Wissen Sie, was eine Blumenspendenvermittlungsvereinigung ist oder besser war? 1908 wurde der spätere Fleurop-Service geründet. Toll, nicht? Man muss ja auch mal loben. 

Zuerst wurden die Grüße aus abgekürzten lateinischen Worten codiert als Telegramm verschickt. Seit in der Floristenausbildung immer seltener Latein-Kenntnisse gefragt waren, ist dieses gängige System leider ausgestorben. Heute wird das Ganze ordinär über das Telefon oder das Internet abgewickelt.

Der erste Blumenstrauss, der auf diese neue Art verschickt wurde, ist in Berlin-Kreuzberg bestellt und in Potsdam ausgeliefert worden. Selbst die sonst so schnellen Amis haben hier nur auf die Kopierfunktion drücken können. Erst 1910 fand das System über dem Teich seine ersten Nachahmer.

 
4 Mio. Grüße gehen heute pro Jahr auf Reisen. Im Schnitt für 30 Euro. “Na, war Ihre letzte Lieferung unter diesem Wert?” Aber Scherz beseite. Das Beste ist: Demnächst ist ja Muttertag. Der fällt auf einen Sonntag, den Pfingstsonntag. Nur leider ist an Feiertagen kein Blumenverkauf erlaubt. Nun kam irgendeiner innerhalb der Baden-Württembergischen Regierung auf die Schnapsidee, dass man mit einer Werbekampagne die Kinder der Mütter darauf hinweisen soll, dass sie gefälligst ihre Blumen für Muttertag schon am Samstag kaufen sollen.

Dafür wurde das sagenhaft opulente Budget von 50.000 Euro ausgelobt. Naja, wahrscheinlich hat man sich dabei folgendes gedacht: Das ist die neue Form von Guerilla-Marketing. Die Idee ist so schlecht, dass einige Journalisten das Thema aufgreifen und darüber schreiben.

Wahrscheinlich kann die Regierung sich jetzt sogar die 50.000 komplett sparen, denn einerseits hat man sie hoffentlich darauf aufmerksam gemacht, dass man mit diesem Betrag keine breitenwirksame Kampagen fährt. Und die Presse hat wirklich ausführlich darüber gelästert. Deshalb weiß es inzwischen jeder.

Muttertag ist am 11. Mai. Also wann müssen Sie die Blumen kaufen? Fragen Sie Günther Öttinger, oder jemand der sich damit auskennt. Also schon Notiz im Kalender gemacht?

Was macht eigentlich…: die virtuelle 3D-Welt Second Life?

07. April 2008 von Carla Breidenstein

Nach der spektakulären Hochphase in 2007 ist es verdammt still geworden in der imaginablen Welt von Second Life. Berichteten die Medien im letzten Jahr fast täglich über die schillernde Plattform, scheint mittlerweile kein Hahn mehr danach zu krähen; Ein schnelllebiges Geschäft zollt seinen Tribut.

In der Web-Community und unter Marketingexperten wird schon länger gewörtelt: Lohnt sich der Aufwand für das dauerhafte Betreiben einer Präsenz in Second Life überhaupt? Für Privatmann/-frau vielleicht, wenn er/sie viel Zeit und Muße und sonst nichts zu tun hat oder mit seiner/ihrer realen Persönlichkeit unzufrieden ist und als Avatar/in seine/ihre Welt erobert. Aber für Unternehmen? Zwar steuerte Betreiber Linden Lab im Januar 2008 mit über 12 Millionen Nutzern auf einen neuen Einwohnerrekord zu, aber man munkelt, dass die Zahl der aktiven Avatare, wie die künstlichen Persönlichkeiten der User genannt werden, stetig sinkt, die Zahl der Karteileichen hingegen mächtig steigt.

Immer mehr Unternehmen steigen bei Second Life aus. Aktuellstes Beispiel: Mercedes Benz. Nur rund ein Jahr nach der Eröffnung einer virtuellen Dependance in Second Life sagt Mercedes-Benz jetzt bei der Online-Community „Good Bye“. Anfang 2008 macht die Deutsche Post ihre Filiale im Web dicht. Zuvor hatten sich schon der Computerhersteller Dell und Sportartikler adidas aus der bunten Welt der Avatare verabschiedet.

Niemand mag den Rückzug aus Second Life als Kapitulation eingestehen. Alle Unternehmen sahen ihr Engagement als Experiment, das sehr erfolgreich verlaufen sei, und aus dem man viel gelernt habe.

Aber warum nur ist es dann so still geworden im Second Life?

100 Top Trends: Wer’s glaubt, wird selig!

13. Oktober 2007 von Georg Blum

Neulich "flatterte ein Flyer" zu mir ins Postfach: Darauf stand: Die 100 Top Trends, die wichtigsten Driving-Forces für den kommenden Wandel. Ich las interessiert weiter und fand folgende superwichtigen Trends:

Neo-Spießer, Postmaterielle Welteroberer, Erweckungsreisen, Schöner Sterben, Neo-Glauben, Die neue Zukunftslust, Destination Ich, Soul-Food, MeWe-Revolution, Glokalisierung, Postpolitik, Relationeering, Neo-Nature, Narrowcasting, Neo-Citys, Gende-R-evolution, Multigraphie, Downaging, Familie 2.0, Das neue Wir-Gefühl, Gourmet-Sex, Easy Access, Teaching Industries, Brain Business,  Digital Bohème, Krea-Topia, Das nonterritoriale Büro, Uniquability, Neuglobale Intelligenz, Scientainment, Neue Freiwilligenkultur, Responsible Autonomy,  Open Innovation, Long Tail, Märkte der Teilhabe, BRICitizing, Micro-Economy, Werte-Management, Chaos-Planning, Coopetition, Happiness Economics, Nischen-Ökonomien, Cross-Innovations, Renaissance der Mitte, Transparenz-Ökonomie, Neuer Luxus, Tante Emma reloaded, Kids-Credibility, Mood-Management, She-Products, Situativer Konsum, Cool Convenience, Identity Consumption, Online-Shopping deluxe, Family-Business, Retailtainment, Vending Culture, Alltags-Outsourcing, Pomp 2.0, Gourmet Gardening, Health Style, Nano-Medizin, Medical Wellness, Phood, Gesundheitsconsulting, Hybrid-Medizin, Neuro-Enhancement, Selfness, Megatrend Neo-Ökologie, Green Tech, Ökologistik, Greentainment, Globaler Sozial-Kapitalismus, Charity Chic, Corporate Volunteering, Gewinn mit Sinn, Feel-Good-Consuming, Total Gaming, User-Generated Advertising,  Geo-Tagging, Cyber-Präsenz, Mobile-Marketing, Clip-Kultur, Megatrend Connectivity, Relokalisierungs-Marketing, Ermöglichungs-Marketing, Sonic Boom, Mash-Up Marketing,  E-Mancipation, Design In-Reach, Heimotion, McMode, Oko-Chic, Pimp my Life, Real Design,  Schöner Shoppen, Smart Basics, Mobile Style, Prefab Nests, Das DIY-Prinzip.

Haben Sie nachgezählt? Waren es 100? Egal. Für 190 Euro kann man sich diese Wortschöpfungen erklären lassen. Oder auch lieber nicht.

Wer hat sich diese angeblichen Trends bzw. Namen ausgesucht? Sorry, aber soviel Drogen kann man doch normalerweise nicht nehmen, dass so etwas dabei raus kommt. Wahrscheinlich waren für den Cocktail u.a. Dieter Bohlen, die Ärzte von Lance Armstrong und Marion Jones, Meister Fuentes und der Berater von Gabriele Pauli am Werk. Das ist doch die Hochkultur des Phrasendreschens.

Aber liebe Leser, wollen wir nicht nur mit Schlamm werfen. Beim Abschreiben der Namen habe ich so heimlich meine Namens-Hitliste entwickelt. Mein absoluter Favorit ist: Globaler Sozial-Kapitalismus. Danach auf Platz zwei liegt: Identity Consumption, auf Platz drei sind gleichauf durch die Ziellinie gelaufen: Tante Emma reloaded und Alltags-Outsourcing. Alleine die Vorstellung, was sich dahinter verbirgt, löst bei mir die schönsten Lachfalten aus.

Welche Namenserfindung finden Sie denn am lustigsten? Bitte liebe Jury, nun zu Ihrer Wertung!

Passend dazu ist folgendes Video: http://www-05.ibm.com/de/werbung/download/buzzword-bingo.mpg

Online-Werbung: KMU im Internet ganz groß

05. September 2007 von Carla Breidenstein

Im Focus-Media-Guide 2007 steht es schwarz auf weiß: Derzeit wächst kein anderes Werbemedium schneller als die Online-Werbung.

2006 stiegen die Bruttowerbeaufwendungen im Internet um sage und schreibe 65,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr – und zwar auf 692,4 Millionen Euro. Besonders die Telekommunikationsbranche gab viel Geld für Netzwerbung aus – gefolgt von Online-Dienstleistungen, E-Commerce, Finanzdienstleistungen, Medien und Verlagen.

Ein wie ich finde überraschendes Ergebnis der Studie: 25 Prozent der deutschen Unternehmen hat keine Internetpräsenz. Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen sind betroffen. Obwohl das im europäischen Durchschnitt noch nicht mal schlecht ist – denn hier haben nur 64 Prozent aller Unternehmen eine eigene Internet-Site (Quelle: Burda). Mich hat das gewundert – denn sich heute eine Website zuzulegen, auf der man die wichtigsten Unternehmensinformationen hinterlegt, geht schnell und ist günstig.

Google: Online-Marketing für KMU ohne Website

Laut Unternehmensinformation auf der Internetseite www.google.de, "besteht das Ziel von Google darin, die Informationen der Welt zu organisieren und allgemein nutzbar und zugänglich zu machen." Was wären wir nur ohne Google.

Um das hoch gesteckte Ziel zu erreichen, bietet Google seit Juni AdWords Webpages für kleine und mittelständische Unternehmen an, die bisher keine eigene Internetseite besitzen. Wie die Computerwoche berichtet, können Unternehmen von Google gehostete Informations-Webseiten, für sich erstellen, nachdem sie sich für ein AdWords Starter Konto angemeldet haben. Neben einer Beschreibung des Unternehmens können auf der Seite Telefonnummer, Adresse, Geschäftszeiten, den Standort sowie die akzeptierten Zahlungsmethoden hinterlegt und mit Firmenlogo und Bildern individuell gestaltet werden.

Selbstverständlich gibt es diesen Dienst nicht umsonst. Das Angebot funktioniert nach dem "Pay-per-Click"-Modell, bei dem der Inserent zur Kasse gebeten wird, sobald ein Internetnutzer den Link anklickt.

Um den Dienst nutzen zu können, müssen sich die Interessenten registrieren. Ein Wermutstropfen für alle, die bereits Teilnehmer von Google adwords sind: Das Zusatzangebot „AdWords Webpages“ stehen nur neuen Kunden zur Verfügung, bestehende Kunden haben Pech gehabt und können nur hoffen, dass sie bereits im Internet präsent sind – am besten mit einer eigenen Webpräsenz.

Ich meine, eine eigene Internetpräsenz ist sowieso professioneller und nachhaltiger und besser zur Kundeninformation geeignet, als eine Pseudo-Website, die nicht mehr Details enthält als ein Eintrag ins Branchenbuch.

Es muss ein ganz schlauer Kopf herausgefunden haben, dass eine ganz besondere Spezies von Mensch, außerordentlich affin zu Kachelöfen sein muß. Während des Strategie-Workshops – vermutlich bei mehreren Gläsern Wein oder Bier– wurde die Zielgruppe für Kachelöfen genauer untersucht bzw. folgende Fragen beantwortet: Wo trifft man diese am häufigsten an? In welcher Lebens- oder Umfeldsituation spricht man diese Zielgruppe am leichtesten an? Am Ende stand – unter Hochdruck erarbeitet – im Protokoll: Kräftig, Männlich, Autofahrer, Beschützerinstinkt und einen Hang zum Harndrang. Nein, es handelt sich hier nicht um Granufink. Das wäre das Produkt für die schunkelnden Bahnfahrer mit Blasenschwäche.

Weiter fand man bei Pretests heraus, dass sich das männliche Antlitz nach Betrachten der Werbung zu einem freundlichen Lächeln, ja manchmal sogar zu einem überschwänglichen Strahlen verwandelt. Eine wahre Wunderwaffe also?

Wann sind Sie – hier spreche ich leider nur Männer an – das letzte Mal auf einer Autobahntoilette gewesen? Was haben Sie, sofern Sie sich nicht mit einem Comic in die Kabine gesetzt haben, vor sich gesehen? Genau: Einen Kachelofen von Kago.

Sie kamen also nach einer dreistündigen Fahrt über die volle Autobahn, unter Zeit- und Wasserdruck leicht entnervt an der nächsten Raststätte an. Sie drängeln sich an der Klofrau, die Ihnen schon beim Zutritt zur Toilette am Liebsten das Geld abknöpfen möchte, vorbei und stehen dann … wo Mann eben steht. Und was entdecken Sie mit zunehmender Erleichterung: Eine wunderschöne Kachelofenwerbung. Genau dass, worauf Sie an dieser Stelle gewartet haben.

Sie versuchen sich weiterhin zu konzentrieren … auf das neueste Modell „Pleinfeld", "… ein Eckmodell, bei dem Sie beim Spiel mit dem Feuer, den Alltag hinter sich lassen können". Zwei Stunden, 1,5 Liter Apfelschorle und 300 km später stehe Sie vor dem Modell „Hallertau". „Um sich für die Dürer-Reliefkachel begeistern zu können, müssen Sie selbstverständlich kein Kunstkenner sein." Oder ich denke an den starken Wanja. Er fraß 7 Jahre – auf der Ofenbank sitzend – Sonneblumenkerne in sich hinein, und war danach ein bärenstarker Mann. Mann, das sind ja tolle Aussichten.

Das Leben ist schön. Kein Wunder entspannen sich die Gesichtszüge nach der Betrachtung dieser bezaubernden, phantasieanregenden Schönheiten der Ofenbauerkunst.

Nur eine Frage blieb mir am Ende der Fahrt noch offen. Was für eine Werbung ist in den Kabinen der Frauen angebracht? Meine repräsentativen Recherchen ergaben eine erschreckende Warheit: Sage und schreibe – gar nichts.

Ja, wo bleibt denn hier die Gleichberechtigung? Müssen nur wir Männer grausame Werbung ansehen? Schreiben Sie – vornehmlich die Damen unter den Bloglesern – mir: Welche Werbung wünschen Sie sich im stillen Örtchen? Eine Idee hätte ich schon einmal: Im Sommer 2008 werden wohl überdurchschnittlich viele Käthe-Kruse-Puppen, Bilder von Rosina Wachtmeister und Topflappen verkauft.

PS: Die ComDirect-Bank hat festgestellt, dass in Wohnungen, bei denen Häkeldecken auf dem Wohnzimmertisch und auf der Couch liegen (und vermutlich auch ein Kachelofen in der Ecke steht), die risikoreichsten Börsengeschäfte (mit Hedgefonds usw.) abwickeln  Na also: No risk, no fun – at home.