Opel und Issues Management
18. März 2009 von Jochen Mayer
Nein ich will nicht auch noch oben drauf hauen. Die Situation ist nicht lustig. Dennoch, ich wundere mich: Im Radio und Fernsehen laufen derzeit Werbespots von Opel, als ob in Rüsselsheim die Sonne scheint. Die Werbespots laufen typischerweise ein paar Minuten vor den Nachrichten. In den Nachrichten hören wir dann gleich
nochmal von Opel. Aber nicht über den Geheimagentenreport vom Insignia Project und auch nicht über die Auszeichnung als beste deutsche Automarke. Sondern über Rettungsversuche und mögliche Insolvenz. Auf der Opel Website finden wir unter „Opel Aktuell” nur Rosamunde Pilcher Informationen. Unter „Pressestimmen” wird dort ein Insignia-Testbericht der Zeitschrift AUTO mit dem Prädikat „Morgendämmerung” etikettiert. Ist das ein Fall von “mit gespaltener Zunge sprechen” oder einfach Ignoranz der Wirklichkeit?
Wäre ich ein potenzieller Opel Kunde oder ein treuer Opel Fan, der in Betracht zieht, seinen Lieblingsautobauer durch einen eventuell sogar vorgezogenen Neuwagenkauf zu unterstützen, würde ich da nicht gerne vertrauensbildendere Unternehmensinformationen erhalten? Und zwar ganz speziell für den Fall der Insolvenz, der meine Garantie, den Service und den Wiederverkauf meines neuen Wagens maßgeblich beeinflusst:
Im Falle einer Opel Insolvenz übernehmen VW Werkstätten Inspektion und Reparatur.
Audi garantiert Versorgung mit Opel Ersatzteilen bis 2019.
BMW übernimmt Opel Händlernetz.
Porsche übernimmt Garantieansprüche der Opel Kunden.
ADAC und Schwacke prognostizieren steigenden Gebrauchtwagenwert von Opel Fahrzeugen.
Warum glaubt man bei Opel, dass diese Fragen nicht kaufentscheidend sind? Oder weiß man das gar, doch die Leiter der Ressorts Marketing, Öffentlichkeitsarbeit und Vertrieb beschäftigen sich mit sich selbst? Oder fehlt es an einem Issues Management, also einem Krisenplan der Unternehmenskommunikation, den man sich vorzugsweise in guten Zeiten ausdenkt? Sind die sonst so allgegenwärtigen „nachhaltig-und-authentisch” Prediger gerade im Urlaub? Oder Skat spielen, mit den „Partnern” vom Vertrieb? Vielleicht hören und schauen sie auch einfach keine Nachrichten während der Arbeitszeit, wo man doch schon für geklauten Brotaufstrich oder Märkchen für 1,30 Euro gekündigt werden kann.
Und für alle Corporate Social Responsibility Verantwortlichen gäbe es jetzt doch nichts Befriedigenderes als:
Toyota übernimmt die gesamte Opel Belegschaft und das Kunstsponsoring von Rüsselsheim.
Entdecke Opel.
Warum Banken im Moment keinen Kredit vergeben?
26. Februar 2009 von Georg Blum
Die Antwort ist ganz einfach: Wer keinen Kredit mehr hat, der kann auch keinen Kredit vergeben. HAHAHA, Witz ist, wenn man trotzdem lacht. Oder, wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen.
Nicht alle Banken sind schlecht bzw. die Mitarbeiter handeln schlecht. Aber trotzdem möchte ich auffordern zum Nach- oder Umdenken.

Als ich in letzter Zeit häufig lesen und hören mußte, dass Banken nur selten, und dann auch noch mit höheren Auflagen und Preisen, Kredite vergeben, da dachte ich mir:
Warum leiht man sich sein Geld nicht bei anderen Unternehmen oder dem reichen deutschen Sparer?
Warum steigen nicht andere Firmen in das Bankgeschäft ein?
Letztendlich die alternative Lösung ist: Die Vergabe von Firmenanleihen.
Sie definieren die Bedingungen. Sie fragen bei derjenigen Zielgruppe nach Kredit, die Ihnen – vermutlich wohlgesonnen – ist. Sie entscheiden, wer Ihnen das Geld gibt.
Wie lautet ein amerikanisches Sprichwort so schön: Don’t compete, change the rules. Also drehen Sie den Spieß um. Tut nicht weh, bringt aber mehr. Krise = Chance
oder zumindest einen Versuch wert.
Was tun nach der Steueraffäre?
11. Februar 2009 von Georg Blum
Hallo Herr Zumwinkel,
schon Mitte 2007 haben wir Sie entdeckt, als Sie für Ihr Unternehmen mehr als nur der Vorstandsvorsitzende waren.
Schon jeher als Vorbild, haben Sie zu dieser Zeit fleißig unsere Briefe ausgetragen. (Und möglicherweise auch hineingespickelt, falls es Briefe an das Finanzamt waren.) Ein Schelm, der böses dabei denkt. Ja nichts anbrennen lassen. Nun gut. Sie haben Ihr Verfahren bekommen. Glück gehabt. Und bloß kein Neid.
Und sicher kommt es nun bei Ihren ehemaligen Mitarbeitern gut an, dass Sie Ihre Strafe auch gleich wieder abarbeiten. Da kann der Kollege und Steuerzahler nun wirklich nichts dagegen haben.
Sollten Sie mal bei uns Briefe austragen bzw. einwerfen, klingeln Sie kurz. Für einen Plausch und einen Kaffee ist immer Zeit.
Herzlichst Ihr langjähriger Kunde
PS: Übrigens, kann es sein, dass demnächst Ihr Freund Herr Mehdorn als Schaffner auftaucht?
(Winterzeit+Baumschneide-Zeit) = Strategiezeit: So what?
18. Dezember 2008 von Georg Blum
Liebe Leserinnen und Leser dieses Blogs, am Jahresende noch etwas Philosophie.
Sie werden sich wahrscheinlich fragen, was diese Gleichung bedeutet. Ganz einfach: Im späten Winter oder im “frühen” Frühjahr (es hängt von den Bäumen oder Sträuchern ab) ist die beste Zeit für das Baumschneiden. Warum? Weil die Wunde am schnellsten verheilt!
“Komm’ endlich auf den Punkt!” denken Sie wahrscheinlich. OK.
Viele Firmen sind z.B. in den letzten 2 Jahren gewachsen (so wie auch die Bäume). Manche stärker, manche schwächer. Die einen Firmen sind eher wie Birken (schnelles Wachstum, dünner Stamm), die anderen wie Eichen (langsames, aber breites, stabiles Wachstum). Aber Sie können auch Obstbäume nehmen. Denn Obstbäume tragen auch noch Früchte. Und so wie der schlaue Landwirt im Herbst seine “Ernte einfährt”. So haben in den letzten Jahren die Firmen, die erfolgreich waren, auch „ihre Früchte vom Baum gepflückt“.
Nur was passiert in einer Firma genauso wie bei den Obstbäumen in der Natur? Und jetzt komme ich auf den Punkt:
Das Wachstum bringt nicht nur gute, sondern auch schlechte Triebe (Prozesse). Nicht jeder Ast (Entwicklung) trägt Früchte. Geschweige denn, ist er (sie) für das weitere Wachstum im nächsten Jahr strategisch sinnvoll. Was passiert jetzt in der Natur mit diesen schlechten Trieben? Sie werden beim jährlichen Baumschneiden weg- oder ausgeschnitten. So dass die Ernte im nächsten Jahr wieder eine gute Qualität besitzt, die Menge sogar etwas zunimmt. Weil das Wachstum in geordneten Bahnen abgelaufen ist.
Und genau dieses Bild sollten sich Führungskräfte JÄHRLICH vor Augen halten. Der Winter ist in der Natur zum einen die Jahreszeit, dass man nach der Erntezeit seine “Ertragsbringer” ruhen und erholen lässt. Zum anderen ist das Ausschneiden wichtig, damit man wieder “Luft oder Raum” für das weitere Wachstum bekommt. Folglich sollten wir uns alle im Winter (also JETZT) Gedanken machen: Welche schlechten Triebe sind bei unserem “Unternehmensbaum” entstanden? Welche sollte leicht ausgeschnitten, andere abgeschnitten werden? Sprich “welche Prozesse oder Entwicklungen sollten gestoppt oder korrigiert werden?” Wer das regelmäßig macht, der wird an seinem Unternehmensbaum lange und viel Freude (oder auch Ertrag) haben.
Die Moral von der Geschicht’: Vergiss’ das Baum schneiden nicht!
Also, wenn Sie das nächste Mal in einen Apfel beißen, dann denken Sie nicht nur an das Paradies, die Schlange, die Versuchung oder den Wurm, sondern auch an das Baumschneiden. Schöne und erholsame Feiertage und einen guten Rutsch in ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2009.
Think positiv!
Recruiting: Wie heuert man Vertriebshelden an?
31. Mai 2008 von Jochen Mayer
Sie möchten Ihr Vertriebsteam erweitern? Das ist sehr einfach, denken Sie auf keinen Fall zuviel darüber nach, sodern handeln Sie unüberlegt intuitiv! Beginnen Sie unbedingt damit Ihren besten Vertriebsmitarbeiter zum Vertriebsleiter zu machen. Wenn Sie selber Vetriebsleiter sind, achten Sie darauf sich selbst zum “Director Global Sales” zu ernennen. Am Besten vorher. Das ist ein kluger Schachzug: Unterm Strich haben Sie dadurch mehr hochkarätige Steuermänner und weniger schwerfällige Ruderer im Boot. Nehmen Sie sich ein Beispiel am olympischen Achter, dort wird ein Optimum erreicht, wenn 7 Steuermänner einen Ruderer anbrüllen führen.
Nach dieser feinen Adaption des Organigramms ist dann auch Platz für mehr Vertiebsmitarbeiter in den Bewährungsrängen. Am besten, Sie stellen Kandidaten ein, die atemberaubende Kundenkontakte mitbringen. Prüfen Sie also die Bewerber sorgfältig darauf, ob Sie die Namen der Dax 100 Unternehmen und ihrer wichtigsten Entscheider auswendig persönlich kennen. Falls Sie dabei selbst unsicher sind, legen Sie sich zu den Bewerberinterviews die gängigsten Wirtschaftsmagazine zum Kontrollnachschlagen bereit.
Die besten Bewerber bekommen Sie natürlich, wenn Sie sie in Ihren verständlichen Gehaltsforderungen ordentlich runterhandeln, Sie als Senior Manager sollten schon den Ehrgeiz haben auch die ausgekochtesten Vertriebsschlitzohren noch ein bisschen über den Tisch zu ziehen. Und als Firmenwagen tuts auch noch der 6 Jahre alte A4 Kombi des Vorgängers – und Windows 95 soll eines der stabilsten Laptop-Betriebssysteme sein.
Im Übrigen ist es sehr wahrscheinlich, dass sich ein Bewerber, der sich als außerordentlich erfolgreiche Vertriebsgranate vorstellt, seinen Erfolgsjob aufgibt, um genau in Ihrer Super-Firma mal einfach nochmal Aufbauarbeit an der Unterkante variabler Gehaltsanteile zu leisten.

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