Merry Christmas

24. Juni 2010 von Ralf Roßkopf

Halbzeit: heute in sechs Monaten ist Weihnachten!

Dies ist eine faire Warnung

Soll also bitte niemand überrascht sein, wenn er am 24. Dezember 2010 weder Geschenke noch ein Flugticket in eine christen- bzw. konsumrauschfreie Zone hat.

Jedes Jahr kann man mich aufs Neue orientierungslos erleben, wenn ich im August, am Ende der Sommerferien, um die ersten Lebkuchen-Sonderverkaufsflächen im LEH irre. Der Begriff „Saisonale Produkte“ ist im Fall von Weihnachtsbäckerei etwas verwirrend.

Neben der Möglichkeit, eine Saison ins Unerträgliche auszuweiten, werden immer neue Anlässe und Saisons für den Produktkalender des Handels gesucht.
 
 

Multi-Kulti-Erntedankfest  – kleiner Produktkalender für Orientierungslose

21./24. Juni – Mittsommernacht
IKEA hat uns die Mittsommernacht näher gebracht und lockt zum Midsommarfest mit Rabatten für die Fans von Inbusschlüsseln, Kerzen und Knäckebrot.

20. September 2010 – Weinbrandbohnentag
Dieser Tag hat Charme – endlich ist die Mon-Chéri-freie Zeit beendet und es ist wieder „gut Kirschen essen“ im Piemont mit Claudia Bertani.

31. Oktober – Halloween
Aus den USA ist die Halloween-Welle und der dazugehörende Tinnef zu uns geschwappt – von Kürbisschokolade bis zur Zombiemaske.

3. Donnerstag im November – Beaujolais Nouveau
Ein Marketing-Gag der Weinbauern des Beaujolais um Ihren Primeur, Erstwein, auf den Markt zu spülen. In meiner Heimat am Kaiserstuhl würde man mit dem Fusel nicht mal einen Gewindebohrer kühlen.

24. Dezember – Heiligabend
„Ihr Kinderlein kommet!“, „o du fröhliche“… die Loblieder des Einzelhandels – statt Stern dienen heute Sonderangebote als Navigationshilfe für die Könige des Konsums.

Die Liste der Erntedankfeste für den Handel ließe sich bequem fortsetzen.

Welches ist Dein Lieblingstag – lass und daran teilhaben!

Der letzte Schrei aus Barcelona

07. Juni 2010 von Ralf Roßkopf

Barcelona ist um eine Attraktion reicher – zumindest, wenn es nach den Machern von Esloúltimo®, Club für Muster und Angebote – einem Geschäft für Warenmuster – geht.

Esloúltimo® es el centro de las innovaciones y muestras, donde ver o probar lo más nuevo del Mercado.”

Frei übersetzt: Der letzte Schrei ist das Zentrum für Innovationen und Warenmuster, bei dem es das Neueste des Marktes zu sehen oder zu probieren gibt.

Der Samplingshop im Herzen Barcelonas, unweit der Ramblas, ist eine neuartige Plattform für Verkaufsförderung.

Wie funktioniert der Laden

Sehen und probieren darf, wer fünf Euro Halbjahresbeitrag geleistet hat. Genauer gesagt dürfen dann alle 14 Tage bis zu fünf Produkte kostenlos mit nach Hause genommen werden. Derzeit beschränkt sich die Auswahl auf rund 50 Marktneuheiten. Darunter Produkte von Nescafé, Knorr, Granini, Adidas, Toshiba und Playboy.

Der gläserne Spanier

Wer möchte darf „freundschaftlich“ zum Wohle der Konsumenten und Produzenten seine Verbraucherdaten hinterlassen: Geschlecht, Alter, Adresse, E-Mail-Adresse.

Expansion: Madrid und der Rest der Welt

Derzeit ist für Madrid ein weiterer Konsumrauschtempel vorgesehen! Dem Rest der Welt bleibt die virtuelle Shopping Mall von Esloúltimo® im Internet.

Esloúltimo® Shop
Esloúltimo® – club de muestras y ofertas
Ronda de la Universidad, 9
08007 Barcelona

Website

Gute Preise. Gute Besserung.

13. Februar 2010 von Georg Blum

Das sagt uns schon eine nicht ganz unbekannte Werbung eines Pharmaherstellers. Wobei die beiden Protagonistinnen nun woanders unter Lohn und Rezept stehen. Aber wie recht sie mit dieser Aussage haben, ist dem Pharmahersteller selbst wahrscheinlich gar nicht so klar.

Was sind überhaupt „gute Preise“? Ein Kunde sagte einmal: Billig kann ich mir nicht leisten. Und ist gut auch immer günstig? Eine Umfrage der Beratungsgesellschaft Simon Kucher & Partners ergab, dass 53 Prozent der Befragten aus mehr als 1.000 europäischen Unternehmen mit Preisreduzierungen um durchschnittlich 10 Prozent auf Umsatzrückgänge in der derzeitigen Wirtschaftssituation reagierten. Aber ist das wirklich immer die richtige Strategie?

Wie wir alle wissen, beeinflussen die Menge und der Preis den Umsatz und somit den Gewinn. Was dabei aber eine enorme Bedeutung hat, ist der Blick in die Kundenprofitabilitätsliste.

Laut Simon Kucher & Partners machen viele Unternehmen den meisten Gewinn mit jenen 22 Prozent ihrer Kunden, mit denen sie 68 Prozent ihres Umsatzes abwickeln. „Weitere 63 Prozent der Kunden trügen wenig zum Gewinn bei, und die restlichen 15 Prozent“ vernichten diesen Gewinn sogar wieder zum Teil.

Andrea Maessen, Partnerin bei Simon Kucher & Partners, regt an über Produktdifferenzierung nachzudenken. „Oft kann man durch ein abgespecktes Alternativprodukt den Preis für das Original hoch halten“. Nur ist das nicht immer schnell umsetzbar. Nach unseren Erfahrungen ist die Differenzierung über Serviceleistungen sehr erfolgreich. Denn die Elastizität von Preiszuschlägen ist nur halb so hoch, wie die von Basispreisen. Das heißt also, die Kunden reagieren sehr viel weniger auf Preiszuschläge für Service als auf eine Anhebung des Produkt- oder Basispreises.

Auf der anderen Seite ist eines klar. Wer Rabatte gibt, dreht an einer gefährlichen Spirale. Da sich die Kunden an die Rabatt-Preise gewöhnen, gibt es aus dieser „Todesspirale“ am Ende kein Entrinnen mehr.

Setzen Sie bei Ihren Produkten lieber auf einen individuellen Service, denn dieser ist meist einzigartig und nur schwer kopierbar.

Geld stinkt nicht – oder etwa doch?

13. September 2009 von Georg Blum

Was ist goldgelb, dick, rund und 38,5 kg schwer und lagert im Tresor einer Bank? In der Stuttgarter Zeitung lass ich letzthin mit Verzückung einen Bericht über ein außerordentlich erfolgreiches Bankmodel – nämlich das der Agrarbanken. Diese Geldinstitute in Norditalien beleihen seit über 40 Jahren über die Einlagerung von Parmesankäse ihren Käsereikunden Geld. So sind zum Beispiel bei der Credito Emiliano 440.000 Käselaibe á 38,5 Kilogramm gelagert. Diese, mit je 300 Euro bewerteten, Laibe ergeben somit einen Depot-Wert von 132 Mio. Euro! Natürlich wird der Käse nicht in Schließfächern, sondern ordnungsgemäß unter Einsatz eines professionellen Käsemeisters sowie moderner Klimatechnik eingelagert.

Die Banken arbeiten wie ein Pfandhaus. Sie nutzen die 24 Monate Reifezeit des Parmesan, um den Käsereien die Zeit zwischen dem Einkauf der Rohware und dem Verkauf des Käses zu finanzieren. Und sollte einmal ein Kunde seinen Kredit nicht bezahlen können, dann verkauft die Bank eben den ganzen Käse. Das kommt selten vor und Verluste hat sie damit bisher nicht gemacht.

Vielleicht greifen ja auch einige Banken in Deutschland dieses Geschäftsmodell auf . Und wir sehen also in Zukunft immer mehr Firmeninhaber mit einem 38.5 Kg-Trumm bei Ihrer Bank vorfahren. Obwohl wenn ich da an Harzer Roller oder überreifen Ziegenkäse denke, ist das keine so gute Idee.

Mein Tipp: Wenn Sie das nächste mal bei der Bank auf einen Empfang eingeladen werden, sofern das aktuell überhaupt vorkommt, prüfen Sie ob der Parmesan schon reif ist. Oder ob man Ihnen nicht einen frühreifen Börsen-Käse (oder schreibt man ihn Boursin) vorsetzen will.

Boris-Becker-TVJetzt kann man mal wieder darüber streiten, ob Boris Becker Grenzen überschreitet oder durch einen medialen Hechtsprung das Medium Internet revolutioniert. Auf jeden Fall bekommt er die Aufmerksamkeit, die er benötigt. Oder die ihm gebührt.

Mit seinem neuen Auftritt unter www.Boris-Becker.TV ist er mal wieder unschlagbar. Das Medium bietet ihm die Grundlage für einen 1A-Aufschlag. Alle können ihm bei seinen „Ähs“ über die Schulter schauen. Und Kritik schlägt er locker mit seiner Rückhand in das digitale Universum zurück. Kein Longline-, äh Online-Video darf fehlen. Big Brother lässt grüßen. Von der Hochzeit bis zum Modeevent – alles ist nun im BBBB.TV online zu sehen.

Am besten gefällt mir sein Satz im Anschluss zur Pressekonferenz. Er selbst sagte zum Ziel der Webseite vor laufender Kamera – und mit ernstem Gesicht: „Man bekommt Einblick in das Machen und Tun von Boris Becker!“ Das sagte er so selbstbewusst und ausdrucksstark, als ob er endlich ein Double gefunden hätte, das ihm die riskanten Aufnahmen bei Modenschauen, Autopräsentationen oder in Wäschekammern abnehmen wird.

OK. Bobbele ist mal wieder ganz er selbst und vorne dabei. Das ist doch zumindest ein Grund sich ihm mal kurz zu widmen.

Game, Set and Klatsch, Äh Match, Becker.