Sparbuch war gestern und die Bankberater sind schon lange weg
10. November 2010 von Georg Blum
Interaktive Schaufenster, Präsentationsbildschirme, Geldautomaten, die die Kunden an der Pupille oder am Fingerabdruck identifizieren und fehlende Bankberater – das sind die Möglichkeiten, die die Bankfiliale der Zukunft tatsächlich ausschöpfen könnte.
Manch einem wird „Angst und Bange“, wenn der vertraute Bankberater plötzlich durch ein Hightech-Bildschirm ersetzt wird. Accenture, eine Unternehmensberatung, hat in einem französischen Technologiepark die Bankfiliale der Zukunft installiert.
Die Filiale der Zukunft sieht also wie folgt aus: Es gibt einen Automatenbereich, einen Begrüßungsbereich mit zahlreichen Bildschirmen zu Angeboten sowie interaktiven Bildschirmen mit direkter Verbindungsmöglichkeit zu einem Berater. Es gibt – man höre und staune – doch noch Bankberater, die allerdings nur standardisierte Dienstleistungen anbieten und es gibt auch einen Beratungsbereich, wobei dieser keine vertrauensvolle Atmosphäre aufkommen lässt. Der Grund dafür ist, dass an dem sternenförmigen Tisch mehrere Berater arbeiten, die von ihren Kollegen nur durch Vorhänge getrennt sind.
Dem Handy kommt in diesem Ensemble eine Schlüsselfunktion zu. So können z.B. digitale Broschüren auf das Handy herunter geladen oder der Zahlungsverkehr darüber abgewickelt werden.
Doch einige Probleme scheint es doch noch zu geben. Werden sich die Kunden tatsächlich auf den interaktiven Schaufenstern auf der Straße über Anlagethemen informieren? Wird ein Bankkunde wirklich ein Gespräch mit einem – nur auf einem großflächigen Bildschirm präsenten – Anlageberater führen und das in aller Öffentlichkeit?
Alles in allem kann man feststellen, dass das verloren gegangene Vertrauen der Kunden nach der Finanzkrise sicher nicht mit einem Szenario, welches stark an George Orwells „1984“ erinnert, zurück gewonnen werden kann.
Spannend hierzu sind auch die Tests der Deutschen Bank. In verschiedenen Standorten u.a. Berlin Friedrichstrasse im Q 110 bekommt man einen ganz neuen Eindruck einer Bankfiliale. Vom Bistro über einen Lese- und Sitzbereich bis zum Lifestyle-Shopping. All dies wird neben den klassischen Bankdienstleistungen in einer völlig neuen Atmosphäre angeboten. Interessant ist zu beobachten wie Personen darauf reagieren.
Es wird nicht allen gefallen. Aber das ist auch nicht das Ziel. Nicht allen alles eben!
Der etwas andere Dialog
15. Oktober 2010 von Georg Blum
Kennen Sie die Situation: Sie kommen Montagmorgens ins Büro und werden vom freundlichen Pförtner mit einem „Schalömchen“ begrüßt. Sie sagen „Guten Morgen“ und denken, was ist heute los. Sie betreten den Aufzug, ein lieber Kollege – aus der Tiefgarage kommend, lallt Ihnen aus seiner Kauleiste entgegen: „Einfach noch zu früh heute, Schätzchen. Ein Königreich für ein Käffchen“.
Mit dem ersten geöffneten Mail, welches Sie erst einmal mit „Hallöchen“ begrüßt, fragen Sie sich, welche Drogen haben die lieben Kollegen heute schon alle genommen. Sie lesen weiter und der Kollege schreibt Ihnen klar und deutlich auf Ihre dringende Anfrage von Freitag: „Gaaanz langsam, in der Ruhe liegt die Kraft. Zuerst setzen wir uns zusammen, besprechen das alles noch einmal in Ruhe und dann nimmt „das Ganze seinen sozialistischen Gang““.
Der Chef streckt kurz seinen Kopf in Ihr Büro und blöckt Sie an: „Wo bleiben die Unterlagen? Machen Sie mal hinne. Darf ich bitten. Zicki-Zacki, Flocki, Flocki.“ Spätestens jetzt brodelt in Ihnen die Einsicht: OK, das Spiel spiele ich mit. Sie bellen dem Chef entgegen. „Ich weiß von nichts! Mein Name ist Hase“. Der Chef knurrt zurück: „Aha, bei Ihnen ist Montag der Schontag. Ich sage Ihnen nur eins „First things First“. Ich forwarde Ihnen kurz ein Mail, dann können Sie sofort loslegen. Um 10 Uhr muß ich beim Boss die Hosen runterlassen.“ Sie denken nur: Was ist schlimmer? Runtergelassene Hosen oder keine Analyse?
Um die neue Aufgabe „ad hoc oder asap“ zu erledigen, holen Sie sich Hilfe beim netten Kollegen im Büro gegenüber. Der klammert sich an sein Käffchen mit beiden Händen fest und wärmt seinen übermüdeten Körper an dem Plastikbecher. Schon bei Ihrem Eintreten flüstert er Ihnen ein „Gemach Gemach“ entgegen. Sie versuchen ihn zur Mitarbeit zu begeistern. Seine Antwort: „Oh, Du, ich helfe Dir gerne. Das Unmögliche hätte ich Dir sofort erledigt. Aber Wunder dauern immer etwas länger. Weißt Du doch!“ Wie aus der Pistole geschossen und aus den Augen funkelnd antworten Sie motivierend: „Auf, komm, Du weißt doch, das Leben ist kein Ponyhof.“ Seine Antwort: „Was springt für mich als WIN-WIN-Situation heraus? Was Lacostet die Welt? Komm Geld spielt bei Dir doch keine Rolex.“
Und so geht der Tag weiter. Mal dringt „Nicht Motzen, sondern Klotzen“ an ihr Ohr. Eine alternativ wäre „Du ich bin hier auf der Arbeit, nicht auf der Flucht. Spätestens beim Mittagessen und einem mehrfach gepfefferten „Mahlzeit“ ballen Sie innerlich die Hand zur Faust. Noch ein solcher Kommentar und …
An ihrem Tisch erzählt der Kollege aus der anderen Filiale, dass sein Projekt langsam den Höhepunkt erreicht. Fazit: „Stimmung ist Bombe, aber molto stresso!“. Was auch immer er damit meint. So langsam auf dieser Gedanken-Ebene angekommen, denken Sie sich „bei mir ist alles Rodger in Kambodscha” oder “ist doch Chaos in Laos“?
Das sind doch alles Sprüche für die große Ablage oder wie der Kollege sagen würde „Ablage P“. Gut, dass Sie nur eine Halbtags-Job haben, sonst würde eh alles nur „suboptimal“ laufen. Nach Beendigung Ihrer Aufgaben fahren Sie mit dem Aufzug in das Erdgeschoss und der freundliche Pförtner ruft Ihnen noch salopp ein „Tschüssikowski“ nach. Sie denken sich: Du mich auch. Ein schöner Tag war das wieder. Und so motivierend. Ich fühle mich einfach wohl. Jetzt fehlt nur noch die Mutter aller Partner-Fragen, die am Abend beim gemeinsamen Fernsehen ganz zufällig und überraschend kommt: Wie war Dein Tag Schatz?
Die Zitate und Sprüche sind u.a. aus einem Artikel aus der FAZ vom 14.08.2010. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind rein zufällig und überhaupt nicht beabsichtigt.
Social Media + E-Commerce = Social Commerce
24. September 2010 von Georg Blum
… diesem Thema widmet sich Paul Marsden, Social Media Strategist der Syzygy Group in seinem neuesten Whitepaper “Social Commerce”. Das Whitepaper liefert einen Überblick über Firmen, die bereits Social Commerce erfolgreich betreiben. Zusätzlich beschreibt Marsden die, seiner Meinung nach zu diesem Gebiet gehörenden, sechs Social-Commerce-Bereiche und unterlegt diese mit anschaulichen Beispielen. Die sechs Bereiche gliedern sich wie folgt:
1. Social Shopping: Menschen kaufen gemeinsam ein, entweder indem sie innerhalb eines E-Commerce-Angebotes miteinander chatten oder indem sie innerhalb eines sozialen Netzwerkes kaufen.
2. Produktbewertungen: Bewertungen sind für jeden einsehbar, weil diese öffentlich zugänglich sind und inzwischen teilweise über 50 % der User sich davon leiten lassen.
3. Produktempfehlungen: Empfehlungen haben zwar eher einen privaten Charakter. Sie sind dafür umso stärker in der Wirkung.
4. Foren und Communitys: Zu diesem Bereich zählt der Autor Retail-Blogs, Kunden-Communitys, die mit einer E-Commerce-Seite verbunden sind oder Frage- und Antwort-Foren. So kann der Dialog zwischen Anbieter und Unternehmen transparent geführt werden.
5. Social Media Optimization: Hierbei handelt es sich um ein Set aus verschiedenen Werkzeugen mit denen Besucher zu einem Webshop geführt werden, wie z.B. Newsfeeds auf Twitter, Profilseiten auf Facebook und/oder der Einsatz von Seedingstrategien zur Verkaufssteigerung. Wir nennen dies, die komplette und sinnvolle Vernetzung der Social-Media-Maßnahmen. So bekommt das Wort „Net“ einen Sinn. Der Sucher „verfängt“ sich im Netz.
6. Social Ads und Apps: Diese zu bezahlenden Display-Anzeigen in sozialen Netzwerken werden meist in Verbindung mit einer Interaktionsmöglichkeit angeboten.
In den weiteren Kapiteln des Whitepapers widmet sich Marsden ausführlicher zwei Strategien – Social Commerce aus der Anbietersicht und Social Commerce aus der Usersicht sowie der Erfolgsmessung.
Das Whitepaper ist unter www.facebook.com/syzygygroup für eine Schutzgebühr von 10 Euro erhältlich.
Unser Fazit: Die eigene Webseite wird immer weniger wichtig – nur noch Erfüllungsgehilfe. Das „soziale Drumherum“ ist die Zukunft!
Rund um die Häuserblocks setzen Modeblogger Trends
09. September 2010 von Georg Blum
Vor ein paar Jahren veröffentlichte das „New York Times Magazine“ eine Liste der „Top 100 einflussreichsten Menschen der Modeindustrie“, und in mitten all der millionenschweren Unternehmen, wie Manolo Blahnik und Nike, tummelte sich ein gewisser Scott Schumann. Der New Yorker ist Blogger. Modeblogger.
Eine simple Idee, die vor rund 5 Jahren eine Kettenreaktion auslöste. Mittlerweile gibt es hunderte solcher Modeblogger, wobei Schuman mit mehreren Millionen Klicks täglich unangefochten der Erfolgreichste ist.
Schuman ist in New York, Paris oder Mailand unterwegs und lichtet die Society-Lady im quietsch gelben Mantel ab, wie auch den Geschäftsmann der sein Designersakko mit Shorts kombiniert und stellt dies in seinem Blogg ein. 
Etwa 300 Kommentare bekommt der Blogger pro Foto und entfacht damit einen regen Meinungsaustausch. Für manche mag dies Zeugnis von Langeweile sein, für andere jedoch entstehen genau dort die Trends von morgen. Mittlerweile tummeln sich auch jede Menge Modemacher in den Blogs. Sie haben erkannt, dass es Vorzüge hat, binnen Sekunden via Mausklick auf den Laufstegen der Modemetropolen spazieren zu gehen. Wer böses denkt, könnte behaupten, man spart sich die Reisen und kupfert die Trends der anderen einfach ab.
Aber für Zeitschriften werden Modeblogs allmählich zu bedeutsamen Rivalen. In Fachkreisen wird gemunkelt, Blogs beginnen die Meinungshoheit von „Vogue“, „GQ“ und „Elle“ zu unterwandern. Auch laden immer mehr Modedesigner gezielt Blogger zu ihren Modeschauen ein und so sitzen die üblichen, verdächtigen Redakteure längst nicht mehr alleine in der ersten Reihe. Inzwischen haben sich auch ein paar Newcomer hinzugesellt. Während die Redakteure ihre Eindrücke für die nächste Konferenz in ihre Büchlein notieren, haben die Blogger daneben ihre Notebooks gleich auf dem Schoß und kommentieren nahezu in Echtzeit. Sie sind schneller und aktueller als es ein Magazin jemals sein könnte.
Das alles haben auch schon viele Konzerne gemerkt, die zunehmend versuchen auf den Zug auf zu springen. Hierzulande arbeitet zum Beispiel der Burda Verlag mit dem Bloggerduo „LesMads“ zusammen. Kritiker solcher Kooperationen fahren mit dem Argument auf: Man macht ja einen Blog, um unabhängig von Magazinen und Verträgen zu schreiben.
Fazit:
Die normale Redaktionsarbeit verändert sich gewaltig. Gut gemachte Blogs beeinflussen inzwischen gewaltig die Szene, nicht nur in der Mode.
Doch ob Blogger nun kooperieren oder selbständig arbeiten, sie alle tragen dazu bei, die elitäre Modewelt ein Stückchen zu demokratisieren und mitzugestalten. Sie holen die neuesten Trends vom anderen Ende der Welt in unser Wohnzimmer.


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