufgefallen. Ziel des neuen Inhabers ist es, die bestehenden 400 Filialen mit 1.600 Beschäftigten (das sind nur 4 pro Filiale!) in inhabergeführte Unternehmen auf Franchise-Basis umzubauen. Zuerst sollen die Beschäftigten die Chance zum Lizenzerwerb bekommen, danach fremde Dritte.

Von mir als Freund des gepflegten Kundenbeziehungsmanagements und der Kundenorientierung wird dieses Vorhaben sicherlich mit Spannung beobachtet. Denn mit welchen naheliegenden Szenarien ist hier z.B. zu rechnen:

Szenario 1: Die Mitarbeiter fühlen sich von diesem Vorhaben bzw. der Aufgabe überfordert und werden das Unternehmen verlassen. Die bisherige Beziehung zu den Kunden wird abbrechen. Wird keine fremde Firma für die Übernahme gefunden, bedeutet dies früher oder später das aus der Filiale.

Szenario 2: Fremde Betriebe, die, über dieses Vorhaben wie ich in der Zeitung lesen, überlegen, ob sie sich nicht um diese Franchise-Lizenz bewerben und den Laden übernehmen. Dabei entstehen gleich viele neue Fragen. Kann eine kleine, freie Werkstatt eine solche Filiale managen? Ist das nicht eher etwas für Unternehmer, die mehrere Pit-Stop-Filialen auf einen Schlag übernehmen. Etc.

Szenario 3: Die besten Filialen werden von Ihren bisherigen Mitarbeitern übernommen und das Ziel des neuen Inhabers wird – sicher nur teilweise, siehe Szenario 1 – erreicht bzw. die Strategie aufgehen. Und er muss sich mit sehr unterschiedlichen Partnern auseinandersetzen.

Nur was bedeuten diese oder auch mögliche, weitere Szenarien für die Pit-Stop-Kunden? Immerhin waren es 2009 über 1 Mio. Ist die Beziehung eines Pit-Stop-Filialteams zu seinen Kunden überhaupt vorhanden? Wenn ja: Wie fest ist diese Beziehung? Und vor allem: Läßt sich der Kunde über diese Phase „ständig wechselnde Ansprechpartner“ als treuer Kunde halten oder wird er sich zu anderen Werkstätten aufmachen?

Fazit: Kann Pit-Stop sein Motto „Viel Gespür für Ihr Auto“ auch als Motto „Viel Gespür für unsere Kunden“ leben?

Eine Strategie, mit spannendem Ausgang: Was meinen Sie?

In Stuttgart herrscht Ab- und Aufbruchsstimmung. Erstens, Mercedes hat inzwischen wieder so viel Geld verdient, dass die Firma locker die Abwrackprämie wieder zurückzahlen könnte. Zweitens, das alte Mercedes-Stern-Logo wurde wieder reaktiviert. Drittens, der neue Mercedes-Slogan: „Das Beste oder nichts“ ist inzwischen fast so geflügelt in schwäbischen Mündern wie „Wir können alles außer Hochdeutsch“. Nur die Bahn und das Land trüben diese Aufbruchsstimmung mit dem Ab-Bruch vom Bahnhof für Stuttgart 21. Aber das aktuelle i-Dipfele ist das neue Logo der Region Stuttgart.

Seit einer Woche beherrscht es die Kommentar-, Klatsch- und Feuilleton-Spalten der Stuttgarter Zeitung. Spontan muss ich an Eis und das Logo von Langnese denken. Ein wenig Schleyer-Halle, etwas Farben der Staatsgalerie und „a bissle“ von einem Stern. Oder ist es eher eine(m) Schnuppe, was hier präsentiert wird?

Ach Sie wissen – außer Langnese – nicht, was ich meine? Macht nichts, dann sind Sie vermutlich nicht aus der Region Stuttgart. Das Logo ist ja auch nicht für die Bürger und Bürgerinnen aus der Region gemacht worden. Es wurde für die Darstellung der Region Stuttgart außerhalb der Region entworfen.

Was mich an der ganzen Logo-Diskussion ärgert ist, dass sich nun wieder – zu Recht oder Unrecht  - sich jeder aufschwingt National-Werbe-Trainer oder besser gesagt, National Art Director (NAD) zu sein. Ein Satz im Kommentar der Stuttgarter Zeitung hat mich besonders geärgert. Sinngemäß lautet dieser: „Man hätte doch mal ein paar Passanten oder Hausfrauen das Logo zeigen sollen, dann hätte man gemerkt, dass es nicht ankommt.“

Wenn das jeder Werbeverantwortliche machen würde? Wo kämen wir dahin? Für die wichtigste strategische Entscheidung der nächsten 50 Jahre einfach die Putzfrau bzw. den Putzmann oder die Hausfrau bzw. den Hausmann (auch eine wachsende Zielgruppe) befragen. Das geht doch nicht. Woher soll dieser Personenkreis wissen, worauf es ankommt? Achso, Putzfrau und Hausmann hatten auch schon in der Werbeagentur gearbeitet. OK.

Wie werden normalerweise solche Entscheidungen getroffen? (K)ein gutes Beispiel: Ein ehemaliger Chef verabschiedete sich mal abends mit den Worten: „Herr Blum, geben Sie mir mal die neuesten Entwürfe der Werbekampagne mit, ich will Sie meiner Frau zeigen.“ Das ist jetzt absolut nicht frauenfeindlich gemeint, denn er hätte ja auch seinen Mann fragen können. Oh, aber gut, jetzt, langsam, den Faden wieder aufnehmen …

Wie sagten doch ein paar Passanten auf der Straße von der Stuttgarter Zeitung nach Ihrer Meinung zum neuen Logo befragt: „… sieht aus wie ein Torpedo im Anflug“, „… das zeigt bestimmt eine Insel“. Und das beste Statement „…das schreckt mich nicht ab“! Klasse! Ziel erreicht. Also „nicht abschrecken“, somit können doch alle mit dieser „repräsentativen“ Umfrage leben. Wenn dieses Logo – positiv formuliert – „anzieht“, dann kann man doch damit leben.

Aber jetzt noch etwas Klartext: Wenn ein Ergebnis einer Agentur nicht gefällt, dann liegt das oft auch am Briefing – oder übersetzt – an den Zielvorgaben des Auftraggebers. Wie sahen die ersten Vorschläge aus und was ist bei der Diskussion daraus geworden? Nimmt man besser eine Agentur aus der Region, die die regionalen Eigenheiten besser kennt oder eine (wie hier aus Berlin) aus der Fremde, die ohne Tunnelblick sich der Sache nähert. Keine einfache Entscheidung.

Ein banales Gesetz aus der Werbeagenturszene lautet: Der Wurm muss dem Angler schmecken und nicht dem Fisch. Oder war es umgekehrt, der Wurm dem Fisch? Also hat jemand die Zielgruppe gefragt? Wir wissen es nicht. Also worüber war die Aufregung noch einmal? „Insel, Stern, Schnuppe.“ Alle reden mit als „NAD – National Art Director.“ NAD, das klingt wie MAD. Oder besser „in English“ mad. Das geht so nicht. Was? Ach das Logo. Na logo. Fazit: BILD Dir Deine Meinung oder wie der schwäbische Philosoph sagen würde: Herr, schmeiß Hirn ra!

Das Beste oder nichts

27. Juni 2010 von Georg Blum

Der neue Mercedes-Slogan: “Das Beste oder nichts” schwirrt seit neuestem durch die Lande. Und viele Blogger oder gefühlte National-Werbe-Mannschafts-Trainer haben sofort eine Meinung dazu.

Damit Sie mitdiskutieren können, hier die Begründung von der Quelle: http://blog.daimler.de

Zitatanfang: „Das Beste oder nichts“ – dieser Leitspruch, den unser Gründer Gottlieb Daimler der Marke in die Wiege gelegt hat – ist der Anspruch an uns selbst. Er bestimmt nach wie vor das Denken und Handeln jedes Einzelnen von uns und ist tief im Bewusstsein aller Kolleginnen und Kollegen verwurzelt. Darauf sind wir stolz und daher gilt umso mehr: Sollten wir diesem Anspruch einmal – aus welchen Gründen auch immer – nicht genügen, ist es unser Ansporn, daraus zu lernen und das Versprechen, das der Stern symbolisiert, in Zukunft wieder einzulösen. Zitatende

Fragen Sie mal den Taxifahrer in Berlin, München, Bochum oder Catrop-Rauxel, was er von Mercedes hält. Die Kommentare der Vielfahrer sind eher ” … dann lieber eine Dacia oder einen Citroen”. Da weiß man, dass man genauso oft in der Werkstatt ist, aber deutlich weniger bezahlt. Vielleicht hat sich Mercedes deshalb diese Mission auf die im Sommerwind wehenden Fahnen geschrieben.

Am schönsten ist die Kurzsequenz im Spot, als die  Haushälterin in perfektem Schwäbisch sagt:
“Herr Daimler, Sie schaffet zviel.” Seine Antwort: “Moinat ‘se. Ich will einfach nur das Beschte. Das Beschte oder nichts.”

Jetzt kann man von diesem Slogan keine Wunder erwarten. Aber wenn die Führung des Unternehmens es ernst meint, dann steht in zwei oder drei Jahren in der ADAC-Pannenstatistik Mercedes nur noch auf den besten Plätzen.

Wird dieser Slogan in drei Jahren wieder abglöst (wie vor kurzem endlich wieder das dreidimensionale Logo eingeführt wurde) dann stellt sich jetzt schon die Frage warum. Die Kommunikationsstrategen von Daimler können sich jetzt schon die Antwort ausdenken, oder handeln nach dem Motto Adenauers: Was kümmert mich mein Geschwätz von vorgestern.

Oder man hätte besser Oliver Kahn einstellen sollen. Der sagt für die DWS: Wer will schon für die zweitbeste Fondgesellschaft werben/arbeiten? Nur das Beste oder eben nichts.

Hier zum Spot(t)

Literaturtipp für Erstrundenausscheider

18. Juni 2010 von Ralf Roßkopf

Dieter Lange: Sieger erkennt man am Start – Verlierer auch

Ein völlig neuer Ansatz in der Persönlichkeitsentwicklung. Wir scheitern nicht an der Realität, sondern an unseren subjektiven Wahrnehmungen, verhärteten Vorurteilen und überzogenen Erwartungen. Dabei entscheidet vor allem die richtige Perspektive über Erfolg und Misserfolg: Sieger erkennt man bereits am Start, behauptet der Toptrainer und Psychologe Dieter Lange und rät: Wer ein Problem lösen will, muss sich erst einmal von dem Problem lösen.

Wie das geht? Provokant, kurzweilig und voll verblüffender Einsichten weist Dieter Lange den Weg zu einer neuen, offenen Einstellung und zeigt, wie wir unseren Horizont systematisch um neue Sichtweisen erweitern.

Dieter Lange ist ein weltweit angesehener Toptrainer und Coach

Er zählt zu jenen seltenen Top-Führungskräfte-Trainern, von denen entscheidende Impulse für Veränderungen in Unternehmen ausgehen.

Seine brillante Rhetorik, bewegende Sprachbilder und Metaphern machen seine Auftritte zu einzigartigen Erlebnissen in freier Rede. Für mich das Highlight des Stuttgarter Wissensforums 2009. Dieter Lange lehrt u. a. als Gastdozent an der Harvard Business School und an der Universität St. Gallen.

Dieter Lange: Sieger erkennt man am Start – Verlierer auch.
1. Auflage 2010, Econ Verlag, 233 Seiten, gebunden
ISBN 978-3-430-20088-2

Alles eine Frage der Fügung, ah Führung

08. Juni 2010 von Georg Blum

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

ich wende mich heute an Sie mit einer Frage, die mich schon seit Monaten beschäftigt:
Wartet unsere Kanzlerin auf eine glückliche Fügung?

Denn ich möchte Ihnen in aller Deutlichkeit sagen, was zurzeit abläuft, ist mit dem Wort Führung nur eingeschränkt umschrieben.
Die Gegenspieler

Beispiel: Die geplante Gesundheitsreform

Da steht im Koalitionsvertrag von allen drei Parteien vereinbart, dass man sich geeinigt hat, in dieser Legislaturperiode eine Gesundheitsreform durchzusetzen. Gut. Das hören wir schon seit Jahren. Aber was hat das mit Fügung und Führung zu tun?

Seit Monaten sagt die FDP, eine Gesundheitsreform wird über eine Kopfpauschale stattfinden. Und es gibt Mitspieler in der Regierungsmannschaft, oder besser Verteidiger (CSU), die schon seit Monaten Gegner der Kopfpauschale sind. OK. Nur warum haben die dann beide den Koalitionsvertrag unterschrieben?
Es gibt einen Gesundheitsminister (Rösler), der seit Monaten weiß, dass die CDU schon Pickel bekommt, wenn man das Wort „Kopf“ nur in den Mund nimmt. Ganz auszusprechen wagt man dieses „Un-Wort“ in der Nähe eines CSU-Granden sowieso nicht. Dies könnte Vulkan- oder Lama-artige Auswürfe zur Folge haben. Und wir wollen ja nicht schon wieder den Luftverkehr behindert sehen.

Zwischen-Fazit: Die Kontrahenten und ihre Allgemeinplätze sind seit langem klar „spür-, sicht-, les-, fühl- und hörbar“ abgesteckt. Warum lässt Frau Merkel dann zu, dass Herr Rösler letzte Woche einen Vorschlag unterbreitet, der von vornherein zum Widerspruch führt?

Wartet Sie auf eine Fügung, dass einer der beiden Kontrahenten klein beigibt? Die „Schafskopferten granteln“ so laut wie ein bayrischer Löwe. Der „liebe Philip“ biegt sich wie ein Bambus im Wind. Aber von klarer Führung ist hier nichts zu erkennen.

Fazit: Lassen Sie in Ihrer Firma ein wichtiges, beinahe überlebenswichtiges, Konzept entwickeln, wenn Sie von vornherein wissen, dass es sich in den Grundsätzen nicht durchsetzen lässt? Reden die in Berlin noch miteinander?

Scheinbar nicht. Und das ist das Problem. Führung hat etwas mit Kommunikation zu tun. Nicht mit Fügung.

PS: Alle drei auf einem Bild? Unmöglich. :-)