Zettelwirtschaft ade

09. März 2011 von Georg Blum

Ja, ja das digitale Zeitalter verschlingt jetzt auch noch die gute alte Zettelwirtschaft.

Mit Nobo Kapture, Echo Smartpen oder dem Digi-Memo sind die – irgendwie doch mehr oder weniger lieb gewonnenen – Zettelhaufen passé.

Wie das geht? Ganz einfach. Ein interner Speicher „merkt“ sich Handschriftliches aller Art. Per USB-Kabel werden die Notizen direkt auf den Computer übertragen.

Für die User ergeben sich also völlig neue Möglichkeiten der Notizenverwaltung.

So können mittels Volltextsuche beim Echo Smartpen beispielsweise Aufzeichnungen zu bestimmten Themen leicht wieder gefunden werden. Ein echter Vorteil für Vielzettelschreiber! Aber der Smartpen kann noch mehr. Er ist eine Kombination aus Stift und Diktiergerät. Besonders nützlich ist das, bei handschriftlichen Aufzeichnungen während eines Vortrages. Sobald man die entsprechende Stelle im Text antippt, spielt der Stift die dazu passende Aufnahme ab. Weitere Gadgets sind die Taschenrechnerfunktion, die Funktion eines virtuellen Klaviers oder der Übersetzer, der geschriebene Worte in fast jede erdenkliche Sprache überträgt und als Sprachausgabe wiedergibt. Manko an diesem Stift – zur Nutzung wird ein Spezialpapier benötigt, was die Kosten natürlich in die Höhe treibt.

Das Digi-Memo fußt auf einem anderen System und erspart dem User den Kauf von Spezialpapier. Bestehend aus einem Klemmbrett und einem Spezialstift kann mit handelsüblichem Papier geschrieben werden. Seine Vorteile spielt das Digi-Memo besonders bei seiner Größe und seinem Gewicht aus. Es ist leichter und handlicher als ein Notebook oder ein Tablet-PC.

Als Knackpunkt beider Systeme ist die Weiterverarbeitung der erzeugten Daten zu nennen. Denn um die Notizen in ein digitales, mit Textverarbeitungsprogrammen kompatibles Format umzuwandeln, muss eine zusätzliche Software erworben werden.

Die Preise der „neuen“ Schreibutensil-Generation liegen bei ca. 250 Euro!

Jetzt stellt sich mir nur eine Frage: Was wird zukünftig aus unseren leeren Papierkörben? Haben Sie vielleicht eine Idee?

Die größte Navigationsplattform hat…

03. März 2011 von Georg Blum

… Nokia. Hätten Sie das gedacht?

Das ist schön, allein reicht nicht. Denn Europas einstiges Vorzeigeunternehmen steckt seit 2007 in der Krise. Der Verdacht liegt nahe, dass das iPhone von Apple, welches 2007 auf den Markt kam, einen gehörigen Anteil an der Nokia-Krise trägt. Allerdings muss man auch erwähnen, dass Nokia im Jahr 2007 den Kartenanbieter Navteq für 5,7 Milliarden Euro übernommen hat. Somit hat Nokia heute die größte Karten- und Navigationsplattform der Welt. Genau hier setzt die Strategie von Nokia an. 

„Seitdem Smartphones nicht nur mit einer Kamera, sondern auch mit Satellitennavigation GPS und jeder Menge Sensoren ausgestattet sind, ist das Internet lokaler geworden. Navigation für Autofahrer oder Fußgänger, die Suche in der Umgebung nach gewünschten Läden, an den aktuellen Aufenthaltsort angepasste Werbung oder neue „Ceck-in“-Dienste wie Foursquare gelten im Internet als der nächste große Wachstumsmarkt – auch bei Nokia.“, so die FAZ vom 21.12.10.

Der Ansatz der Finnen unterscheidet sich allerdings deutlich von der Konkurrenz. Nokia stellt Plattformen bereit, auf die neue lokale Geschäftsmodelle aufbauen. Das sind z.B. M-Commerce, Werbung oder Coupon-Modelle wie Groupon. Bisherige Vorzeigeprojekte sind das Empfehlungssystem Qupe oder der Hotel-Reservierungsdienst HRS.

Dazu wünschen wir den Finnen viel Glück. Schon allein, um die Vielfalt im Markt zu erhalten!

Black Friday

24. Februar 2011 von Georg Blum

Diese Bezeichnung hat nichts mit einer Börsenblase zu tun, wie man es vielleicht annehmen könnte. Nein, der Black Friday symbolisiert vielmehr den Tag, ab dem im amerikanischen Einzelhandel schwarze Zahlen geschrieben werden. Und das war im letzten Jahr der 26. November.

Da oft 40 % bis 50 % des Umsatzes in den letzten 6 Wochen erzielt werden, ist das mehr als nachvollziehbar.

Was aber noch faszinierender ist: Da die Analysten den Angaben des Einzelhandels schon lange nicht mehr glauben, wird sogar Satellitentechnik eingesetzt. Sie fragen sich, wie das geht? Ganz einfach! Um eine Prognose über das Kaufverhalten abzugeben, werteten Analysten Bilder von Parkplätzen aus, die von Satelliten aufgenommen wurden. Ist der Parkplatz wirklich voller als im letztes Jahr? Ich frage mich angesichts dieser Methode allerdings, ob nicht hinter den Bildern der Analysten auch noch Google Streetview steckt und das eine oder andere Auto oder der ganze Parkplatz ausgeblendet wurde.

Letztendlich sind die Aussagen der Analysten eh mehr oder weniger obsolet, denn wer glaubt denen schon noch?

Ob Parkplatz voll oder leer, am Ende entscheidet dann doch der Kasseinhalt des Händlers über Erfolg oder Misserfolg.

Auf jeden Fall lief das Geschäft bis zum Jahresende recht gut. Doch inzwischen hofft man in Einzelhandelskreisen nicht nur auf den Black Friday, sondern auch auf den Cyber Monday. Jetzt fehlt nur noch, dass uns die Amerikaner – insbesondere in Arizona – den Wüsten-Rot-Tag wegnehmen.

Wer früher stirbt, ist länger tot

15. Februar 2011 von Georg Blum

Normalerweise sollte man glauben, dass diese Aussage unantastbar im Raum steht. Aber in den heutigen Zeiten sozialer Netzwerke, trifft das alles gar nicht mehr so 100%-ig zu. Ja, heutzutage muss man damit rechnen, auch nach seinem Ableben virtuell weiter zu existieren. Einem selbst kann´s eigentlich egal sein, aber für die Hinterbliebenen, kann diese Existenz problematisch und manchmal auch sehr schmerzhaft sein.

Die FAZ vom 12.12.2010 schildert die Geschichte einer jungen Schwedin, die quasi ihr ganzes Familien-Leben auf Facebook offen legte. Sunniva, so heißt die junge Schwedin, und ihr Freund  luden Fotos von Partys mit Freunden, Bilder aus dem gemeinsamen Urlaub, von der gemeinsamen Renovierung ihrer Wohnung und und und hoch. Als sich Sunnivas Freund vergangenen Januar das Leben nahm, waren die beiden Nutzerprofile so eng miteinander verknüpft, dass Sunniva täglich Nachrichten bekam, die an ihren toten Freund erinnerten. Da diese Situation für die junge Frau unerträglich war, wollte sie, dass das Nutzerprofil ihres Freundes gelöscht wird. Sunniva kannte das Passwort für den Account ihres Freundes nicht. Aus diesem Grund schrieb sie direkt an Facebook und schilderte was passiert war. Als Antwort erhielt sie eine Standard-E-Mail. Man werde sich bald wieder melden und sie solle die Hilfeseiten studieren. … Wochen später bat Facebook um weitere Informationen zu Geburtsdatum und –ort ihres Freundes und um die Information, wann er sein Profil angelegt hat. Die gewünschten Infos schickte Sunniva noch am selben Tag zurück. Lange herrschte Funkstille und dann kam die Antwort: „Eine Löschung des Nutzerprofils komme nicht in Frage.“, so die FAZ. Statt dessen richtete Facebook für den Freund eine Gedenkseite ein. Sunniva war entsetzt – eine Gedenkseite ohne ihr Einverständnis, das wollte sie nicht. Erst nachdem eine schwedische Zeitung über den Fall berichtete löschte Facebook den Account.

Die FAZ fasst also zusammen: „Für Angehörige von Verstorbenen kann das Ausloggen für die Ewigkeit zu einer wahren Tortur werden.“

Die neuesten Regeln bei Facebook besagen: wird der Tod eines Nutzers gemeldet und durch einen Totenschein nachgewiesen, wird das Profil des Verstorbenen in einen „Memorial State“ versetzt. So möchte Facebook den Hinterbliebenen die Möglichkeit geben, sich in ihrer Trauer auszutauschen.

Problematisch ist hierbei, dass sich das Gedenkprofil kaum von dem eines Lebenden unterscheidet. Natürlich könne das Konto auch gelöscht werden, teilt Facebook mit. Ob darauf aber ein Rechtsanspruch besteht, ist laut FAZ umstritten.

Eines steht fest, früher oder später muss sich der Gesetzgeber ganz klar zum „ausloggen für die Ewigkeit“ äußern. Bis dahin sollte jeder sein Testament um die Passwörter und Zugriffsdaten seiner Social Media Accounts ergänzen.

Eine große Nummer bei Twitter

02. Februar 2011 von Georg Blum

Mittlerweile kommt man an dem Kurznachrichtendienst Twitter kaum noch vorbei. Selbst in den Fernsehnachrichten sind die sogenannten Tweets sehr präsent. CNN folgen z.B. schon 3,2 Millionen Menschen und deshalb blendet CNN Tweets innerhalb des Newstickers ein.

Dabei nutzen viele Twitter nur passiv. Der allgemeine Follower ist eher faul und twittert gar nicht selbst. Er leitet auch keine Tweets weiter. Vielmehr geht es den meisten ums passive konsumieren der Information. Eine neue Studie von HP ergab, dass diejenigen, die es schaffen die Faulheit ihrer Follower zu überwinden, ihren Einfluss erhöhen. Die Forscher haben 22 Millionen Tweets, welche Links enthalten analysiert. Das Ergebnis: „Der Account Mashable des Tech-Bloggers Pete Cashmore hat den größten Einfluss auf Twitter: Die Links in dessen Tweets wurden am häufigsten geklickt“, so die FAZ vom 10.10.2010.

Die Zahl der Follower ist zur Analyse der Verbreitung einer Nachricht also nicht geeignet, denn sie sagt relativ wenig darüber aus. Die Zahl der Klicks auf einen getwitterten Link ist allerdings auch mit großen Unsicherheiten behaftet, denn viele Links werden auch außerhalb von Twitter angezeigt (z.B. in der Google-Suche), so die FAZ. Was meinen Sie, sieht es bei den Retweets anders aus? Ich muss Sie enttäuschen, auch diese Zahl sagt wenig über die Klickzahlen aus. So kommt die o.g. Studie hier zu einem überraschenden Ergebnis: „Selbst wenn die Tweets eines Twitterers häufig weitergeleitet werden, wird nicht häufiger auf den enthaltenen Link geklickt …“.

Eine weitere wichtige Erkenntnis der Studie war, dass der Rage-Rank, also die Gewichtung, die Google einem Twitter-Profil zuweist, kaum mit der Zahl der Klicks auf die verschickten Links korreliert. Der Rage-Rank eines Twitter-Profils ist desto höher je mehr wertvolle Links auf ein Profil verweisen.

„Weil die bekannten Qualitätsfaktoren aber in keinem Zusammenhang mit dem Einfluss des Twitterers stehen, haben die Forscher kurzerhand ein neues Kriterium entwickelt: den Einfluss-Passivitäts-Algorithmus (IP).“ Dieser soll zeigen, inwieweit es Twitterern gelingt, die Passivität ihrer Follower zu überwinden. Der IP-Algorithmus berücksichtigt die Zahl der Klicks und ob der Klick von ansonsten eher passiven Nutzern kommt.

Lassen Sie uns also gemeinsam Ihren IP-Algorithmus in schwindelerregende Höhen treiben!