Buchtipps ganz frisch von der Buchmesse

23. Oktober 2009 von Georg Blum

Nach den vielen Fachgesprächen in Halle 4.2. findet man einen Stock tiefer erfrischende Literatur. Drei wirklich interessante Bücher, die uns beim Stöbern und Schmökern aufgefallen sind:

Martin Lindstrom´s „Buy-Ology Warum wir kaufen, was wir kaufen“, erschienen im Campus Verlag. Martin Lindstrom beschreibt die aktuellen Ergebnisse der Hirnforschung und die Erkenntnisse für die Kommunikation.

Manfred Spitzer und Wulf Bertram´s „Hirnforschung für Neu(ro)gierige Braintertainment 2.0“, erschienen im Schattauer-Verlag. Die beiden Herren, die nebenher noch als Bandleader auftreten, fungieren als Herausgeber und haben auch – anders als Lindstrom – interessante Beiträge gesammelt. Besonders zu empfehlen: Der Epilog von Dr. Eckardt von Hirschhausen.

Chris Anderson´s „Free“, erschienen im Campus-Verlag. Den Autor treibt die Frage um, warum ist im Internet fast alles kostenlos. Und ist das wirklich so bzw. ist das gut so? Antworten gibt er auch: Wie kann man „free bzw. kostenlos“ nutzen, um trotzdem Geld zu verdienen?

Zu allen drei Büchern werden wir in den nächsten Infolettern Rezensionen veröffentlichen. Wer will kann sich ab Januar vorab auf der Webseite dazu registrieren. (www.CommunDia.de)

Geld stinkt nicht – oder etwa doch?

13. September 2009 von Georg Blum

Was ist goldgelb, dick, rund und 38,5 kg schwer und lagert im Tresor einer Bank? In der Stuttgarter Zeitung lass ich letzthin mit Verzückung einen Bericht über ein außerordentlich erfolgreiches Bankmodel – nämlich das der Agrarbanken. Diese Geldinstitute in Norditalien beleihen seit über 40 Jahren über die Einlagerung von Parmesankäse ihren Käsereikunden Geld. So sind zum Beispiel bei der Credito Emiliano 440.000 Käselaibe á 38,5 Kilogramm gelagert. Diese, mit je 300 Euro bewerteten, Laibe ergeben somit einen Depot-Wert von 132 Mio. Euro! Natürlich wird der Käse nicht in Schließfächern, sondern ordnungsgemäß unter Einsatz eines professionellen Käsemeisters sowie moderner Klimatechnik eingelagert.

Die Banken arbeiten wie ein Pfandhaus. Sie nutzen die 24 Monate Reifezeit des Parmesan, um den Käsereien die Zeit zwischen dem Einkauf der Rohware und dem Verkauf des Käses zu finanzieren. Und sollte einmal ein Kunde seinen Kredit nicht bezahlen können, dann verkauft die Bank eben den ganzen Käse. Das kommt selten vor und Verluste hat sie damit bisher nicht gemacht.

Vielleicht greifen ja auch einige Banken in Deutschland dieses Geschäftsmodell auf . Und wir sehen also in Zukunft immer mehr Firmeninhaber mit einem 38.5 Kg-Trumm bei Ihrer Bank vorfahren. Obwohl wenn ich da an Harzer Roller oder überreifen Ziegenkäse denke, ist das keine so gute Idee.

Mein Tipp: Wenn Sie das nächste mal bei der Bank auf einen Empfang eingeladen werden, sofern das aktuell überhaupt vorkommt, prüfen Sie ob der Parmesan schon reif ist. Oder ob man Ihnen nicht einen frühreifen Börsen-Käse (oder schreibt man ihn Boursin) vorsetzen will.

Salesman travelling – reisen Sie alleine?

19. Februar 2009 von Gastautor

Ein Business-Trip ist einsam und nervtötend, hat ungefähr den Charme einer Busfahrt von Dortmund nach Gelsenkirchen-Buer und hat aber auch gar nichts mit inspirierendem Welterforschen gemeinsam. Das erzähle ich zumindest meinem Chef.
Während das Alleine-Reisen vermutlich für alle Vertriebsleute in dunklen Anzügen oder schicken Kostümchen in der Frankfurter Flughafenhalle A reine Routine ist, vermag die Auswahl “Ich reise in Begleitung” im Quick-Check-In-Dialog-System den faden Businesstrip gehörig upgraden.

sany0090Mein korpulenter amerikanischer Kollege Harry aus dem Vertrieb beispielsweise hat mir auf unseren bisherigen Reisen viel über den Umgang mit meiner Kleidung beigebracht: Ich falte seitdem meine Anzüge so, wie Harry es von einem Anzugverkäufer in Mailand gelernt hat und trage natürlich nur edelsten Zwirn, da der selbst bei langen Flugreisen nicht knittert. Sollte er doch knittern, kann man den Anzug zum Glätten über Nacht über die mit heißem Wasser gefüllte Hotelbadewanne hängen. Und Krawatten werden im Koffer faserschonend gerollt. Alles interessante Tipps von einem Mann, der immer wie ein ungemachtes Bett unterwegs ist und auch auf 2-Wochen-Trips mit kleinem Handgepäck auskommt.

Mein ebenfalls stabil gebauter Kollege Georg überzeugt durch kosteneffiziente Reisegestaltung: Er schafft es stets einen extrem günstigen Trip zu organisieren, wofür er die unmöglichsten Zwischenstopps auf Flugrouten, die kompaktesten Mietwagen und vor allem die längsten Suchzeiten im Internet zum Preisvergleich in Kauf nimmt. Er belächelt mich immer für mein unglückliches Händchen bei der Hotelwahl. Die von ihm gefundenen Hotels überzeugen durch günstigere Kurse bei eindrucksvollen Leistungsmerkmalen, wie kostenlosen Massagestühlen in der Hotellobby. Dafür muss Georg morgens halt zwischen fünf und halb sechs raus, da diese Hotels meist nicht ganz so zentral liegen. Man kann nicht alles haben.

Steve hingegen ist Punktesammler: Steve hat Karten für jedes Bonusprogramm der Welt. Bei jedem Hinterhofdienstleister punktet Steve mit einem 5%-Discount oder der “free-refill”-Gratifikation. Sehr überzeugend fand ich sein “Emerald Aisle”-Programm, welches er mir bei einem Mietwagenanbieter in Kentucky präsentierte. Durch die Vorlage seiner Clubkarte kamen wir in den Genuss, bei strahlendem Sonnenschein einen Wagen aus der ersten Parkreihe zu erhalten. Die 10 Meter mehr zur zweiten (und damit letzten) Parkreihe hätten mich umgebracht.

Lehrreich ist auch das Reisen mit Bernd. Er kann wirklich überall schlafen. Zusätzlich nimmt er auch gerne Schlaftabletten für “red-eye” Trips Richtung Osten. Egal ob von San Francisco nach Frankfurt oder Los Angeles nach Las Vegas, seine Trips dauern immer “zwei Tylenol und eine Flasche Bordeaux”.

Mein Kollege Gerd wiederum hat das tiefe Bedürfnis, immer möglichst vollständig über das verfügbare Serviceangebot vor Ort informiert zu sein: Jeder kennt das Procedere im Hotel: Anstehen, Einchecken, Fahrstuhl suchen, Sachen hochbringen, wieder in die Lobby fahren um den mitreisenden Kollegen zu treffen. Dauert zehn Minuten, inkl. Zähne putzen. Auch bei Gerd. Allerdings verschafft er sich in diesen zehn Minuten zusätzlich einen Überblick über die Öffnungszeiten des Schwimmbades, kennt die empfehlenswerten Restaurants in der Gegend und die Drehzahl des Schuhputzautomaten auf seinem Gang. Eines Morgens wusste er nach genau den genannten 10 Minuten entsetzt zu berichten, dass das Pay-TV in seinem Zimmer nicht funktionierte. Ich war überrascht über die offensichtliche Priorität, die er dem Thema “Pay TV im Hotelzimmer” beimaß.

Aber Sie sollten mal mit MIR verreisen …

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Der Gastautor ist den Betreibern dieses Blogs persönlich bekannt.

Am 23. 12. durfte Helmut Schmidt seinen 90. Geburtstag feiern. Die Bildzeitung veröffentlichte seine 90 besten Sprüche.  4 Biographien sind entstanden, sein eigenes Buch “Außer Dienst”. Ich denke, im Nachgang gilt es auch mal das Kleingedruckte über ihn herauszustellen.

Der vielleicht berühmteste und aktuellste Spruch von ihm ist: Wer Visionen hat, der sollte zum Arzt gehen. Was meinte er schon in den siebziger Jahren damit? Er hat sich immer als Realist bezeichnet. Weder Pessimist noch Optimist. Insofern sind Visionen für ihn Hirngespinste, die eher mit einer Bauernfängerei als mit … zu tun haben.

Heute können Sie auf fast jeder Webseite nachlesen, was die jeweilige “Mission” oder “Vision” des Unternehmens ist. Schmidt würde dazu nur genüßlich seine Zigarette anzünden. Denn oft ist das dort geschriebene nicht mal ein Zündholz wert.

Seine Vision war z.B. China wird das einzige kommunistisch regierte Land sein, welches den Spagat zwischen Marktwirtschaft und Sozialismus aushält.

Er vermutete schon vor 5 Jahren, dass die unregulierten Finanzmärkte in einem Kollaps enden würden. Das war seine realistische Vision.

Aber der Knaller war bei seinem ersten Wahlkampf für ein politisches Mandat, als er einen Familien-Film als Wahl-Werbung an die Häuserwände in seinem Hamburg Wahlkreis “geworfen” hat. Mit Erfolg. Heute würde man das Guerilla-Werbung nennen.

Letztendlich hat er schon vor vielen Jahren geklagt, dass Unternehmen sich nicht kundenorientiert verhalten würden. Auch hier hat er der Branche den Spiegel der “Zeit” vorgehalten.

Aber wie sagt er am Ende dieser Zeit-Werbung so schön: ” Jeder von uns muss noch ein bißchen was dazu lernen”. Recht hat er.

Liebe Leserinnen und Leser dieses Blogs, am Jahresende noch etwas Philosophie.

Sie werden sich wahrscheinlich fragen, was diese Gleichung bedeutet. Ganz einfach: Im späten Winter oder im “frühen” Frühjahr (es hängt von den Bäumen oder Sträuchern ab) ist die beste Zeit für das Baumschneiden. Warum? Weil die Wunde am schnellsten verheilt!

“Komm’ endlich auf den Punkt!” denken Sie wahrscheinlich. OK.

Viele Firmen sind z.B. in den letzten 2 Jahren gewachsen (so wie auch die Bäume). Manche stärker, manche schwächer. Die einen Firmen sind eher wie Birken (schnelles Wachstum, dünner Stamm), die anderen wie Eichen (langsames, aber breites, stabiles Wachstum). Aber Sie können auch Obstbäume nehmen. Denn Obstbäume tragen auch noch Früchte. Und so wie der schlaue Landwirt im Herbst seine “Ernte einfährt”. So haben in den letzten Jahren die Firmen, die erfolgreich waren, auch „ihre Früchte vom Baum gepflückt“.

Nur was passiert in einer Firma genauso wie bei den Obstbäumen in der Natur? Und jetzt komme ich auf den Punkt:

Das Wachstum bringt nicht nur gute, sondern auch schlechte Triebe (Prozesse). Nicht jeder Ast (Entwicklung) trägt Früchte. Geschweige denn, ist er (sie) für das weitere Wachstum im nächsten Jahr strategisch sinnvoll. Was passiert jetzt in der Natur mit diesen schlechten Trieben? Sie werden beim jährlichen Baumschneiden weg- oder ausgeschnitten. So dass die Ernte im nächsten Jahr wieder eine gute Qualität besitzt, die Menge sogar etwas zunimmt. Weil das Wachstum in geordneten Bahnen abgelaufen ist.

Und genau dieses Bild sollten sich Führungskräfte JÄHRLICH vor Augen halten. Der Winter ist in der Natur zum einen die Jahreszeit, dass man nach der Erntezeit seine “Ertragsbringer” ruhen und erholen lässt. Zum anderen ist das Ausschneiden wichtig, damit man wieder “Luft oder Raum” für das weitere Wachstum bekommt. Folglich sollten wir uns alle im Winter (also JETZT) Gedanken machen: Welche schlechten Triebe sind bei unserem “Unternehmensbaum” entstanden? Welche sollte leicht ausgeschnitten, andere abgeschnitten werden? Sprich “welche Prozesse oder Entwicklungen sollten gestoppt oder korrigiert werden?” Wer das regelmäßig macht, der wird an seinem Unternehmensbaum lange und viel Freude (oder auch Ertrag) haben.

Die Moral von der Geschicht’: Vergiss’ das Baum schneiden nicht!

Also, wenn Sie das nächste Mal in einen Apfel beißen, dann denken Sie nicht nur an das Paradies, die Schlange, die Versuchung oder den Wurm, sondern auch an das Baumschneiden. Schöne und erholsame Feiertage und einen guten Rutsch in ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2009.
Think positiv!